Freiheits- und Sicherheitsbedürfnis?
In den Kommentaren zur Frage, ob man sich nicht manchmal jemanden wünscht, der einen managt, sagt Ralf zu Diana:
”... das ist es ja, warum wir selbstständig sind, nicht? Wegen der Freiheit, unser eigenes Ding zu machen. Und wenn der Freiheitsdrang stärker ist, als das Sicherheitsbedürfnis, dann macht man sich selbstständig.”
Das finde ich spannend. Denn spontan kann ich nicht sagen, ob oder dass das auf mich zutrifft. Ich habe mich selbstständig gemacht, weil sich das so ergeben hat. Ich war immer gerne angestellt, hatte in meinen diversen Festanstellungen viele Freiheiten (bzw. habe mir diese Freiheiten einfach genommen) und könnte, auch wenn ich die absolute Freiheit- und Entscheidungskraft durchaus genieße, nicht sagen, dass Freiheit- und/oder Sicherheitsbedürfnis für mich eine Motivation für das Selbstständigmachen war.
Wie ist das bei Ihnen?
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Anmerkungen & Kommentare
Aber komischerweise ist wohl die "gefühlte" Sicherheit bei einem Angestelltenverhältnis bei den meisten Menschen größer (auch ein spannendes Thema).
Aber Regelfall ist ja auch nicht, dass jeder unentwegt Angst vor Jobverlust haben müsste.
Der Rahmen, den eine Festanstellung mitbringt - andere sind verantwortlich, man kann sich auf die Arbeit konzentrieren (die ja im Regelfall schon DA ist und nur erledigt zu werden braucht) - der hat ja schon eine gewisse Sicherheit.
Wie Sie, Herr Kochler, das ja auch andeuten: dass ja auch alles an einem selbst hängt (noch dazu wenn man, wie Sie, auch noch Mitarbeiter hat).
Da wird's jetzt eigentlich noch spannender: Wie definiert sich denn Freiheitsgefühl oder Sicherheitsgefühl für einen selbst?
Ich habe, wie schon gesagt, mich auch in meiner Angestelltenzeit fast immer frei gefühlt, weil ich mir meine Bereiche geschaffen und ausgebaut habe. Und wenn ich etwas Schwachsinn fand, habe ich ja immer die Freiheit, das zu sagen und zu begründen.
Und Sicherheit ... ist es der Gehaltsscheck, das Kranksein oder mal schlecht draufsein dürfen ...?
Nützt ja auch sehr, dass mal für seine Selbstständigkeit zu hinterfragen.
Einen schönen Nachmittag weiterhin
Gitte
Da ich schon einige Lenze auf meinen Schultern trage (
Seit meinem Eintritt in das Berufsleben Mitte der 70er Jahre, habe ich schon in vielen unterschiedlichen Unternehmen, Funktionen und Branchen gearbeitet. Zumeist konnte ich mir meine Freiräume erarbeiten und erhalten. Unternehmen, in denen dies für mich nicht möglich war, habe ich nach einiger Zeit wieder verlassen, um mir neue Möglichkeiten zu suchen.
Die vermeintliche Sicherheit des Angestelltendaseins habe ich schon als angenehm angesehen.
Bei meinem letzten Arbeitgeber, bei dem ich insgesamt rund sechs Jahre angestellt war, hatte ich eine Kündigungsfrist von einem Monat zum nächsten Monatsende. Hier wurde gut verdient, aber es wurden an den letzten Freitagen eines Monats nur ungern interne Anrufe aus der Führungsetage entgegen genommen...
Was mich aber in meiner beruflichen Laufbahn immer wieder am meisten gestört und in meiner aktionistischen Freiheit gebremst hat, war einerseits die Personengruppe der "Vorgesetztendarsteller" und andererseits die Gruppe der "Arbeitsplatzbesitzer" oder "verwaltenden Verwaltungsverwalter".
Diese Personengruppen haben meinen Freiheitsdrang, nach eigenem Wissen und Gewissen und Können zu entscheiden und zu handeln, im Laufe der Jahre verstärkt. Darum bin ich jetzt als Selbstständiger unterwegs.
Ich glaube Mark Twain hat gesagt: "Je mehr Vergnügen du an deiner Arbeit hast, umso besser wird sie bezahlt".
Dieses Vergnügen will ich mir jetzt als Selbstständiger machen.
Herzliche Grüße aus Hamburg
Norbert Jothann
PS.: @Thomas Kochler: Ihr in Ihrem Blog zitierter Spruch, daß "Mobiltelefone (...) etwas für Angestellte (sind)", hat mich an den Auspruch eines Inhaber-Chefs erinnert, der sinngemäß gesagt hatte, daß er niemandem seiner Mitarbeiter und Kunden seine Handy-Nummer gebe, da er sonst zum "Angestellten" seiner Mitarbeiter werde. Er wolle selber entscheiden, mit wem er wann und wo telefoniere und was für ihn wichtig, dringend oder unwichtig sei.
Dies ist auch eine mögliche Form "Freiheit" zu definieren.
Ein weiteres Angestelltenverhältnis wäre für mich nur mehr in Frage gekommen, wenn ich kleine Kinder oder einen Mann zu versorgen gehabt hätte. Da dies nicht mehr der Fall sein wird, bin ich mein lieber Gott selber und entscheide jeden Moment für den Rest meines Lebens, ob ich bestimmte Auftäge mache oder nicht, und bin so froh, daß ich weit und breit kein Angestelltengesicht mehr sehe.
Beides hat sein Für und Wider. Und wer das Angestelltenverhältnis bevorzugt, dem sei es einfach gegönnt ...
schön, dass da so richtig viele Ansichten zusammenkommen.
Gerade bei der Angestellten-oder-selbstständig-Frage finde ich ja nach wie vor spannend, wie man das denn nun für sich definiert.
*Freiheit und Sicherheit*
Ist Sicherheit nur regelmäßige Kohle? Das glaube ich nicht. Ich habe oft Selbstständige in Coachings oder Trainings, für die auch das Drumherum, das Miteinander, das Eingebundensein in einem "größeren Ganzen" Sicherheit (und Spaß) bedeutet, auch wenn in so einem großen Ganzen immer mal auch Leute dabei sind - manchmal der Vorgesetzte - die man für unfähig hält oder die einem einfach zu blöd sind ... beruht ja mitunter auch auf Gegenseitigkeit
Ist Freiheit nur der Abstand von so einer Struktur? Ist es das "Alles entscheiden zu können"? - Gilt ja auch nicht für jeden. Unter den Selbstständigen, die ich so treffe, gibt es viele, die genau darunter auch total leiden: die volle Verantwortung zu haben, keiner sonst da ... auch wenn sie gleichzeitig die "prinzipielle Freiheit" schätzen.
Ich finde ja nach wie vor, dass es besonders spannend ist, für sich selbst mal zu definieren, wie das Freiheitsbedürfnis und das nach Sicherheit so aussieht - und auch, was es braucht, um das jeweils zu befriedigen.
Gute Nacht
Gitte
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