Woanders

Nackenverspannungen und Rückenschmerzen

Gitte Härter • 21.05.2009 • email Weiterempfehlen

Über das Blog von Rüdiger Grab, wo es übrigens auch zahlreiche Entspannungsübungen gibt, habe ich folgende interaktive Infografik Fit im Büro gesehen. Tolle Sache: Es werden Nacken- und Rückenübungen beschrieben und können interaktiv „in Bewegung“ angesehen werden.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Daniel Mihajlovic am 21.05.2009
Na ja, ich persönlich halte ja überhaupt nichts von Entspannungsübungen. Warum?

Also ich handle oder denke in einer Art und Weise, deren Folge ist, dass ich verspannt bin. Dann mache ich eine Entspannungsübung und alles ist wieder gut - zumindest momentan. Denn schon morgen werde ich mir das Selbe wieder antun und wieder eine Entspannungsübung brauchen. Ein Teufelskreis.

Da ist es doch deutlich schlauer zu fragen:
-Warum bin ich nicht in ausgeglichen oder in Balance, sondern verspannt?
-Was denke oder tue ich, dass mein Körper darauf mit Verspannung reagieren muss?

Dann kann ich nämlich die Ursache finden und beheben und ich werde erst gar nicht verspannt sein(!) und demnach auch keine Übungen brauchen um die Symptome zu beheben.

Das ist zunächst natürlich deutlich unbequemer und aufwendiger, als eine CD mit Entspannungsgedudel einzulegen und zu "relaxen", langfristig jedoch kann ich aus eigener Erfahrung sagen: es zahlt sich 100-fach aus!

In dieser Sichtweise ist die Verspannung nämlich ein "Weckruf" des Körpers, der sagt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Wenn ich mit irgend einer Übung den Weckruf ausschalte, was bitte habe ich denn dann gewonnen???

Wenn ich allerdings Entspannungsübungen benutze, weil es mir in diesem Zustand leichter fällt über mich und meine derzeitige Situation nachzudenken, dann und NUR dann ist das sinnvoll.

Viele Grüsse,
Daniel
Von: Gitte Härter am 21.05.2009
Hallo Daniel,

herzlichen Dank für die mahnenden Worte. Da haben Sie natürlich völlig recht, dass es nicht gut wäre, ausschließlich an Symptomen rumzudoktern.

Idealerweise auf sich hören, an die Wurzel zu gehen und es erst gar nicht zu Schmerzen und Verspannungen kommen zu lassen.

Allerdings ist es ja manchmal so, dass man gerade jetzt irgendwas hat. Zu lange am PC gesessen, Hals blöd gedreht o. Ä.: und dann finde ich es schon sehr hilfreich, solche praktischen kleinen Übungen zu haben (vor allen Dingen, wenn sie gezeigt und nicht nur beschrieben werden), um die aktuelle Verspannung lösen zu können.

Ich persönlich hab's zum Beispiel auch nicht mit CDs mit Entspannungsgedudel (hihi), merke aber schon auch, dass ein Sich-mal-auf-den-Boden legen und ruhig zu werden, etwas mit dem wunderbaren Ball, von dem ich schonmal geschrieben hatte, es mir oft erst ermöglicht zu erkennen, dass ich gerade angespannt bin.

Kennen Sie das auch? Dass man denkt, alles sei normal, aber innerlich ist man doch angespannt, merkt's aber nicht. Das klingt jetzt ganz seltsam.

Und dafür können solche Ruhezeiten ja auch sehr gut sein: Aufmerksam werden und mal gezielt alles runterfahren. In welcher Form das auch immer passiert.

Viele Grüße
Gitte
Von: Zamyat M. Klein am 25.05.2009
Hallo Daniel,

das finde ich doch eine sehr "strenge" Sicht der Dinge.

Natürlich ist es besser, erst gar keine Verspannungen aufkommen zu lassen oder zu ergründen, woher sie kommen.
Doch nicht immer kann ich schlagartig verspannende Situationen ändern, Job kündigen usw., weil mir das PC schreiben einen verspannten Nacken beschert.

Und was ist mit Menschen, die krank sind oder einen Unfall hatten, denen Entspannungsübungen sehr helfen können, anders mit den Schmerzen umzugehen??

Reine Erkenntnis hilft ja leider auch nicht automatisch, sonst bräuchte kam keine Motivationsseminare etc. Denn verstehen tun wir vieles, es dann auch umzusetzen ist schon erheblich mehr Arbeit.

