Im Kundenkontakt

Ein komisches Gefühl? - Bitte hinhören!

Gitte Härter • 04.04.2011 • email Weiterempfehlen

Ich sollte es eigentlich besser wissen: Die innere Stimme, dass was nicht stimmt, war da. Aber ich habe einmal mehr nicht darauf gehört. “Ach was, da ist bestimmt nichts.”, “Du kannst doch jetzt nicht nur wegen eines blöden Gefühls den Kunden gleich abweisen.” - Und jetzt? Muss ich gerichtlich meinem Honorar hinterherlaufen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie schon mal ein komisches Gefühl bei einem neuen Auftrag - oder generell in einer Kundenbeziehung - hatten, ist recht hoch. Vielleicht reagieren Sie mitunter so wie ich in diesem Fall, ignorieren das Alarmglöckchen und überzeugen sich innerlich, dass das bestimmt nichts zu bedeuten hat - nur um sich im Nachhinein an die Stirn zu hauen: “Ich hab’s noch geahnt ...!”

Nicht ganz koscher

Es gibt Vorkommnisse, die ein ungutes Gefühl auslösen, zum Beispiel wenn ständig Anfragen gemacht werden, aber es nie zu einem Auftrag kommt. Wenn jemand in seiner Geschäftskorrespondenz niemals irgendwo persönliche Kontaktdaten hinterlässt. Wenn Sie immer hinterherlaufen müssen und sich ein Kunde nie von sich aus zurückmeldet. Und natürlich erst recht, wenn Zahlungen verzögert oder Sie sogar angelogen werden (“ist schon überwiesen”, “der Scheck ist in der Post”).

Ich hatte auch schon den Fall, dass mich jemand bat, ein Pseudoangebot abzugeben, das höher sei als das von jemand anderem, damit er firmenintern begründen könne, einem Bekannten den Auftrag zu geben, da dieser ja günstiger sei. Das Ganze mit Hinweis darauf, dass ich dann ja künftig mal einen Auftrag bekommen würde.

Gleich kommen wir noch darauf zu sprechen, wie wichtig es ist, ein komisches Gefühl näher zu ergründen. Wichtig ist es aber auch, dass Sie für sich selbst ganz klare Richtlinien haben, was Ihr eigenes Verhalten angeht, beispielsweise nicht irgendwelche Fake-Angebote abzugeben. Es ist immer sehr hilfreich, eine klare Linie zu haben, was für einen selbst okay ist und was nicht. Selbstverständlich sollte dieser Verhaltenskodex dann immer gelten und nicht zum eigenen Vorteil übergangen werden.

Die Karotte als Verhandlungshebel

Die inneren Alarmsysteme machen sich oft sehr schnell bemerkbar, wenn man mit Versprechungen hingehalten wird:

  • ein erheblicher Preisnachlass wird im Hinblick auf künftige lukrative Aufträge verlangt,
  • ein ausführliches Konzept soll die Fachkompetenz beweisen (dient aber dem potenziellen Auftraggeber als Anleitung, es in Eigenregie umzusetzen),
  • eine kostenfreie Arbeitsprobe oder ein sehr günstiges Projekt soll geleistet werden, um einen Fuß in die Türe zu bekommen.

Manchmal werden solche Verhandlungshebel immer wieder benutzt, und als Selbstständiger kommt man sich relativ schnell ausgenutzt vor, spielt aber trotzdem weiter mit, weil man denkt, es muss sich doch mal lohnen.

Bitte verstehen Sie mich richtig: Es ist nichts gegen eine solche Vereinbarung zu sagen, sofern es für beide Seiten in einem guten Rahmen passiert. Fühlen Sie sich wohl damit, erstmal kostenfrei oder zu einem niedrigen Sonderpreis in Vorleistung zu gehen, um sich zu beweisen, ist alles in Ordnung. Auch dann sollten Sie jedoch vorab klar abstecken, wo die Grenzen sind.

Fühlen Sie sich jedoch damit alles andere als wohl oder merken Sie, dass Sie zum wiederholten Mal so eine Karotte vor die Nase gehalten bekommen, dann ist es an Ihnen, eine Grenze zu ziehen.

