Motivation und Ausgleich

Für mehr Ausgeglichenheit und Energie: Nutzen Sie die Zeit vor der Arbeit für sich

Christine Öttl • 10.11.2008 • email Weiterempfehlen

Für mich spielt es eine immense Rolle, wie ich morgens in den Tag starte. Bis zur letzten Minute im Bett liegen bleiben, mehr oder weniger unwillig aufstehen, schnell schnell die Morgentoilette erledigen, ein kurzes Frühstück und dann sofort an den Schreibtisch oder nichts wie weg: So habe ich während meines Studiums und am Anfang meiner Berufstätigkeit sehr häufig den Tag begonnen.

Ich war überzeugt davon, eine „Eule“ zu sein, also eine geborene Langschläferin, und so schlitterte ich allmählich in diese Aufstehgewohnheiten hinein. Dabei fühlte ich mich gar nicht wohl in meiner Haut und wusste aus eigener Erfahrung, dass es auch ganz anders geht und wie gut es sich anfühlt, die Zeit am Morgen als Freiraum zu erleben und ruhig und selbstbestimmt in den Tag zu starten.

Deshalb habe ich im Lauf der Jahre ein richtiges „Morgenprogramm“ zusammengestellt, das meinen Eigenheiten und Bedürfnissen entspricht, und es mir Schritt für Schritt zur täglichen Gewohnheit gemacht. Je nachdem, wie viel Zeit mir zur Verfügung steht, verkürze oder verlängere ich einfach einzelne Teile. Mein „Morgenprogramm“ sieht so aus:

Im Bett: Hände und Füße bewegen – Ich gehöre nicht zu den Menschen, die aufwachen und sich dann einfach voller Elan aus dem Bett schwingen. Für mich ist es sehr wichtig, meine Lebensgeister mit einer Mischung aus Behutsamkeit und Nachdruck zu wecken. Deshalb beginne ich meine Morgenroutine im Bett, und zwar mit leichten und angenehmen Bewegungen der Hände (zum Beispiel Finger kreisen, Handgelenke kreisen, Hände ausschütteln usw.) und Füße (etwa die Beine in die Luft strecken, die Füße abwechselnd strecken und beugen, die Füße in den Gelenken kreisen, die Beine nach oben ausschütteln). So werde ich immer wacher und beweglicher, ohne mich anzustrengen oder unter Druck zu setzen.

Im Bett: Fußmassage – Dann massiere ich meine Füße abwechselnd mit einem weichen Massagehandschuh: Das bringt über die Fußreflexzonen spürbar Leben in den ganzen Körper. Nach diesem Verwöhnprogramm bin ich so richtig munter und stehe gerne auf.

Dann geht es weiter mit einer ausgiebigen und genüsslichen Morgentoilette sowie ein paar Dehn- und Yogaübungen, um meinen Körper weich und geschmeidig zu machen und richtig fit zu werden. Im Anschluss daran erledige ich ein bisschen Hausarbeit und genieße dann ein kleines Frühstück.

Morgens rechtzeitig aufzustehen und die erste Zeit ganz bewusst für mich selbst zu nutzen, bewährt sich für mich auf ganzer Linie. Es wirkt sich enorm positiv auf mein Wohlbefinden, meine Stimmung und meinen Energiepegel aus, weil ich:

  • den Tag selbstbestimmt beginne,
  • mir selbst Zeit einräume und den Morgen genieße,
  • ruhig und ausgeglichen in den Tag starte,
  • mich frisch und lebendig fühle – auch wenn ich sehr früh aufstehen muss.

Meiner Erfahrung nach profitiert man nicht nur selbst davon, wenn man den Morgen aktiv nutzt, um sich für den Tag zu stärken und zu vitalisieren. Auch Kunden und andere Menschen, mit denen man gleich morgens telefoniert oder persönlich zusammentrifft, wissen Lebendigkeit, Freundlichkeit und Frische meistens sehr zu schätzen.

Wenn Sie häufig unter Druck stehen und das Gefühl haben, nur noch zu arbeiten oder im Hamsterrad zu stecken, oder wenn Sie mehr Balance in Ihr Leben bringen und sich selbst mehr Raum geben wollen, dann kann es sehr hilfreich sein, Ihre morgendlichen Gewohnheiten unter die Lupe zu nehmen und etwas daran zu verändern. Sie können sich mit folgenden Fragen beschäftigen:

  • Wie starte ich jeden Morgen in den Tag? Wie sieht meine Morgenroutine aus?
  • Wie fühle ich mich dabei: ruhig, frisch und lebendig oder eher gestresst, unruhig und unter Druck?
  • Was könnte ich anders machen? Was möchte ich mal ausprobieren, um mir selbst etwas Gutes zu tun und die Zeit vor der Arbeit in meinem Sinne zu gestalten?

