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10. “Gerne ...”

Gitte Härter • 10.12.2010 • email Weiterempfehlen

zum Beispiel:
Gerne unterbreite ich Ihnen folgendes Angebot.
Gerne vereinbare ich mit Ihnen einen Termin.

Ralf sagt: „Ich meine diese unselige Angewohnheit, Sätze mit ‘Gerne‘ zu beginnen, nur damit man den Satz nicht mit ‘Ich‘ beginnen muss.“

Ich bin ja ein großer Freund von Kontext. Sprich: Nur die Formulierung mit einem „Gerne“ finde ich nicht weiter tragisch. Stellen Sie sich vor, Sie bitten jemanden darum, Ihnen eine Rechnung nochmal zuzuschicken und die Antwort lautet „Gerne!“, dann ist das eine sehr schöne Erwiderung, die über ein bloßes „Ja“ hinausgeht – und das übliche Grummeln um Längen schlägt.

Bei den Beispielen oben ist es nun so, dass es keine Erwiderung auf eine Bitte ist, sondern es geht um etwas, das man selbst möchte. Natürlich werden Sie gerne ein Angebot machen (das „unterbreiten“ ist übrigens total veraltet und gestelzt!) oder einen Termin vereinbaren ... doch in diesem Zusammenhang verkommt das „gerne“ zur Floskel. Eine Floskel, die zwar nicht weh tut, die aber das Schicksal aller Floskeln ereilt: sie wird überlesen, weil sie inflationär genutzt wird.

Trampelpfade

Nun sind gerade in der Korrespondenz manchmal unsere Trampelpfade im Gehirn zu ausgeprägt. Eine Formulierung mit „Gerne tue ich dieses oder jenes“ ist uns geläufig und sie ist tatsächlich meist eine naheliegende Alternative zum wiederholten Ich- oder Sie-Satzbeginn.

Individueller bekommen Sie das hin, wenn Sie sich bei diesen Gerne-Formulierungen fragen: Brauche ich diesen Satz überhaupt? Dass man gern ein Angebot macht, braucht man im Regelfall gar nicht erwähnen, denn das ist ja eh klar. Der Fokus sollte also mehr darauf liegen, was Sie dem potenziellen Käufer hier sonst so schmackhaft machen, damit er nach einem Angebot fragt.

Und der Vorschlag zu einem Termin kann auch direkter formuliert werden. Berücksichtigen Sie die Beziehung, die Sie zum Empfänger haben, und natürlich, worum es genau geht. Nutzen Sie die ganze Bandbreite aus, die sich daraus für Sie ergibt: von “Am liebsten würde* ich Ihnen xy persönlich vorstellen ...“ bis hin zu „Ende des Monats bin ich in Ihrer Ecke – haben Sie Zeit für einen Kaffee?“

Zu lasch?

Jetzt sagt der eine oder andere vielleicht: „Das ist ja viel zu salopp und lasch, man muss doch den Empfänger gleich so hinschubsen, dass er sicher einen Termin machen will!“

Dieser Auffassung bin ich überhaupt nicht – und als Adressat solcher Manipulationsversuche wissen Sie sehr genau, wie ungut sowas ankommt. Darum empfehle ich Ihnen: Schreiben Sie normal, schlagen Sie vor, seien Sie sympathisch und bringen Sie vor allen Dingen interessante Informationen und Argumente, die den Empfänger neugierig machen. Wenn er erkennt, wie gut Ihre Leistung oder Ihr Produkt für ihn ist und Sie ihn „anspitzen“, dann ist der Grundstein für ein näheres Gespräch – vielleicht sogar für einen Termin – gelegt.

Versuchen Sie nicht, Leute zu Terminen zu drängen, nur weil Sie irgendwo gehört haben, dass man dann eher einen Abschluss macht.
Ich kenne eine Finanzdienstleisterin, die wegen Terminwahns tatsächlich pleite gegangen ist. Sie hatte ihren ganzen Fokus darauf ausgerichtet, persönliche Termine zu bekommen, “weil es ja viel besser ist, wenn man mit Kunden gleich am Tisch sitzt”. Unterm Strich ist sie von früh bis spät in der Gegend herumgefahren, hat den Leuten, die sie zuvor auf einen Termin gedrängelt hat, ihre Leistungen vorgestellt - aber am Ende so gut wie keinen Abschluss gehabt. Das hat sie ein Dreivierteljahr gemacht, war erschöpft, hatte immer das Gefühl von Arbeit, musste die Kosten für ihr exklusiv eingerichtetes Ladenbüro berappen (in dem sie immer nur “auf der Durchreise” war) - und war schließlich finanziell am Ende.

Die meisten Dinge lassen sich, gerade im Vorfeld, sehr viel effizienter schriftlich und per Telefon klären – für beide Seiten.



—-

(*) hätte/würde/könnte ... auch dazu kommen wir noch und Sie sehen schon, dass ich nicht der Meinung bin, kategorisch darauf zu verzichten - auch hier kommt es auf den Kontext an

——

Das ist ein Beitrag aus dem Adventskalender der Floskeln.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Amos Ruwwe am 10.12.2010
Wunderbar, vielen Dank für Deinen Artikel.Den nehme ich sofort in meine Beratung /Coaching Unterlagen auf, unter dem Thema Akquise.
aus dem verschneitem Taubertal, Amos
Von: Volkert Brammer am 10.12.2010
Hallo Gitte,
die Kombination aus "Gerne" und "unterbreiten" geht ja gar nicht. So herrlich oldschool. Stelle mir da gleich einen distanzierten Versicherungsvertreter vor, der das sogar "sachlich richtig und professionell" findet.
Bei meinen Schreibereien habe ich heute den "Gerne"-Radar eingeschaltet und bin fündig geworden, denn "Gerne" geht locker vom Hirn in die Tastatur und in die Welt raus.
Von: Barbara Steldinger am 10.12.2010
Jawoll und dazu passt dann auch noch der Konjunktiv. "Gerne würde ich Ihnen ein Angebot.... Gerne würde ich eine Termin mit Ihnen vereinbaren"...etc.

Darauf kommt dann von mir immer ein "Warum tun Sie es dann nicht einfach?". Meistens kommt dann nichts mehr - auch nicht gerne grin
liebe Grüße aus der verschneiten Hauptstadt

 

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