Vier wichtige Fragen - 1: Warum haben Sie sich selbstständig gemacht?
Im letzten Newsletter habe ich Sie gefragt: Warum haben Sie sich selbstständig gemacht? Wenn Sie Ihre spontane Antwort darauf noch nicht festgehalten haben, dann tun Sie das jetzt sofort und lesen Sie erst dann weiter.
Die Frage nach dem Warum beinhaltet verschiedene Aspekte Ihrer Selbstständigkeit: Denn Ihre Antwort gibt Ihnen Hinweise darauf
- ob und wie Sie „ausgerichtet“ sind,
- welche Art von Rückenwind Sie haben,
- ob Sie aktuell mit Ihrem Unternehmen auch das leben, was Ihre Beweggründe erfüllt (oder Sie zumindest auf einen geraden Weg dorthin bringt).
Ob und wie Sie „ausgerichtet“ sind
Das mit dem Ausgerichtetsein ist etwas verwirrend ausgedrückt, aber mir fällt gerade keine bessere Formulierung ein. Ich meine damit, ob Sie eher auf sich selbst gerichtet sind, auf einen bestimmten Zweck und/oder Ihre Kunden.
Welche der folgenden Antworten kommt Ihrer eigenen nahe?
a) Ich habe mich selbstständig gemacht, um frei zu sein/keinen Chef über mir zu haben/meine Talente zu leben/viel Geld zu verdienen ...
b) Ich habe mich selbstständig gemacht, um anderen zu helfen/andere von meinen Erfahrungen profitieren zu lassen/eine bestimmte Information oder Methode weiterzugeben, von der ich überzeugt bin/um die Welt zu verbessern ...
c) Ich habe mich selbstständig gemacht, weil es sich so ergeben hat/ich reingerutscht bin/weil ich musste.
Wenn Ihre Antwort sich so liest wie a), Sie also lauter Gründe aufgelistet haben, die Sie selbst betreffen, sind Sie auf sich selbst ausgerichtet.
Wenn Ihre Antwort sich so liest wie b), sie also auf einen „guten Zweck“ oder die Nutznießer Ihrer Leistungen bezogen ist, dann sind Sie auf die Außenwelt ausgerichtet.
Wenn Ihre Antwort ausgefallen ist wie c), dann war die Selbstständigkeit entweder erstmal eine Initiatialzündung, die Sie bereits an einen anderen Punkt geführt hat (was in anderen der vier Fragen, die ich Ihnen gestellt hatte, aufgegriffen ist) – oder Sie haben noch nicht näher hingesehen. Zu dieser Option kommen wir gleich noch.
Was ist nun mit a) und b)? Was davon ist besser oder schlechter?
Keine Angst! So einfach läuft es natürlich nicht. Die Frage nach dem Auslöser für die Selbstständigkeit ist ja nicht alleine dafür entscheidend, wie Sie Ihr Unternehmen führen. Aber es ist dennoch einen prüfenden Blick wert.
Denn je nachdem, ob die Antwort auf diese Frage eher Ihre eigenen Gründe reflektiert oder ob irgendein Sinn/Zweck oder Nutzen für andere im Vordergrund steht, ergeben sich oft auch Konsequenzen.
Eine typische Konsequenz ist beispielsweise, in der Selbstdarstellung und der Akquise zu sehr auf sich gerichtet zu bleiben: so lesen sich „über mich“-Texte oft wie persönliche Lebenserfahrungen, die mitunter unbeabsichtigt die Kompetenz und Ziele unterminieren.
Auch der wichtige Eindruck, den potenzielle Kunden haben sollten: „Hier geht es um MICH, um meinen Nutzen, um meine Vorteile, die ich durch die Investition in diese Leistung erzielen kann.“ bleibt oft außen vor.
Eine Antwort, die in Richtung Zweck/Sinn/Kunden geht, hilft meistens, diesen Eindruck und Nutzen, das Engagement der Person, die hinter dem Angebot steht, deutlicher herauszustellen. Doch sie birgt auch eine Tücke: Besonders der Hilfsaspekt oder ein übergeordneter Sinn als Motiv à la „die Welt verbessern“ lässt viele an sich vielversprechenden Unternehmen auf sehr niedrigem Level steckenbleiben. Vielleicht, weil „helfen“ kein Preisschild haben darf, auf keinen Fall ein großes?
Bevor es weitergeht: Mir ist schon klar, dass das hier alles recht vereinfacht dargestellt ist. Denn ich kenne natürlich weder Ihre genaue Antwort, noch Ihre genaue Situation. Sinn der Fragen, Ihrer Antworten und dieses Textes ist, dass Sie sich etwas intensiver damit befassen und das rauspicken, das Ihnen sinnvoll erscheint. Denn zu hinterfragen lohnt sich immer! Auf diese Art können Sie sich bestätigen und finden immer wieder auch Details, die Ihre Aufmerksamkeit verdienen.