Es gibt eine Fülle von Möglichkeiten, aktiv und bewusst in den Tag zu starten und den Morgen als persönlichen Freiraum zu erleben und zu genießen (spazieren gehen, Musik hören, lesen, sich mit dem Partner unterhalten, mit den Kindern spielen, ausgiebig frühstücken und so fort). Wenn Sie Tätigkeiten auswählen, die Ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten entsprechen, werden Sie sie bald nicht mehr missen wollen.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Zamyat M. Klein am 10.11.2008
Hallo Christine,

mal zwei Tage zu Hause kann ich wieder in euerm Blog stöbern grin.

Also ich bin eindeutig eine Lerche! Leider wache ich in den letzten Jahren oft zuu früh auf - und das wars dann.
Inzwischen stehe ich dann auch auf, selbst wenn es 4 Uhr ist.

5 Uhr ist schon ok, 6 Uhr würde mir eigentlich reichen.

Mein idealer Morgen sieht so aus, dass ich dann eine Stunde Yoga mache und meditiere (oder "sitze") - dazu gleich noch mehr.

Danach frühstücke ich immer in ALLER RUHE und lese dabei Krimi oder Romänchen. Weil in mein abgelegenes Dorf die Zeitung erst nachmittags mit der Post käme, habe ich mir das angewöhnt und genieße es ungeheuer. Mit meiner Kanne Earl Grey mmmhhh und Sesamknäcke mit Philadelphia. Seit Jahren, völlig fantasielos. Und freue mich schon abends drauf.

Und dann habe ich plötzlich schlagartig Lust aktiv zu werden und stürze ins Büro.

Mein Juckelpunkt:

ich mache nicht jeden Morgen Yoga- obwohl ich es möchte und es mir so gut tut und ich es auch gerne mache (oder im Sommer auch walken, jetzt ist es leider um die Zeit noch dunkel).

Trotzdem ist da so ein Teil, der gleich zum Schreibtisch drängt, weil ich morgens eben so knallwach und voller Elan und Tatendrang bin.
Das ist irgendwie blöd, mich dann krampfhaft "ruhig zu stellen".

Andererseits bekomme ich das sonst in meinen Tag nicht integriert, nachmittags mache ich immer Außentermine und Coaching etc.

Also bleibt für Yoga nur der Morgen.

Ich habe schon mit allen möglichen Tricks versucht, mich dazu zu bringen, mir dicke Zettel vor die Schlafzimmertür gelegt oder einen Weg mit roten Herzchen vom Schlafzimmer zum Wohnzimmer, wo ich Yoga mache und ähnliches grin.

Aber heute wieder- kein Yoga! Bin nur noch morgen hier, dann zum nächsten Training nach Frankfurt.

Witzigerweise mache ich dann im Hotel wieder eher Yoga im Zimmer als zu Hause. Und im Urlaub zieht es mich ja von selbst um 7 Uhr an den Strand zum Yoga. Nur hier...ist es noch sehr wechselnd.

Vielleicht fällt noch jemandem ein guter Trick ein??

Vor allem interessiert mich das Thema grundsätzlich:
wieso mache ich etwas nicht, dass ich gerne mache, dass ich machen möchte, von dem ich weiß, dass es mir gut tut und wichtig als Ausgleich ist??? Was sind das für Mechanismen? Welche Seite ist da stärker?

Fragende Grüße
Zamyat
Von: Gitte Härter am 11.11.2008
Guten Morgen zusammen,

vermutlich seid Ihr gerade alle beim Yoga machen oder trinkt gemütlich Tee oder meditiert eine Runde grin

Sagt mal, bin ich hier nur von gemütlichen Morgenritualleuten umgeben? Ich habe mich schon, als ich Christines Artikel zum ersten Mal gelesen habe, ertappt gefühlt und habe mich hinter den Kulissen mit Christine und Ralf unterhalten. Jetzt kommt Zamyat mit Morgenyoga und Ursula berichtet ebenfalls von ruhigem Frühstück, Dehnungsübungen und morgendlichen Spaziergängen.

