Produktivität

Einfacher ins Handeln kommen

Ralf Senftleben • 15.08.2008 • email Weiterempfehlen

Letzte Woche habe ich ja über meine Werkzeuge zur Selbstorganisation geschrieben und heute habe ich noch eine Ergänzung zur Aufgaben-Liste.

Wenn Sie einen Punkt auf Ihrer Aufgaben-Liste haben, den Sie schon länger vor sich herschieben, dann versuchen Sie doch mal folgendes:

Schreiben Sie hinter die Aufgabe in Klammern den ersten, kleinen Schritt, den Sie gehen müssten, um mit der Aufgabe anzufangen.

So ein kleiner Schritt muss dabei 2 Kriterien erfüllen:

  • Er sollte in maximal 5-10 Minuten zu schaffen sein.

  • Der Schritt muss so konkret beschrieben sein, dass Sie sofort und ohne nachzudenken erkennen, was genau zu tun ist.

Dazu ein paar Beispiele:

  • Artikel zum Thema Zeitmanagement schreiben (Unsortiert 10 Stichworte in Word brainstormen)

  • Akquise für neues Training starten (Über Google 1-2 Firmen recherchieren, für die mein Training interessant sein könnte)

  • Neues Seminarkonzept fertig stellen (Frage beantworten: Was sind die Lernziele für dieses Seminar? Was sollen die Teilnehmer hinterher können und wissen?)

  • Neue Website erstellen (2-3 Ziele aufschreiben, die ich mit meiner neuen Website erreichen will)

Indem Sie immer den nächsten Schritt hinter die Aufgabe aufschreiben, ist es wesentlich einfacher, ins Handeln zu kommen. Und wenn Sie eine Aufgabe abgearbeitet haben, schreiben Sie einfach die nächste, kleine Aufgabe dahinter. Indem Sie sich von einer kleinen Aufgabe zur nächsten hangeln, können Sie auch größere Projekte und Aufgaben Schritt für Schritt bewältigen.

Diese Idee stammt übrigens von David Allen, dem Autor des Buches Wie ich die Dinge geregelt kriege.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Norbert am 15.08.2008
Hallo, Ralf!

Guter Tipp.

Du schreibst: "Der Schritt muss so konkret beschrieben sein, dass Sie sofort und ohne nachzudenken erkennen, was genau zu tun ist."

Dazu folgende Frage:

Reicht es bei dem hier von Dir dargestellten Modell, wenn die Überlegungen in einem ersten Schritt als Mind-Map festgehalten werden, oder ist es erforderlich, die Gedanken in ganzen Sätzen auszuformulieren, also die Schritte komplett niederzuschreiben?

Herzliche Grüße aus Hamburg
Norbert
Von: Ralf Senftleben am 16.08.2008
Norbert, die Idee hinter dieser Vorgehensweise ist, das man auf den 1. Schritt schaut und sofort glasklar und konkret vor Augen hat, was getan werden muss.

Das heisst, du schaust auf die Beschreibung des ersten Schritts und kannst innerhalb von 5 Sekunden loslegen, ohne dass du vorher noch groß überlegen musst.

Es geht darum, es sich selbst so einfach wie möglich zu machen, loszulegen.

Und wie du das erreichst, dass du ohne zu überlegen loslegen kannst, das ist eigentlich egal. Ob im Mindmap oder in ganzen Sätzen, spielt keine Rolle. Hauptsache, du schaust auf deinen Plan und zooooomm, schon bist du mitten in der Aufgabe.
Von: Norbert am 16.08.2008
Hallo, Ralf!

Verstanden. Klingt gut. Auf geht`s!

grin
Von: Brita Dose am 26.08.2008
Hallo Ralf,

ich lese gerade auch das von Dir empfohlene Buch - es ist wirklich sehr hilfreich und voller guter Ideen. Ich bin gerade beim Sammeln der "losen Enden" :o)
Also das Buch ist eine sehr gute Empfehlung für alle, die ihre Dinge endlich geregelt kriegen wollen!

Schöne Grüße

Brita
Von: Ralf Senftleben am 26.08.2008
Hallo Brita, das Buch ist schon ziemlich prima. Gerade die Idee, dass wir uns selbst durch diese losen Enden, die wir nicht geordnet
sammeln / aufschreiben, ständig selbst latenten Stress machen. Das ist für mich eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Buch.

Aber um das System mit den verschiedenen Schritten komplett umzusetzen, braucht man am Anfang eine hammerharte Selbstdisziplin, bis das System zur Gewohnheit geworden ist. Nur das sagt einem meisten niemand bei den meisten Büchern oder Seminaren über Zeit- und Selbstmanagement smile
Von: Brita Dose am 26.08.2008
Hallo Ralf,

... und da waren sie wieder, meine drei Probleme: Disziplin. Disziplin, Disziplin. :o)

Da ich einen großen Teil meiner Kindheit bei meiner Großmutter verbracht habe, bin ich mit vielen Weisheiten der "guten alten Zeit" aufgewachsen. Diese Generation hatte z.B. niemals ein Disziplin-Problem. Meine Oma war zwar nie berufstätig, hatte aber einen großen Garten und viele Nutztiere zu versorgen. Sie hat mit schon frühzeitig geraten "du musst Dir jeden Tag einen Plan machen", nur habe ich das mit 16 nicht für "voll" genommen. Ich habe immer am liebsten in den Tag hinein gewirtschaftet und das gemacht wozu ich Lust hatte (und eigentlich steht mir auch noch heute der Sinn danach). Allerdings habe inzwischen sogar ich mitbekommen, dass man ohne Disziplin eben nicht viel erreicht.
Doch was ist "unterwegs" zwischen unseren beiden Generationen schief gelaufen, wo haben wir die Disziplin verloren???