Ich mache zurzeit wieder regelmäßig Yoga, trotzdem bekomme ich nach einer Weile am PC tippen Verspannungen. Was wäre da Ihre Lösung? Keine Bücher mehr schreiben? Laptop wegwerfen???

Ich verstehe Ihr Grundanliegen sicher schon, es scheint mir nur eben ein wenig einseitig - oder?
Von: Daniel Mihajlovic am 26.05.2009
Hallo Zamyat M. Klein,

ich würde das nicht einseitig nennen, sondern konsequent.

Sie selbst schreiben: "Natürlich ist es besser, erst gar keine Verspannungen aufkommen zu lassen oder zu ergründen, woher sie kommen." und dann schreiben Sie den Rest Ihres Kommentares sinngemäss: "Ist mir aber wurscht, weil die Einsicht bringt mir ja eh nichts und ausserdem gibt's X Situationen in denen das sowieso nicht zutrifft." Wenn das die Alternative sein soll, dann bleibe ich sehr gerne bei meiner "strengen" Sicht der Dinge wink

Ich habe einige Anmerkungen zu ihren Fragen:

-Was bitte ist eine "verspannende Situation"??? Als ob die Situation an sich verspannend wäre. Es ist doch immer die eigene Reaktion, die die Verspannung hervorbringt. Und diese Reaktion ist wählbar. (Oft ist das natürlich nicht sofort möglich sondern als mittel- bis langfristiges Projekt. Denn in der Regel treten die Probleme in ähnlichen Situationen immer wieder auf. Und für diese Situationen kann man sich nach und nach eine bessere Reaktion erarbeiten.)

-Etwas später schreiben Sie: "trotzdem bekomme ich nach einer Weile am PC tippen Verspannungen" Auch hier liegt m.E. ein Missverständnis vor. Verspannungen können Sie nicht "bekommen", denn Verspannungen sind schliesslich kein Ding sondern eine fehlgerichtete Aktivität. Sie spannen dauerhaft Muskeln an, die Sie für Ihr Tippen am PC eigentlich nicht brauchen. Wenn Sie Ihren Plan von "am PC tippen" optimieren, dann "bekommen" Sie auch keine Verspannungen mehr. So einfach ist das Prinzip. Die Anwendung in der Praxis braucht natürlich Übung und idR auch Anleitung von jemanden der Ahnung von solchen Veränderungsprozessen hat.

-Wenn Sie beim Tippen am PC verspannt sind, so kann das unzählige Gründe haben. Deswegen kann ich Ihnen auch keine pauschale Lösung anbieten. Ich will allerdings ein paar Gründe, die ich häufiger beobachte, nennen:

...es könnte sein, dass Sie ihren Körper ungünstig im Verhältnis zur Schwerkraft ausrichten. Dadurch ist ihr System gewissermassen gezwungen bestimmte Muskeln anzuspannen um in Balance zu bleiben.

...es könnte sein, dass Sie falsche Vorstellungen davon haben, was eine "gute Haltung" ist bzw. WIE Sie eine solche erreichen. In dem Fall würden Sie Muskeln zum Aufrichten benutzen, die dafür nicht gedacht sind was zu Verspannungen führen muss. Sich aufrecht zu "halten" ist z.B. eine denkbar ungünstige Strategie. Der Körper ist so genial gebaut, dass, wenn man ihn in Ruhe lässt, er automatisch eine spitzenmässige "Haltung" hervorbringt.

...es könnte sein, dass Sie schlicht eine falsche Vorstellung davon haben, wie Ihr Körper gebaut ist, wo die Gelenke sind usw.(Stichwort Bodymap) und sich selbst nach dieser falschen Vorstellung "gebrauchen". Ich arbeite häufig mit Musikern, die, wenn sie lernen, WIE bestimmte Bewegungen (z.B. Roation der Hand) funktionieren, sofort spürbare Verbesserungen im Bewegungsablauf erfahren und damit weniger Probleme "produzieren".

...es könnte sein, dass Sie die Situation in der Sie sind, in einer Weise sehen, die Stress verusacht, was auf körperlicher Ebene dann halt Anspannung und schliesslich Ver-spannung bedeutet.


Je nachdem, was in Ihrem Fall die Ursache(n) ist/sind, sind unterschiedliche Straegien erforderlich, damit Sie die Art und Weise wie Sie tippen verändern können, damit schliesslich keine Verspannungen mehr auftreten. Und ja, das kann man lernen. Ich habe es gelernt und ich unterrichte genau das seit eineinhalb Jahren mit Erfolg. Die Methode die ich dafür verwende nennt sich Alexander-Technik.