Persönliches Gefühl

Ein ungutes Gefühl entsteht nicht nur, wenn etwas nicht ganz koscher erscheint. Manchmal stimmt die Chemie nicht: Der Anfragende ist einem nicht sympathisch, benimmt sich gönnerhaft oder lässt sich alles unangenehm aus der Nase ziehen - zeigt also ein Verhalten, das Ihnen nicht gefällt.

Es ist zu kurz gegriffen zu glauben, dass ein Auftrag eben eine rein professionelle Transaktion ist. Bei jeder Geschäftsbeziehung spielt die persönliche Ebene eine große Rolle. Darum ist idealerweise ein gewisser Sympathiefaktor da, zumindest aber ein respektvoll-“neutraler” Grundton.

Stellen sich Ihnen die Nackenhaare auf, weil Ihnen ein potenzieller Kunde so gar nicht sympathisch ist oder sich vielleicht sogar auf eine ungute Weise Ihnen gegenüber verhält, dann gehen Sie bitte auch darüber nicht einfach hinweg. Sie werden unweigerlich persönliche Berührungspunkte haben, und so erfreulich ein Auftrag sein mag, so leidet die Lebensqualität doch enorm darunter, wenn man sich mit einem Kunden nicht wohlfühlt.

Dem komischen Gefühl auf der Spur

Ein seltsames Gefühl kommt also nicht von ungefähr. Darum ist es immer gut, sich in solchen Momenten ernst zu nehmen und zu ergründen, woher dieses Gefühl kommt. Anstatt, wie im Eingangsbeispiel beschrieben, einfach darüber hinwegzugehen, hätte ich hinterfragen sollen: Was ist da los? Warum habe ich ausgerechnet bei dieser Person ein Bauchgrummeln? Häufig kann man sehr gut ableiten, was einem nicht behagt.

Lässt sich dadurch vermeiden, auch mal einen Griff ins Klo zu machen? Leider nicht. Aber Sie können das Risiko minimieren. Sofern Sie sich damit konfrontieren, was das komische Gefühl auslöst, können Sie sehr viel klarer entscheiden, ob Sie von einem Auftrag tatsächlich Abstand nehmen möchten. Sie können mehr Vorsichtsmaßnahmen treffen, als Sie vielleicht sonst tun (z. B. schriftliche Vorabvereinbarungen treffen, auf Vorkasse arbeiten, erst mal ein kleineres Teilprojekt annehmen und sehen wie es läuft ...). Oder aber Sie sprechen das komisches Gefühl einfach bei der betreffenden Person an.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Monika am 04.04.2011
Liebe Gitte, herzlichen Dank für diesen wichtigen Artikel. Ich stimme Dir rundum zu.
Im (naturwissenschaftlichen) Studium wurde mir das Vertrauen in intuitive Erkenntnisse, die sich geistig oder körperlich äussern, regelrecht ausgetrieben. Maßgeblich waren nur harte, wissenschaftlich begründbare Fakten. Dafür habe ich bitter bezahlt.
Erst in den letzten Jahren trainiere ich wieder, alles ernst zu nehmen, was Herz und Bauch mir sagen. Hätte ich die "komischen" Gefühle, die mich IMMER warnen wollten, regelmäßig beachtet, wäre mir einiges erspart geblieben: Honorarausfälle, Erniedrigungen, unglückliche Umstände.
Die Schöpfung ist so weise, uns mit allen Wahrnehmungen auszustatten, die wir für ein friedvolles und harmonisches Leben brauchen. Wertvolle Hilfe für uns selbst und andere wird uns zuteil, wenn wir erkennen, dass "Wissenschaft" und rationales Denken nur EIN Bestandteil unseres Lebens darstellen. Vollständig werden wir erst, wenn wir unser gesamtes Sein annehmen.
Egal wie wir es nennen: Intuition, Bauchgefühl, Weisungen unseres höheren Selbst, Gott - wir werden vor unglücklichen Umständen gewarnt... und sei es nur durch ein "komisches" Gefühl.
Gesegnete Woche für Dich, Gitte - und für alle Leser hier. Liebe Grüße von Monika
Von: Ridlitschki am 04.04.2011
Ein motivierender Newsletter für den Wochenstart: Der eigenen Intuition vertrauen und schauen, was dahinter steckt.

