Erfolgsprinzipien

Vier wichtige Fragen - 3: Was ist Ihnen das Wichtigste an der Selbstständigkeit?

Gitte Härter • 21.06.2010 • email Weiterempfehlen

Heute sehen wir uns Ihre Antworten zur dritten der 4 Fragen an. Wenn Sie erst heute von den vier Fragen erfahren, dann hören Sie bitte jetzt auf zu lesen und schauen Sie sich erst den Ursprungsartikel an.

Alle anderen nehmen bitte jetzt ihre Antwort zu dieser dritten Frage zur Hand.

In welche Richtung geht Ihre Antwort:

a) Das Wichtigste ist mir Freiheit/dass ich alles alleine entscheiden kann/dass ich die volle Verantwortung habe/dass ich keinen Chef vor der Nase habe/dass ich meine Ruhe vor Kollegen habe/dass ich mir meine Zeit voll einteilen kann/dass ich meine fachlichen Interessen und Kenntnisse intensivieren kann, wie ich das gerne möchte ...

b) Das Wichtigste ist mir, dass ich andere Menschen weiterbringen kann/dass ich mein Know-how weitergebe/dass ich für meine Kunden bestimmte Ziele (mit)erreichen kann ...

c) Das Wichtigste ist mir die Anerkennung und Dankbarkeit meiner Kunden.

d) Das Wichtigste ist mir, dass ich mein Unternehmen Schritt für Schritt vorantreibe: Ich mache fixe Pläne und führe meine Firma stringent nach meinen Zielen (z. B. Expansion, Umsatzzsteigerung ...).


Auch hier kann es natürlich wieder sein, dass Ihre Antwort eine Mischung ist. Ich unterscheide diese vier Richtungen:

a) Auf mich selbst bezogen: Ich und persönliche Freiheit.

Für viele Selbstständige sind das Hauptgründe, insbesondere dann, wenn sie vorher angestellt waren und davon in irgendeiner Weise enttäuscht sind. Manchmal ist es auch das Sich-nicht-eingliedern-wollen oder -können beziehungsweise ein Problem mit Autoritätspersonen. Doch schlechte Erfahrungen oder Enttäuschungen müssen natürlich kein Auslöser für diese Freiheitsliebe sein. Vielleicht sind Sie einfach von Haus aus gerne selbstverantwortlich und völlig frei in Ihren Entscheidungen.

Meine Beobachtung über die letzten zehn Jahre ist es, dass Selbstständige, die auf die Frage „Was ist Dir wichtig?“ ausschließlich auf sich selbst bezogen antworten, manchmal darüber auch ein wenig stolpern. Wenn Sie also in dieser Richtung geantwortet haben, dann prüfen Sie:

  • Bin ich zu sehr auf mich selbst fixiert? ... und damit meine ich jetzt Ihr gesamtes Auftreten: Überprüfen Sie Ihre Selbstdarstellung und die Argumente dafür, mit Ihnen zu arbeiten, bitte mal auf Herz und Nieren. Je mehr man auf sich selbst fixiert ist, desto eher leidet der Blick von außen. Schauen Sie mal näher hin, welche Argumente Sie liefern und ob Sie genug aus Sicht Ihrer potenziellen Kunden für sich „werben“.

  • Gibt es noch etwas ungeklärtes Belastendes? Manchmal treffe ich Selbstständige, die alten Ballast mit sich herumtragen: Groll auf die alte Firma, frühere Chefs oder Kollegen. Da mischt sich dann die Erleichterung, das hinter sich gelassen haben, mit nach wie vor brodelnder Unzufriedenheit oder gar Schmerz. Wenn Sie solche alten, unguten Erfahrungen noch mit sich herumtragen, ist es wirklich wichtig, das anzugehen. Ich habe es viele Male erlebt, dass EinzelunternehmerInnen in Gesprächen sehr unsachlich wurden oder plötzlich Tränen in den Augen sichtbar wurden, wenn das Gespräch auf die berufliche Vergangenheit kam. Und zwar nicht nur in 4-Augen-Coachinggesprächen, sondern auch nach Vorträgen oder an Messe-Ständen.

b) Auf meine Kunden bezogen.

Wenn Sie bei Ihrer Antwort zuerst Ihre Kunden oder die Vorteile für Ihre Kunden genannt haben, dann ist dabei sehr gut, dass Sie Ihre Selbstständigkeit spontan aus dieser Warte betrachten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie diesen Blickwinkel auch nach außen tragen, also beispielsweise Kundenansprache und Kundennutzen gut herausgearbeitet haben, ist relativ hoch (aber prüfen Sie das lieber nochmal! Manchmal hat man viel im Kopf und eine kundenorientierte Einstellung, aber zeigt sie nach außen noch nicht genug).

