Frei! Frei! Frei!
Was ich ja das Allerbeste überhaupt an der Selbstständigkeit finde, ist, dass ich mir meine Zeit völlig frei einteilen kann – wobei ich noch den Vorteil habe, dass ich im Home-Office arbeite, und das ohne regelmäßige Termine, die mir Zeiten diktieren.
Wir Selbstständigen haben meistens etwas mehr Flexibilität, was die Zeiteinteilung angeht. Aber nutzen wir das auch?
Individuell verschieden
Natürlich kommt es darauf an, in welchem Business Sie tätig sind. Wer nicht gerade einen Laden hat, als fester Freier vor Ort beim Kunden arbeitet oder auf fixe Geschäftszeiten angewiesen ist, kann sich “eigentlich” eine individuelle Einteilung erlauben und damit dem individuellen Lebensrhythmus entgegenkommen. Das setzt natürlich voraus, dass man den eigenen Rhythmus - und besonders auch die leistungsfähigen Zeiten – kennt. Und es setzt auch voraus, dass Sie sich erlauben, anders zu arbeiten als „man“ das gemeinhin tut, wenn Ihr Rhythmus eben anders aussieht als gewöhnlich.
Ich beispielsweise bin überhaupt kein Morgenmensch. Zwar stehe ich (zur Zeit) gegen acht Uhr auf, aber mir würde es nur in Ausnahmefällen gelingen, mich dann sofort in die Arbeit zu stürzen. Stattdessen werfe ich den PC an, checke E-Mails, mache Kaffee und mache erstmal im Internet meine Runde bei einer Handvoll Foren und Blogs, um zu sehen, was mich interessiert.
Alle Leute, die mich kennen - auch geschäftlich -, wissen: „Vor 9 Uhr ruft man die Gitte nicht an!“
So starte ich laaangsam in den Tag und mein Gehirn hat die Gelegenheit richtig wachzuwerden. Denn ich bin ein Abend- und Nachtmensch. Und wenn Sie auch zu dieser Fraktion gehören, dann wissen Sie, wie schön produktiv man noch sein kann, wenn andere längst die Rolladen ihres Büros runtergelassen haben.
Aber dann kommt oft das schlechte Gewissen ins Spiel. Kennen Sie das auch?
- Die Frühaufsteher machen sich Gedanken, ob sie „schon“ Feierabend machen dürfen – zumal häufig vom Umfeld propagiert wird, dass Überstunden und „selbst und ständig“ einfach dazugehören.
- Und die Nachtarbeiter könnten morgens ruhig mal ausschlafen, aber so lange im Bett liegen, tut „man“ ja nicht. Das wäre ja faul.
- Oder es läuft einfach mal nicht. Man hat keinen Bock zu arbeiten, es geht nichts voran. Jetzt wäre es schlau, eine Pause zu machen, vielleicht ins Café zu gehen und sich über den Luxus zu freuen, dass man jetzt, wo andere arbeiten müssen, in der Sonne sitzen kann. Aber nein: Da bleibt man doch oft am Schreibtisch sitzen, beißt und quält sich, um irgendein Ergebnis zu erzwingen. Ziemlich blöd, zumal es nach einer Pause und mit etwas Abstand lockerflockig in einem Bruchteil der Zeit und mit einem vielleicht sogar besseren Ergebnis auch ginge.
Haben Sie sich schonmal genau überlegt:
- Wie ist mein derzeiter Arbeitsrhythmus (Arbeitsbeginn/-ende, Wochenarbeitszeit, Reihenfolge der Tätigkeiten - vielleicht brauchen Sie morgens auch erst eine Anlaufzeit und möchten lieber den Papierkram erledigen, anstatt sich gleich hinters Telefon zu klemmen etc.)?
- Gefällt mir das so? Wenn ja: Warum? - Oder: Womit bin ich nicht zufrieden, warum und wie hätte ich es gern?
- Wie ist es um mein schlechtes Gewissen bestellt? Wann und warum hab ich’s? Und: Wie stelle ich’s ab?
Erlauben Sie sich auch radikal zu denken. Vielleicht hätten Sie gern den Freitag komplett frei, um Einkäufe und den Haushalt zu erledigen. Oder Sie sind eher ein Nachtarbeiter und würden gern regelmäßig erst um 11 Uhr zu arbeiten beginnen.
Anstatt sich zu sagen “Das geht ja nicht, weil ...” ist die bessere Frage: “Wie könnte es gehen?” und “Was spricht dagegen/was ist ein Hindernis bzw. mit welchem Aspekt würde ich mich nicht so wohl fühlen - und warum?”, natürlich gefolgt von einem “Was wäre eine Lösung dafür?”