Viele Grüsse,
Daniel
Von: Zamyat M. Klein am 26.05.2009
Hallo Daniel,

Danke für die ausführliche Antwort.

Ich war mir schon bewusst, dass ich wiederum auch etwas "einseitig" oder salopp formuliert habe, es reizte mich einfach zum Widerspruch.

Auch wenn ich Ihnen gleichzeitig Recht gebe und es auch toll fände, da beispielsweise dazu zu lernen. Ich habe zwar schon den Begriff "Alexander- Technik" gehört, verbinde aber (noch) nichts konkretes damit.

Andererseits praktiziere ich eben schon sehr lange YOGA, habe auch aus anderen Bereichen Entspannungsübungen kennen gelernt und kenne zum Beispiel ein hervorragendes Programm "Stressbewältigung durch Achtsamkeit" (MBSR), das auf einer buddhistischen Grundlage arbeitet und Körperübungen (Yoga) Meditation und Entspannung (Body Scan)miteinander verbindet und beispielsweise auch mit Schmerzpatienten arbeitet.

Ich habe selbst erlebt, wie Menschen damit sehr geholfen wurde, die mit sehr viel größeren Schmerzen zu tun hatten als ich mit meinem verspannten Nacken.
Dabei geht es um die Arbeit auf allen Ebenen (daher "Achtsamkeit"), nicht nur der körperlichen- es greift ja ohnehin alles ineinander.

Und da ist es mir eben nach wie vor zu einseitig zu schreiben, dass man all dem vorbeugen kann beispielsweise mit Alexander Technik- bzw. der Ablehnung von Entspannungsübungen.

Die Alexander-Technik ist sicher wunderbar und für viele Menschen und Lebenssituationen sicher ausgezeichnet und hilfreich.
So wie aber auch viele andere gute Ansätze- nicht alles passt für jeden.

Und ganz sicher gibt es Krankheiten und damit verbunden Schmerzen, die nicht durch Alexander- Technik (allein) zu beheben sind.

Was nun mein Beispiel mit Tipp- Verspannungen angeht, kann natürlich einiges reinspielen: falsche Sitzhaltung (obwohl ich mir extra einen guten und teuren Stuhl geleistet habe grin, zu wenig Pausen, zu viel arbeiten etc. etc.- und da ist es u.a. mein Lernprogramm, früher aufzuhören.

Eine richtige Sitzhaltung etc. wäre aber sicher auch gut, ich werde mal nachforschen,ob in meiner Nähe Alexander- Technik angbeoten wird.

Herzliche Grüße
Zamyat
Von: Gitte Härter am 26.05.2009
... das Gespräch hier ist noch tausend Mal ergiebiger als mein ursprüngliches kleines Fundstück. Herzlichen Dank!
Von: Daniel Mihajlovic am 26.05.2009
Ja klar. Die Alexander-Technik ist kein Allheilmittel. Genaugenommen ist sie überhaupt kein Heilmittel, da es nicht um Behandlung, sondern es geht darum Bewusstsein ins Leben zu bringen um dann ungünstig ausgeführte Handlungen dauerhaft positiv verändern zu können. Das funktioniert mit Bewegungen genauso wie z.B. mit Lampenfieber. Es geht also um LERNEN und nicht um heilen.

Um auf Ihren anderen Kritikpunkt einzugehen: ja klar gibt es zig Krankheiten, bei denen das Analysieren und Verändern von Aktivitäten (egal mit welcher Methode) wenig oder nichts bringt. Ich habe aber doch auch nicht behauptet, dass das so wäre, oder? Ausserdem sind meiner Meinung nach für Krankheiten immer noch Ärzte zuständig und nicht Yoga- oder Alexanderlehrer.

::

Ich weiss ausserdem gar nicht, was Sie eigentlich mit "einseitig" meinen. Ich habe einfach immer wieder die Erfahrung gemacht, dass, wenn ich bestimmte Aktivitäten (z.B. Sitzen, Joggen, Zähneputzen...) optimiere, einfach KEINE Probleme mehr auftreten. Und aufgrund dieser ERFAHRUNG frage ich mich, was das mit den Entspannungsübungen überhaupt soll. Ich bin nämlich von vornherein gar nicht mehr verspannt und auch meine Klienten berichten ähnliches...
Von: Zamyat M. Klein am 29.05.2009
Was ich mit "einseitig" meinte, ist, dass Sie so pauschal Entspannungsübungen ablehnen oder als überflüssig ansehen (wenn ich das richtig verstanden habe).