Ich stehe auf, wanke zum Computer, schalte den ein und während er hochfährt, geh ich ins Bad. Irgendwann wenn ich alle Mails gecheckt und Spam gelöscht und Forenrunde gemacht habe, mache ich nebenbei mal schnell Kaffee und trinke den hier neben dem PC. Und dreimal die Woche gehe ich morgens schon ins Fitnessstudio, da ist dann aber auch nichts gemütlich dran ...

Ist das erholsam und ein toller Start in den Morgen? Geht bestimmt besser. Aber morgens irgendwelche Übungen zu machen oder so wie Christine beschreibt, schon im Bett langsam aufzuwachen, das fällt mir ja im Traum nicht ein. Da hab ich gar keine Lust zu!

Bin ich da wirklich alleine und nur von MorgenwertschätzungsTagesbeginnleuten umgeben?

Seltsame Sache, das ... wink
Gitte
Von: UKH ;-) am 11.11.2008
Hallo, liebe Gitte,

nun, ich gehör halt zur Kategorie "Frühaufsteherin", da liegt mein höchstes Potential und ich kann in Ruhe arbeiten, weil die anderen noch schlafen

Meine Morgentoilette besteht nicht nur aus Zähneputzen sondern auch aus Dehnen - so habe ich im Laufe meines Lebens erkannt, lässt die Energie im Körper gut fließen und der Spaziergang im Gras mit nackten Füßen erdet!
Ein bisschen mehr dazu:
"Wellness-Kurzurlaub für die Füße"

Schöne Grüße
Ursula
Von: Heike Eberle am 11.11.2008
Hallo Gitte,

ich bin auch Eine, liebe Gitte, die voller Elan an den PC rennt, nebenbei Wasser für Tee kocht. Wir sind halt sofort da grin Außerdem finde ich das völlig okay, wenn der Elan morgens sinnvoll genutzt wird.

Erst seit ich 2 Hexenschüsse hatte und mir über meine Gesundheit Gedanken machte, habe ich eine paar Rückenübungen und eine Energie-Yoga-Übung in den Morgen integriert (im Grunde immer an den Tagen, wo ich etwas mehr Zeit habe), so dass ich bewusster starte.

Meine Erfahrung: So was macht man halt nur, wenn man irgendwie auf die Schnauze gefallen ist. Wie war das gleich noch - auch auf einer anderen Ebene - mit dem Leidensdruck!

Herzlichst
Heike
Von: Gitte Härter am 11.11.2008
... ah, Ursula, das wäre auch meine Theorie: dass Morgenmenschen da eher aktiv sind. Andererseits schreibt Christine, dass sie immer dachte, ein Langschläfer zu sein. Und Ralf meinte: Der Trick ist, etwas zu suchen, das Dir gut tut. Woraufhin ich meinte: Frühmorgens tut mir gar nichts gut grin

Danke für den link.

@Heike: Von Elan war nie die Rede ... hehe ...

Einen schönen Tag
Gitte
Von: Norbert am 11.11.2008
Guten Morgen, Gitte!

NEIN, bist Du nicht! grin

Wenn sich morgens im Bett meine Augen öffnen, schaue ich kurz auf die Uhr, werfe einen Blick zum Fenster - und stehe auf. Der Tag beginnt.

Allerdings ist es angenehm, sich nach dem Aufstehen nach allen Regeln der Kunst himmelaufwärts zu strecken. Und mit zunehmendem Alter ist es (leider?) auch wichtig, den Körper zu dehnen oder zu strecken, damit er "funktionstüchtig" bleibt.

Nachdem ich aufgestanden bin, führt mich der erste Weg in die Küche, die gleich gegenüber dem Schlafzimmer liegt. Eine der beiden Küchentüren befindet sich genau gegenüber der Schlafzimmertür. In der Küche wird dann die Kaffeezubereitung gestartet. Anschließend geht es durch die andere Küchentür Richtung Arbeitszimmer, wo der Computer den "Auftrag" zum Hochfahren von mir erhält. Im Wohnzimmer wird der Fernseher eingeschaltet. Danach geht es weiter ins Bad für die so genannte Morgentoilette. Nach dem Anziehen wird der Kaffee aus der Küche geholt und mit ins Arbeitszimmer gebracht. Hier wartet der hochgefahrene Computer darauf, daß ich Outlook starte. Während dies geschieht, schaue ich mir die erste Nachrichtensendung im Fernsehen an. Dabei leere ich den ersten Becher Kaffee. Sodann geht es zurück ins Arbeitszimmer, um am Computer zu sehen, welche Termine und Aufgaben ich für den aktuellen Tag habe. Nachdem nun auch die E-Mails von den Servern nach Outlook synchronisiert wurden, schaue ich kurz durch, welche E-Mails neu sind und in die Postfach-Unterordner "Heute", "Morgen", "Später" verschoben werden können. Abschließend fliegen alles SPAMS und Spam ähnlichen Mails "in die Tonne".