Haben Sie die Frage ausschließlich aus Kundensicht beantwortet, dann fragen Sie sich bitte: Habe ich mich selbst – mit meinen beruflichen und persönlichen Bedürfnissen, Wünschen und Zielen genug im Blick?

c) Auf mich selbst bezogen: Bestätigung.

Jeder möchte gerne anerkannt werden und fühlt sich wohler, wenn die persönliche Beziehung stimmt. Insofern ist es natürlich vollkommen normal und in Ordnung, wenn Sie sich über Lob und Anerkennung Ihrer Kunden freuen! Wer tut das nicht!

Wenn es jedoch kippt und es nicht nur der Wunsch nach zufriedenen Kunden und Lob ist, sondern wenn das etwas ist, das Sie dringend brauchen, weil Sie ohne diese Bestätigung zu unsicher sind oder sich fachlich nicht gut genug fühlen (oder nicht einzuordnen wissen), dann sollte hier wieder ein kleines rotes Lämpchen angehen. Denn wenn Unsicherheit die Selbstständigkeit regiert, legen Sie sich selbst Steine in den Weg.

d) Auf mein Unternehmen (meine Ziele mit dem Unternehmen) bezogen.

Die Antworten a-c haben alle ihre Vorteile - und den einen oder andern Stolperstein dabei. Die Antwort d) ist etwas, das meistens zu wenig beachtet wird. Denn wir alle sind nicht nur selbstständig um der Selbstständigkeit Willen, sondern es gibt natürlich darüber hinaus bestimmte Ziele.

Für manche ist es der Wunsch zu expandieren, Arbeitsplätze zu schaffen, ein großes Unternehmen aufzuziehen. Für andere ist es die schon angesprochene persönliche Freiheit, die jedoch nicht nur aus Freiheit besteht, sondern auch aus Rahmenbedingungen, die diese Freiheit erlauben. Ich kann froh sein, dass ich meine Zeit frei einteilen kann, aber gleichzeitig nie genug Geld verdienen, um wirklich relaxt leben und arbeiten zu können. Oder ich verdiene zwar supergut, hetze aber von früh bis spät meiner To-Do-Liste hinterher, so dass ich nicht wirklich Lebensqualität habe.

Wenn Ihre Antwort also bisher nicht Ihr Unternehmen und dessen Stabilität und Weiterentwicklung beinhaltet, dann lohnt es sich, hierüber noch mal ein wenig nachzudenken.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Angela Gaida am 21.06.2010
Diese Frage korrespondiert bei mir stark mit der ersten Frage. Das, was mich damals in die Selbstständigkeit gezogen hat, ist heute das, was mir daran wichtig ist. Ist das nur bei mir so, oder geht es anderen ähnlich?

Meine Antworten sind so sehr in der Kategorie A, wie sie nur sein können. Darum finde ich es sehr bereichernd, mir jetzt die Kategorien B-D mal genauer anzuschauen. Danke - wieder einmal grin
Von: Gitte Härter am 22.06.2010
Stimmt: Da kann es eine enge Verbindung geben zur ersten Frage. - Umgekehrt können sich hier auch weitere Aspekte oder auch ein (ebenso wichtiger) Widerspruch zu den Motiven geben. Auch die Verbindung der Antworten untereinander hat eine starke Aussagekraft!

Gute Idee, explizit die anderen Aspekte nochmal gezielt unter die Lupe zu nehmen.

Viele Grüße
Gitte
Von: Beatrix Philippin am 22.06.2010
Die Antwort auf die erste Frage lautet bei mir: (Freiheit) SEIN. Mit Betonung auf dem SEIN. Die Antwort jetzt auf die dritte Frage lautet: Meine Gabe weitergeben. MMMMhhhh... Ich versuche gerade, das so sinnig weiter zu verarbeiten, dass es so richtig klingelt. Bei mir hapert's vor allem bei Punkt D. Da habe ich tatsächlich viel zu wenig Fokus. So richtig unternehmerisch denken! Da öffnet sich gerade ein Tor. Mensch Gitte, danke! Bist'ne echte Heldin!
Beatrix
Von: Gitte Härter am 24.06.2010
Ein Tor gleich! Heldin!
Danke! grin

 

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