Selbstmanagement

Gartentüren, Bankräuber und Denksackgassen

Gitte Härter • 18.03.2009 • email Weiterempfehlen

Tania schreibt auf zeitzuleben.de darüber, dass ihr klemmendes Gartentor Aufschluss über verschiedene Persönlichkeitstypen gibt. Die einen, die beim einmaligen Probieren davon ausgehen, dass das Tor verschlossen sein muss und unverrichteter Dinge von dannen ziehen - und die anderen, die herumprobieren, weil sie davon ausgehen, dass das Tor aufgehen muss und erfolgreich sind. Dazu fällt mir der Bankräuber ein, der letztes Jahr mal durch die Medien ging.

Das Video der Sicherheitskamera zeigt wie der Räuber nach dem Banküberfall flüchten will und die Tür nicht aufgeht. Er drückt dagegen. Er nimmt Anlauf, um mit der Wucht seines Körpers die Tür aufzubrechen. Er rennt nochmal gegen die Tür – vergeblich. Dann resigniert er sichtlich. Die Sicherheitssysteme haben ihn offenbar eingesperrt. Er tigert unruhig und ratlos im Eingangsbereich herum. Plötzlich kommt ein Bankkunde hereinspaziert. Die Tür ging in die andere Richtung auf!

Das hat eh keinen Sinn!

Und dann fiel mir noch eine weitere Erfahrung ein, die in eine ähnliche Ecke geht. Ich habe vor Jahren mal einen Selbstverteidigungskurs mitgemacht. Wir haben Rollenspiele gemacht. Ich musste so tun, als ob ich heimkomme und gerade meine Türe aufsperre. In diesem Moment wurde ich von hinten gepackt und der Angreifer hob mich in die Luft. Ich weiß noch gut, dass ich, sobald ich keinen Boden mehr unter den Füßen hatte, ein scheußliches Gefühl von „Lass alle Hoffnung fahren“ hatte. Von jetzt auf plötzlich habe ich (mich) aufgegeben und alles in mir wusste: „Jetzt kannst Du nichts mehr machen!“

Dann haben wir die gleiche Situation nochmal gemacht. Und ich habe erlebt, wieviel ich machen konnte! Ich konnte mich winden, nach hinten treten, den Kopf mit Gewalt nach hinten hauen. Aber beim ersten Mal habe ich mich selbst jedes Handlungsspielraumes beraubt und mich zudem – wie der Bankräuber – entmutigt und war einfach so überzeugt, dass ich nichts mehr tun kann.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich finde solche Geschichten immer sehr nützlich, um sie auf die Selbstständigkeit – und auf die eigene Sicht der Dinge – anzuwenden. Insbesondere wenn die Dinge nicht so laufen, wie man sich das wünscht:

  • Gebe ich sehr schnell auf?
  • Versuche ich das Gleiche einfach nochmal, auch wenn es beim ersten Mal schon nicht geklappt hat (und renne wie der Bankräuber einfach nochmal volle Kanne gegen die Tür)?
  • Nehme ich den ersten Impuls für bare Münze oder hinterfrage ich meine Gedanken oder Möglichkeiten?
  • Suche ich nach neuen, anderen Wegen?
  • Nutze ich meinen Handlungsspielraum beziehungsweise überlege ich, was ich tun könnte – oder sacke ich in mich zusammen und denke, es hat eh keinen Zweck?

 

 

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