Welche Art von Rückenwind
Ein gutes Motiv gibt uns Rückenwind. Aber nur, wenn es auch stark genug ist.
So kann es sein, dass Sie sagen „Ich genieße die Freiheit der Selbstständigkeit.“, aber gleichzeitig gar keinen Rückenwind dadurch bekommen. Bei mir ist das so. Ich war immer gerne angestellt, ich liebe es, noch mehr Freiheiten zu haben, vor allen Dingen wegen der Zeiteinteilung, aber ich gewinne dadurch alleine keinen Rückenwind.
Jemand, der jedoch sehr eingeschränkt und kleingehalten wurde, steht vielleicht jeden Tag mit einem fetten Lächeln auf und geht voller Tatendrang an die Arbeit, weil er sich endlich ausleben kann.
Lesen Sie Ihre Antwort auf die Frage warum Sie sich selbstständig gemacht haben jetzt mal auf den Faktor Rückenwind durch:
- Wie bewerten Sie Ihre Antwort?
- Motiviert Sie der Grund, den Sie aufgeschrieben haben?
- Finden Sie darin Kraft oder krempeln besonders engagiert die Ärmel hoch?
- Oder ist es eher, wie oben schon beschrieben, so, dass der Auslöser für Ihre Selbstständigkeit für Sie gar nicht so relevant ist? Das ist in Ordnung! Die weiteren drei Fragen, zu denen wir in den nächsten Newslettern kommen, beinhalten weitere Aspekte zu Motivation und Rückenwind.
Steht auf Ihrem Zettel nur die Option C, also etwas wie „Das hat sich so ergeben.“ oder „Ich musste mich selbstständig machen, ich hatte keine Wahl“, dann konkretisieren Sie Ihre Antwort jetzt doch einmal.
Am besten geht das, wenn Sie einfach den entsprechenden Satz spontan ergänzen und eine halbe oder ganze A 4-Seite spontan vollschreiben. Sie schreiben also Ihre Antwort oben auf ein Blatt Papier, z. B. „Ich musste mich selbstständig machen, weil ...“ und schreiben dann ohne groß zu denken drauflos. Sie werden sehen, dass da durchaus eigene Entscheidungen und Motive eine Rolle gespielt haben, vor allen Dingen auch dahingehend, welche Art der Selbstständigkeit Sie gewählt haben und für welche Menschen und Unternehmen Sie arbeiten.
Wenn das WARUM, das Sie in die Selbstständigkeit geführt hat, Sie durchaus motiviert oder Sie „eigentlich“ motiviert, Sie sich dessen bisher nur noch nicht so bewusst waren, dann konkretisieren Sie diesen Grund jetzt weiter:
- Was genau hat sich an Vorteilen daraus ergeben?
- Wenn Sie schon länger selbstständig sind: Wie war Ihre damalige Situation? Haben Sie vielleicht in der Alltagsroutine vergessen, welchen Wert Ihr Schritt in die Selbstständigkeit für Sie damals hatte – und dadurch heute noch hat?
Rückenwind macht uns das Leben und die Arbeit leichter. Wir sollten ihn uns holen, wo wir ihn bekommen können. Und wir sollten ihn erkennen: Vor allen Dingen steckt er in den Motiven.
Erfüllen Sie Ihre Motive?
Der letzte Aspekt, auf den Sie Ihre Antwort bitte prüfen, ist, ob Sie aktuell mit Ihrem Unternehmen das leben, was Ihre (damaligen) Beweggründe erfüllt - oder Sie zumindest auf einen geraden Weg dorthin bringt.
Wenn da also steht, dass Sie volle Gestaltungsfreiheit haben: nutzen Sie diese Gestaltungsfreiheit denn wirklich aus – inwiefern ja, inwiefern noch nicht so?
Wenn Sie viel Geld verdienen möchten: Haben Sie das schon erreicht? Wenn Sie noch auf dem Weg dahin sind: ist Ihr Unternehmen und sind Ihre Aktivitäten so ausgerichtet, dass das überhaupt möglich ist? Inwiefern ja – inwiefern nein?
Sie sehen, was ich meine: Nehmen Sie sich die Motive, die Sie in Ihrer Antwort aufgezählt haben, gründlich vor und überprüfen Sie, ob Sie sich schon erfüllt haben, ob Sie darauf hinarbeiten oder ob das irgendwie so mitschleift und vielleicht im Alltag total in den Hintergrund gerückt ist.
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Im nächsten Newsletter geht es dann um Frage 2: Was machen Sie beruflich?
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Anmerkungen & Kommentare
Ein starkes Motiv war es, mir und anderen zu beweisen, das die Mischung aus künstlerischer Tätigkeit und sachlich, wissenschaftlich orientierte Arbeit miteinander verbunden werden kann, erfolgreich, versteht sich.