Entspannungsübungen und- techniken haben eine viel umfassendere Wirkung als "nur" körperliche Verspannungen zu beheben. (Und auch da finde ich sie sinnvoller als einfach weiter verspannt zu sein- wenn denn die Menschen noch nicht die richtigen vorbeugenden Maßnahmen kennen oder machen).

Entspannung wirkt aber auch auf mentaler, geister und psychischer Ebene, ob beispielsweise bei mentalem Training, NLP oder verschiedenen therapeutischen Ansätzen. Weil sie eben den Zugang zum Unbewussten ermöglicht.

Es ist eben nicht alles über Wissen und den Kopf zu ändern, sonst wären viele von uns arbeitslos.

Ob ich Seminare zu Motivation oder Abbau von Lernblockaden oder Abbau von Prüfungsangst mache: überall spielen Entpsannungstechniken eine große Rolle und helfen tieferliegende Muster zu verändern. Die ich alleine durch reine Erkenntnis und Willensbeschluss eben nicht ändern kann.

Dann spielt Entspannung beim Lernen eine große Rolle, weil sie hilft, Lernstoff ins Langzeitgedächtnis zu transportieren.
Schreibe gerade an meinem neuen Buch über Suggestopädie, wo Entspannung ein wesentliches Element für leichtes, spielerisches und eben entspanntes und damit erfolgreiches Lernen ist.

Das meinte ich mit "einseitig", um nur einige Beispiele zu nennen.

Ansonsten können Entspannungsübungen einfach Spaß machen und wohl tuen wie auch Massage, Sauna, Kino oder ein leckeres Eis! grin

Und wers nicht mag, sondern lieber action hat, der kann das ja auch machen (huhu Gitte)
Von: Daniel Mihajlovic am 29.05.2009
Ach soooo grin

Ich denke, es gibt zwei Bereiche zu unterscheiden:
-Entspannungsübungen mit dem Zweck Verspannungen zu beseitigen
-Entspannungsübungen mit dem Zweck, leichter zu lernen, zu Therapiezwecken oder um in Bereiche vorzustossen, die über das Bewusstsein nicht erreichbar sind.

Ich hatte mich also wohl nicht genau genug ausgedrückt, sorry wink

Ich selbst beschäftige mich auch mit Hypnose, autogenem Training (Selbsthypnose), NLP (ist im Endeffekt auch fast alles hypnotisch), diversen Lerntechniken, Coachingtechniken usw. Da stimme ich Ihnen selbstverständlich zu, dass all das einen enormen Wert haben kann! Ich selbst habe seeeeeehr viel z.B. von NLP profitiert. Und alle diese Techniken funktioniert nur in einem bestimmten Zustand. Und selbstverständlich gibt es Muster, die NUR über derartige Techniken und Zustände (Trance etc) erreichbar oder veränderbar sind. Oder denken Sie an Traumata. Da ist mit bewusstem nachdenken wahrscheinlich gar nichts zu erreichen. (Aber das ist wieder mal ein Fall für Ärzte/Therapeuten.)

::

Wenn man sich jedoch Entspannungsübungen anschaut, deren Zweck es ist Verspannungen zu beseitigen, sorry das taugt nix.

Denn wenn man die ganze Sache wirklich GANZHEITLICH betrachtet, wird man feststellen, dass das willentliche Entspannen beispielsweise der Nackenmuskeln (egal mit welcher Technik) praktisch immer NEUE Verspannungen woanders hervorbringt, ja geradezu hervorbringen muss. Das System "Mensch" ist eben ein gigantisches Netzwerk, in dem sich alles permanent gegenseitig beeinflusst.

Wenn Sie das interessiert, dann googlen Sie mal zum Stichwort "biotensegrity" oder auch nur "tensegrity". Das bietet ein gutes Modell, wie Aufrichtung, Bewegung usw funktioniert.

(Kleiner Einschub: vielleicht ist auch hier nochmal eine Unterscheidung angebracht: es ist selbstverständlich etwas anderes, sich hinzulegen und eine Entspannungsübung zu machen, als wenn man am Computer ein Buch schreibt. Denn am Computer können Sie nicht "vollstängig" entspannen, sonst würden Sie schlicht vom Stuhl fallen wink Es ist also offensichtlich eine gewisse Spannung nötig. Wo, wie, welche und wieviel, das ist so komplex, dass da das Bewusstsein damit heillos überfordert ist. Ausserdem wollen Sie ja auch präsent bleiben, also wach, Augen sind auf, Sie nehmen Ihre Umwelt wahr, Ihre bewusste Aufmerksamkeit gilt dem jeweiligen Thema und nicht der Muskelentspannung usw.)