So, und jetzt süffel ich erstmal in Ruhe meinen Kaffee fertig, bevor ich an den neuen Selbstlernkursen weiterschreibe ...
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Anmerkungen & Kommentare
ich denke *radikal* ist schon das passende Wort
Aus Erfahrung möchte ich betonen, dass dies sogar sehr wichtig ist. Grenzen für sich zu setzten, gerade in der Selbständigkeit - das hat für mich etwas mit Klarheit zu tun.
Auch wenn ich sehr kundenorientiert alle Bedürfnisse meiner Kunden berücksichtige, ist es besonders wichtig meinen eigenen Zeitrhythmus zu pflegen.
Anfänglich tat ich mich schwer - doch nach den ersten Fehlern und beim Feststellen - neee - so geht's nicht bin ich auch zur Methode eigenwillig gewechselt.
Schließlich möchte ich auch meinen Kaffe in Ruhe genießen und das noch viiiieeele Jahre!
Und das tolle ist: ich fühl mich damit pudelwohl & 'Vieles' läuft viel leichter, 'Maches' erledigt sich sogar von selbst...
Schönes Thema!
Liebe Grüße
Ursula
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Gitte Härter •
es ist jetzt 23:20 Uhr. Ich sitze am Schreibtisch. Bis eben habe ich mir Stichworte zu einem neuen Thema notiert, das ich mir erarbeiten will.
Irgendwie kam ich nicht weiter. Der "Gedankensturm" war abgeflaut. Da kam ich auf die Idee, mich im Internet inspirieren zu lassen. So kam ich auch auf die "unternehmenskick.de"-Webseite. Manchmal genügen ja schon ein Wort, ein Satz, eine Überschrift, um den "Sturm der Gedanken" (neudeutsch: "Brainstorming"
Also kam ich auch zu diesem Artikel.
Mmmh, nun, ja,... Da ich jetzt um diese Zeit wieder einmal und noch am Schreibtisch sitze, behaupte ich mal, daß ich ein Nachtarbeiter bin. Allerdings sitze ich morgens gegen 07:00 Uhr zumeist wieder am Schreibtisch, um mir bei einem Becher Kaffee cirka eine halbe Stunde lang Gedanken zu machen, wie ich mein Unternehmen voranbringen kann. Danach beginne ich dann so gegen 09:00 Uhr mit der eigentlichen Arbeit.
Die Geschichte mit dem so genannten schlechten Gewissen, die Du beschreibst, kenne ich. Das kommt mir sehr bekannt vor. Ich bin auch mit Sprüchen wie "Nur der frühe Vogel fängt den Wurm." und ähnlichen aufgewachsen.
Ich liebe es, wenn der Tag morgens erwacht. Dann möchte ich einfach nur auf der Terrasse, am Strand oder am Meer sitzen und der Natur beim Erwachen zuhören und zuschauen. Dies ist ein Luxus (ja? wirklich?), den ich mir auch hin und wieder als Selbstständiger leiste. Einfach nur mit allen Sinnen den Morgen "einfangen".
Aber dann rasch wieder an die Arbeit. Oder als Kompromiss beispielsweise am Dienstag frei nehmen, aber dafür dann am Sonnabend arbeiten.
Meine Frau arbeitet sehr oft auch komplett am Wochenende. Dafür hat sie dann einen Tag oder zwei Tage in der Woche frei. Wenn es meine Zeit und Arbeit erlauben, machen wir gemeinsam in der Woche "Wochenende" und genießen es, beispielsweise in der Stadt an schöne Plätze zu gehen, die am Wochenende stark besucht sind. Restaurants und Cafés sind dann auch nicht so voll wie am Wochenende.
Allerdings merke ich dabei dann immer mal wieder, wie ich doch durch meine Erziehung und meine frühere Angestelltenzeit konditioniert bin. Es meldet sich das Gewissen, das die Frage stellt: "Heute ist Dienstag. Solltest Du da nicht am Schreibtisch sitzen?" Ich verweise dann insgeheim darauf, daß ich ja am Wochenende wieder am Schreibtisch sitzen werde, und daß ich ja auch an bestimmten Tagen abends noch bei Veranstaltungen bin, wenn andere Menschen längst ihrem verdienten Feierabend nachgehen.
So, nach diesem Ausflug auf die "unternehmenskick.de"-Webseite, kommen mir gerade neue Ideen und Gedanken, die ich jetzt schnell notieren möchte...
Herzliche Grüße aus Hamburg
Norbert