Gemeinsam selbstständig: zu unterschiedlich?
Im Artikel Gebremst. Blockiert. Es läuft nicht recht! entspann sich in den Kommentaren ein kleines Gespräch zu unterschiedlichen Zielen und Möglichkeiten.
Zwar ging es dort um’s Tanzen, aber die Knackpunkte, die Maria anspricht, sind auch für die gemeinsame Selbstständigkeit relevant. Sind Sie zu zweit (oder zu dritt) selbstständig?
Sich gemeinsam selbstständig zu machen – oder es zu sein – hat es ganz schön in sich. Denn einerseits hat es ganz viele Vorteile, andererseits entstehen oft auch Hürden oder es kommt zu Streitigkeiten: aufgrund unterschiedlicher Ziele, weil der eine den Eindruck hat mehr oder weniger zu machen als der andere, aber auch aufgrund unterschiedlicher Charaktere.
Stimmen Ihre Ziele überein?
Will einer die Weltherrschaft und der andere einfach ein bisschen was nebenher tun? Im Beispiel von Maria geht es etwa darum, dass sie selbst Ambitionen im Turniertanz hat, gerne etwas erreichen möchte („aufs Treppchen kommen“), aber ihr Partner andere Prioritäten hat: Mein Partner sieht es halt so, dass ihm die Publikumswertung, wir gelten als nett und niedlich und süss, wichtiger ist als der sachliche Erfolg.
Beides ist legitim. Aber wenn diese Ziele auseinandergehen oder sich sogar widersprechen, dann wird es nicht nur menschlich schwierig und es kommt unweigerlich zu offenem oder unausgesprochenem Knatsch und Unzufriedenheit. Sondern dann wird das Ziel von beiden getrübt oder sogar sabotiert.
Wenn Sie also gemeinsam selbstständig sind, dann ist es wichtig, dass Sie mit Ihrem Partner (oder mehreren Partnern) Ihre Ziele und Visionen abstimmen.
Darum der Tipp: Die in diesem Artikel aufgeworfenen Fragen einfach mal zunächst jeder für sich ausführlich beantworten und sich mit den Antworten dann zusammensetzen und gemeinsam durchsprechen.
Unterschiedliche Charaktere
Eine weitere Sache, die eine gemeinsame Selbstständigkeit stören – aber auch bereichern – kann, sind unterschiedliche Persönlichkeiten.
Christine und ich beispielsweise sind im Kern auf der gleichen Linie: Wir haben eine sehr ähnliche Grundeinstellung, unsere grundsätzlichen Ziele passen zueinander – doch von unserer Persönlichkeit sind wir fast so verschieden wie Tag und Nacht.
Und jetzt, wenn wir hier bei unternehmenskick.de irgendwelche neuen Texte schreiben, lachen wir uns oft kaputt, weil Ralf auch nochmal anders ist. So schreibt dann einer von uns irgendwas und die anderen beiden schütteln belustigt den Kopf, weil sie da ganz anders ticken.
Nun ist das wunderbar, wenn man darüber lachen kann, die Unterschiede auch dazu nutzt, sich gut zu ergänzen: in den Ansichten, in der Arbeitsweise, in dem Verteilen unterschiedlicher Fachbereiche, die jeder nach seinen Stärken, Know-how und Neigungen bearbeitet – aber das ist nur eine Seite der Medaille.
Denn wenn Sie mit jemandem gemeinsam ein Unternehmen führen, bei dem diese Unterschiede nicht wahrgenommen und bewusst genutzt werden, sondern wenn jeder mit einem Seitenblick auf den anderen sich wünscht, dass er/sie das anders machen würde, ach was: anders sein sollte, dann haben Sie ein ganz schönes Problem.
Maria schilderte das treffend so:
- “Unser Bundestrainer hat es mal ganz treffend ausgedrückt: Aus einem VW kann man eben keinen Porsche machen. Ich kriege auch immer die bessere Punktzahl. Und ohne einen richtig guten und vor allem auch zielgerichteten und ehrgeizigen Partner, kommt man eben nicht weit.“
- “Da kommt auch der Widerspruch her. Ich möchte unbedingt und tue auch eine ganze Menge, mein Niveau ist inzwischen auch höher wie das von meinem Partner. Aber eben, wenn er nicht mitzieht, dann geht es eben nur bis zu einer gewissen Grenze, und mehr geht halt nicht.“
- “Ich ärgere mich über ihn, dass er so ist, weil er mehr könnte, und ich ärgere mich über mich, dass ich mich von ihm so in meinem Prozess behinderen lasse.“
Ich wiederhole das hier im Beitrag nochmal, weil da sehr viel Grundsätzliches drinsteckt neben der unterschiedlichen Ziele:
- einer ist ein VW, einer ein Porsche; bei so einer engen Zusammenarbeit wie hier geschildert, fungiert der VW als Bremse für den Porsche, weil es nur bis zu einem gewissen Grad geht
- der eine hat ambitionierte Ziele, die eine andere Vorgehensweise und heftigeren, zielgerichteteren Einsatz erfordern würde – was den Ambitionen des Partners zuwiderläuft und weiteres Engagement von ihm abverlangen würde, wenn er sich den Zielen der Partnerin beugen würde
- die Beziehung leidet
- und über sich selbst ärgert sich Maria auch
Diese Aspekte sind allesamt genauso relevant, wenn Sie gemeinsam mit jemandem Ihr Unternehmen führen, der völlig andere Möglichkeiten mitbringt. Und das Schlimmste: Man blockiert vielleicht sogar den Geschäftserfolg und sich selbst.
Wenn es gar nicht passt: Trennen.
Es ist sehr wichtig, über solche Aspekte zu sprechen und sich auch darüber abzustimmen, wo konkret große Unterschiede in den Geschäftszielen sind.
Stellen Sie sich nur mal die Frage der Expansion vor: Ihre Firma läuft gut, Sie freuen sich über die immer noch weiter steigende Auftragslage. Jetzt will einer der Firmeninhaber gerne einige Mitarbeiter einstellen, der andere will sich auf keinen Fall mit Personal einen „Verwaltungsapparat“ ans Bein binden und festlegen.
Wenn ganz eklatante Unterschiede bestehen – in den Zielen oder auch in der Persönlichkeit - und es kein Zusammenkommen gibt, dann ist es manchmal besser, sich zu trennen.
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