Outlook wird wieder geschlossen. Es wird gefrühstückt. Nach dem Frühstück folgen die 60 bis 90 Minuten, in denen ich mir Gedanken über mein Unternehmen machen und mir viele Fragen dazu stelle, auf die ich dann aktiv nach Antworten suche.

Wenn meine Frau einen dienstfreien Tag hat, werden nach dem Aufstehen die Sportklamotten angezogen - und es geht auf eine einstündige Jogging-tour entlang eines Seitenarmes der Alster. Nach der Rückkehr und dem Duschen startet der Tag ähnlich wie oben beschrieben.

Herzliche Grüße
Norbert
Von: Christine Öttl am 11.11.2008
Hallo liebe Zamyat,

ja, du bist tatsächlich eindeutig eine Lerche: Wie mein lieber Mann, der steht auch jeden Tag zwischen 4 und 5 Uhr auf. Außer am Wochenende, da wird es schon mal halb 7 oder 7, hihi, das ist für ihn schon spät.

Also ich kann natürlich nur von mir sprechen und bei mir ist es so: Wenn ich es nicht schaffe, etwas trotz vieler Bemühungen und echt gutem Willen und "eigentlich" starker Motivation zur Gewohnheit zu machen, dann ist es für mich nicht wirklich das Richtige. Entweder grundsätzlich oder an bestimmten Tagen oder für eine bestimmte Uhrzeit.

Ich habe beispielsweise vor 2 Jahren Tai Chi gelernt und dann voller Elan morgens gemacht und es hat mir supergut getan. Aber dann hatte ich immer mal wieder nicht so richtig Freude dran und habe es ausfallen lassen. Zuerst fand ich das doof und habe mich immer wieder diszipliniert: Aber auf die Dauer ging das nicht gut und ich habe es immer wieder schleifen lassen. Da habe ich mir einfach eingestanden, dass Tai Chi am Morgen für mich zu "technisch" ist, zu viel Konzentration erfordert und gleichzeitig zu wenig dynamisch ist.

Genau gleich ging es mir mit Yoga: Ich habe eine Zeitlang am Morgen sehr dynamisches und kraftvolles Yoga gemacht, bei dem man so richtig auf Touren kommt. War wirklich super, aber trotzdem nicht das Richtige für mich: einfach zu anstrengend und fordernd.Ich muss (meistens) langsamer und ruhiger starten, sonst habe ich keinen Spaß mehr und fühle mich unter Druck.

Deshalb habe ich mir ein ganz spezielles Programm zusammengestellt, das für mich grundsätzlich passt. Und wenn ich mal was Powermäßigeres machen will oder was ganz Ruhiges, schiebe ich einfach die eine oder andere Übung rein.

So ist das bei mir ...

Ganz liebe Grüße und mach's gut
Christine
Von: Zamyat M. Klein am 11.11.2008
Liebe Christine,

Danke für deine Gedanken!
Also, es ist eindeutig das Richtige für mich, weil wenn ich es mache, macht es mir immer Spaß. Und ich mache auch sehr sanftes Yoga (nicht nur morgens).

Es ist eindeutig der Zeitpunkt, der mit meiner Arbeitsenergie kollidiert.
Und im Urlaub oder in Seminarhotels scheine ich da wohl anders gepolt zu sein bzw. habe ich da nicht mein Büro (wiewohl das Laptop auch dabei), worein ich dann stürze.

Also, da muss ich noch weiter forschen und experimentieren.
Aber was mir beim Schreiben jetzt klar wird: auf jeden Fall sollte ich wohl aufhören, mich selbst deswegen fertig zu machen, dass ich "mein Programm" nicht einhalte. Vielleicht ist das überhaupt die Lösung. Es nicht mehr als festen Bestandteil meines Alttags zu sehen und zu planen, sondern mir zu sagen: wenn ich Lust habe, mache ich morgens Yoga, wenn ich lieber gleich mit der Arbeit loslege, mache ich das. Und beides ist in Ordnung!!!

(Tja, manchmal muss man laut denken (sprechend oder schreibend), damit einem noch mal die simpelsten Sachen einfallen grin

Dir auch alles Liebe
(und inzwischen scheint auch wieder die Sonne nach heftigen Stürmen und Regen die ganze Nacht und Morgen)
Zamyat

 

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