LG Brita
Von: Norbert am 26.08.2008
Hallo, Frau Dose!

Disziplin: Verloren: ab 1968 ! "Unter den Talaren Muff von 1.000 Jahren!"

Ich kenne das auch. Meine Großeltern und deren Generation sowie meine Eltern und deren Generation waren (und sind) sehr diszipliniert.

Mein Großvater, der im Ersten Weltkrieg schwer verwundet wurde, hat nach Aussage seiner Ärzte nur deshalb so lange gelebt (Jahrgang 1893; er wurde 83 Jahre alt), weil er von 1917 bis 1976 jeden Tag disziplinert an seine Aufgaben und an das Beweglichhalten seines Körpers rangegangen ist. Auch an Tagen, an denen er keine große Lust hatte aufzustehen und zum Dienst zu gehen. Selbst nach seiner Pensionierung stand er immer zur gleichen Zeit auf, zog sich korrekt an, bereitete für seine Frau und sich den Frühstückstisch - und startete in den Tag, der für ihn oft von Schmerzen begleitet war. Er hatte sich für jeden Tag einige Dinge vorgenommen, die erledigt wurden oder zu denen er mit seiner Frau zusammen einen Ausflug machte. Es gab immer etwas zu tun, immer etwas Neues zu entdecken, immer etwas anderes zu sehen.

Als Heranwachsender war ich auch oft genervt von den Erziehungssprüchen meiner Großeltern und Eltern. "Heute ist der Tag, an dem du lebst und handeln kannst. Also los!" - "Mach' es wie die Sonnenuhr, zähl' die schönen Stunden nur." - "Willst du, daß sich etwas in deinem Leben ändert oder verbessert, dann fange bei dir an. Also los!" - "Setz' dich auf deinen Hosenboden, träumen kannst du später." - "Nur der frühe Vogel fängt den Wurm." - "Lehrjahre sind keine Herrenjahre." und so weiter.

Wenn ich es richtig erinnere, heißt es bei J.W.v.Goethe:

"Was du ererbt von deinen Vätern hast,
erwirb es, um es zu besitzen.
Was man nicht nützt, ist eine schwere Last;
Nur was der Augenblick erschafft, das kann er nützen."

In diesem Zusammenhang interpretiere ich dies so: Wenn uns klar ist, daß uns diszipliniertes Handeln und Arbeiten besser voranbringt, dann sollten wir dieses vorgelebte Erbe (Disziplin) erwerben (annehmen) und es uns zu eigen machen ("...um es zu besitzen"), damit wir unsere Aufgaben und unser Leben konsequenter nach unseren Vorstellungen erledigen und leben können.

Und dennoch... ( wink ) ...hin und wieder will ich einfach aus diesem "Erbe" ausbrechen und den Tag so leben, wie er sich gerade entwickelt. grin

Wir dürfen eben Disziplin nicht als Last oder "Bedrohung" unserer Freiheit ansehen, oder gar als Relikt aus alten Zeiten, sondern als eine uns fördernde Tugend, die uns hilft, voranzukommen.

Ohne Disziplin könnte beispielsweise ein Sportler niemals eine Goldmedaille gewinnen, geschweige denn sich für den Wettbewerb qualifizieren.
Von: Brita Dose am 26.08.2008
Hallo Norbert,

(sorry ist "Du" OK?) Du hast recht, mittlerweile weiß ich, dass Disziplin im täglichen Leben notwendig und Rituale das Leben vereinfachen und "beruhigen". Bei mir kam diese Einsicht recht spät und ich ringe noch heute mit mir um jedes Bisschen Disziplin um die "unschönen" Dinge zu erledigen. Ich würde das meiner Tochter (10) gern ersparen, aber wie man sieht hat in meinem Falle das gute Beispiel auch nicht geholfen.
Früher habe ich immer gedacht, dass nur aus Spontanität Kreativität entsteht, aber heute weiß ich, dass auch das harte Arbeit sein kann.

Vielen Dank für Deine Hilfe

Viele Grüße

Brita
Von: Gitte Härter am 26.08.2008
Hallo Brita, hallo Norbert,

_Wir dürfen eben Disziplin nicht als Last oder "Bedrohung" unserer Freiheit ansehen_ sagt Norbert. Ich möchte ergänzen:

Disziplin ermöglicht Freiheit.

Ich bin, genau wie Du, Brita (ich duze gleich munter weiter) jemand, der am liebsten macht, worauf und wann er gerade Lust hat. Und das geht am besten, wenn auf der anderen Seite alles soweit im Griff ist, dass es genug Zeit für diese Auswahl und damit das "Lustprinzip" gibt.

Im übrigens bin ich der festen Überzeugung, dass wir alle diszipliniert sind. Nur in den Bereichen, wo uns das leicht fällt (weil wir etwas beispielsweise gerne machen), da werten wir es für uns selbst nicht als Diszplin. Aber nur weil wir's nicht so nennen, ist sie ja doch da grin

Viele Grüße
Gitte

 

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