Schon wenn man alleine auf der körperlichen, funktionalen Ebene (biotensegrity) bleibt, muss man geradezu zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass solche "entspannenden" Eingriffe ganzheitlich nicht positiv sein können, weil man das Gesamtsystem bewusst gar nicht begreifen KANN. Woher soll ich denn dann wissen, ob ein verspannter Nacken in genau der Situation in der ich bin, nicht schon zur bestmöglichen Antwort des Körpers auf diese Situation gehört? Ich kann ja nicht mal begreifen, welche Rolle der Nacken im Gesamtsytem spielt.

Ja, ich kann noch nicht mal wirklich definieren, was der Nacken ist. Wo fängt er an, wo endet er? Welche Muskeln gehören dazu, welche nicht? Es gibt Muskeln die gehen vom Kopf hinten zum Brustbein vorne (sternocleidomastoideus) Ist also nur die hintere Hälfte des Muskels "Nacken", oder was? Ich denke der Punkt ist klar. Das ist uuuuuuuunglaublich komplex!!! Wenn man dann noch andere Ebenen dazunimmt, kann man's ganz vergessen.

Solche entspannenden Eingriffe in das System untergraben m.E. nach das Vertrauen in die Perfektion der Natur, das Vertrauen in die Fähigkeiten des eigenen Körpers (oder gar das Vertrauen in sich selbst!) Dahinter steckt doch letzen Endes immer der Wunsch etwas zu kontrollieren. "Mein Körper kann das nicht so richtig, also helfe ich ihm etwas und sage ihm, welche Muskeln doch bitteschön (TROTZ ungünstiger Sitzhaltung) entspannt sein sollen."

Das macht für mich keinen Sinn. Ich persönlich möchte lieber vom "geschehen lassen" ausgehen (das passt ja wahrscheinlich auch zu Ihren Yogaübungen), d.h. ich gehe davon aus, dass Verspannungen entstehen, WEIL ich mich schon zu viel eingemischt habe oder meine Intention unklar ist. Dazu ist aber das Vertrauen nötig, dass alles gut ist, wenn ich nicht störe! Und genau dieses grundsätzliche Vertrauen passt einfach nicht mit der Idee meinen Nacken zu entspannen zusammen(s.o.). Oder sehen Sie darin etwa keinen Widerspruch??

Hinzu kommt, dass ich, wenn ich meinen Nacken entspanne, davon ausgehen muss, dass ich eine Sammlung von einzelnen Teilen bin, die ich auch noch koordiniieren muss usw. Ich gehe damit geradezu zwangsläufig davon aus, dass ein Teil von mir (nämlich mein Bewusstsein) weiss, was einem anderen Teil von mir (meinem Nacken) gut tut. Das hat nichts mehr mit Ganzheitlichkeit zu tun.

Ich bin davon überzeugt, dass wir Menschen EINZ sind und sehe kaum einen Sinn darin ständig künstliche Trennungen zu erzeugen, wo eigentlich gar keine sind.

Du meine Güte, ist die Antwort schon wieder lang geworden. Ich sollte vielleicht auch ein Buch schreiben wink

Also: Mir geht es im Endeffekt nicht um Entspannungsübungen Ja oder Nein, sondern um das was dahinter steckt. Die fundamentale Frage lautet:

Sind wir Lebewesen, deren Natur es ist ganz zu sein und als Ganzheit zu funktionieren? Sind wir perfekt konstruiert und können demnach auch perfekt funktionieren (wenn wir nicht stören)?

Ja oder nein?

Ich beantworte diese Frage mit JA und ich ziehe daraus die Konsequenzen. Es gibt auch Leute, die recht schlüssig argumentieren können, dass der Mensch noch gar nicht geeignet für den aufrechten Gang ist und noch ein paar 10000 Jahre Evolution braucht.

Ich für meinen Teil denke, dass beide Ansätze nicht vereinbar sind und ich habe mich entschieden. Für mich passt es einfach nicht, dann halt ab und zu mal doch mit "nein" zu antworten... Aber das kann ja jeder sehen wie er will.

::

An der Stelle sei es erlaubt noch ein bischen zu provozieren: ich für meinen Teil hatte viele Jahre lang Verspannungen und Rückenschmerzen und jetzt zwickt es vielleicht zwei oder drei Mal pro Monat etwas, kaum der Rede wert.

Wie erfolgreich waren Sie nochmal mit Ihren Verspannungen?? wink

Viele Grüsse,
Daniel grin

 

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