Der Hinweis bei den 'über mich'Texte kommt zur rechten Zeit. Ein neuer flyer muss gestaltet werden, werde mich an Deine Worte immer erinnern.
ich wollte mich bei der Gelegenheit auch kurz bedanken für Ihre immer wieder interessanten Anregungen.
Als Selbständiger im Aufbau verliere ich auch manchmal etwas den Blick auf mich selbst und um was es mir eigentlich ging/geht und alles ist dann nur noch Arbeit und manchmal auch nur ein Durchhalten.
Ihre inspirierenden Texte sind mir dann oft ein Trost und Mutmacher, weil Sie immer so persönlich schreiben und ich merke, dass ich nicht allein bin mit all den persönlichen Unsicherheiten und Schwächen, die einem durch eine Selbständigkeit gnadenlos aufgezeigt werden. Statt mich mit hohlen Motivationssprüchen zu langweilen, oder gar mit dem ohnehin schon allseits verbreiteten Leistungsdenken einzuschüchtern, machen Sie mir Mut. Sie behandeln gerade die "dunklen", schwachen Seiten des Selbständigseins mit viel Einfühlungsvermögen, das finde ich toll.
Ich bin gespannt, wie es weiter geht und hoffe auch Sie bleiben den Lesern treu.
Freundliche Grüße,
F. W. aus Lübeck
das hast Du mit den jeweils entsprechenden Erfolgskonsequenzen, bzw. den möglichen Gründen für ausbleibende gewünschte Erfolge, mal wieder sauber rausgefiltert!
Ich empfehle Deine Kommmentare inzwischen jedem Klienten, der bei mir mit Selbständigkeit "droht" und der nach meinen Kommentaren dazu dann auch gut noch was knackiges schriftliches dazu lesen und aufnehmen soll(te)!
Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht und freue mich schon drauf!
Sonnige Grüße
Ulla
also das mit dem Rückenwind hat bei mir richtig gezündet. So klar wie jetzt war mir mein Motiv bisher nicht.
Herzlichen Dank!
Liebe Grüße
Beatrix
Ich bin schon länger selbstständig, aber sehr ungewöhnlich bisher unterwegs gewesen. Mir ist beim Nachdenken über das Warum klar geworden, dass ich mich dadurch selbst finden wollte, weil ich in meiner Richtung keine Lust mehr hatte, aber nicht wußte, was nun. So testete ich immer wieder neue Bereiche, bis ich zum derzeitigen tollen Ergebnis gekommen bin.
Mittlerweile weiß ich, dass ich meine Stärken leben will, um Menschen zu unterstützen ihre wahren Potenziale hervorzuholen und bei gesunder Lebenskraft zu bleiben.
Es war also bei mir zu Beginn Punkt d (muss noch getextet werden) und nun ein Gemisch aus a und b.
Herzliche Grüße
Beatrice Legien-Flandergan
tausend Dank für die vielen Kommentare, das konkrete Feedback, was der Artikel so bewegt hat und natürlich das schöne Lob.
Solche Rückmeldungen sind für mich immer ein ganz besonderes Geschenk, weil ich sehe, dass Sie mit den Texten wirklich was anfangen können und sie nützen.
Herzliche Grüße
Gitte
auch ich bin wiedermal erstaunt, auf welche Gedanken, Fragen und damit Antworten man kommen kann, wenn man nur angeregt wird und das ist Ihnen, Frau Härter, wieder mal gut gelungen.
Bei mir trifft als Grund c) zu, aber nichts desto trotz auch a), denn mein Ziel ist es, neben der Nützlichkeit auch noch etwas für meinen Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Also es lohnt sich schon, nach einer gewissen Zeit der Selbstständigkeit mal über die Motive nachzudenken.
Viele Grüße von Gerit N.
danke für diesen gedankenschubser !!!
gefällt mir sehr gut und ich freue mich auf das was folgt...
herzliche grüße an alle, die das lesen und nicht vergessen:
EIN LÄCHELN IST DER KÜRZESTE WEG ZWISCHEN ZWEI MENSCHEN ... egal wo und wann
in diesem sinne schicke ich mal eins mit
Helen Plass
dankeschön für das Feedback, die Ergänzungen und die Info, was sich so tut!
Viele Grüße
Gitte
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Gitte Härter •
der Beitrag trifft für mich total ins Schwarze!
Meine Motive sind ein Mix aus A und B - ("meine Fähigkeiten leben zum Allgemeinwohl" steht bei mir.)
Mir fällt wie Schuppen von den Augen, dass das zweierlei ist, bzw. zwei Aspekte beinhaltet. Diese Unklarheit muß sich natürlich auf meine Kommunikation auswirken, logisch.
Danke für Deine tollen Artikel!
Elke