Eine schöne Woche intuitive Woche,
Rita
Von: Evelyn-Alice Baudisch am 04.04.2011
Liebe Gitte,
so genau auf den Punkt gebracht habe ich es noch nie wahrgenommen.Ab sofort werde ich einfach noch mehr auf die Zwischentöne hören.
Danke für den hilfreichen Newsletter
sonnige Inselgrüsse aus Mallorca
Life in Balance Team
Von: Sabine am 04.04.2011
Liebe Gitte,

danke für diesen Artikel - und danke vor allem, dass Du konkrete Anhaltspunkte/Gründe für "komisches Gefühl" genannt hast. So kann man tatsächlich erst mal fragen, was da konkret Magendrücken macht. Und oft kann man's dann ja auch festmachen.

Ich persönlich verlasse mich ungern auf das Bauchgefühl allein. Es gab auch schon Fälle, in denen es getrogen hat; in denen Kunden, bei denen ich zuerst skeptisch war, sich als sehr gute Geschäftskontakte herausgestellt haben. Aber oft merkt man sich nur die Fälle, in denen das Gefühl Recht behalten hat, und nimmt das dann als Bestätigung dafür, dass es "immer" richtig liegt - selektive Wahrnehmung eben.

Aber "Gefühl + Analyse" finde ich eine gute Kombination, und da finde ich Deinen Artikel sehr hilfreich!

Herzliche Grüße
Sabine
Von: Barbara Steldinger am 04.04.2011
Liebe Gitte,

Intuition ist etwas, das man gezielt trainieren kann. Wir Erwachsenen müssen meist relativ mühsam lernen, sie zu hören und ihr zu vertrauen. Eigentlich kommen wir damit gut ausgestattet auf die Welt. Wo sie uns in kürzester Zeit wieder abgewöhnt wird. Leider.

Kleine Kinder wissen ganz intuitiv was und wer ihnen gut tut. Sie sind zum Beispiel total klar und ehrlich, wenn sie die liebe "Tante" nicht anlachen wollen. Irgendetwas sagt ihnen, die ist (jetzt gerade) nicht gut für mich.

Das können die Erwachsenen natürlich nicht akzeptieren und so geht das los mit dem abgewöhnen, der eigenen Intuition zu vertrauen. Das Kind merkt, dass es etwas "falsch" gemacht hat. Mama ist es peinlich, wenn Kind die "Tante" ablehnt. Also redet Mama dem Kind gut zu, doch die Tante anzulachen. Die ist doch so lieb. Wenn das öfter so ist, traut sich Kind nicht mehr der eignen Intuition zu vertrauen.

Je größer wir werden, desto mehr passen wir uns an. Irgendwann als Erwachsene stellen wir dann fest, dass wir gar nicht wissen, was und wer wirklich gut für uns ist. Also auch welche Kunden oder Angebote koscher sind und welche nicht.

Und dann ist Intuition wecken und trainieren dran. Der Weg ist das Ziel wink
alles Liebe Barbara
Von: Anne Weller am 04.04.2011
Liebe Gitte,

danke für diesen Artikel zum Wochenbeginn.
Eine entsprechende negative Erfahrung habe ich auch zuletzt gemacht. Das war einerseits ärgerlich, andererseits glaube ich für mich, dass diese Erfahrung sehr wertvoll ist. Noch einmal wird mir das nämlich nicht passieren - da höre ich besser auf mein Bauchgefühl.

Und so ist alles immer gut für irgendwas.

In diesem Sinne eine schöne Woche!
Anne
Von: Martina Schäfer am 04.04.2011
Hallo Frau Härter,
vielen Dank für diesen tollen Artikel. Da haben Sie einen Punkt getroffen, an dem ich immer wieder arbeiten muss. Viel zu oft versucht der Kopf die innere Stimme zu beruhigen, egal, um welches Thema es dabei geht. Meine Intuition besser erkennen und dann auch wirklich darauf hören - beides Punkte, die in Zukunft ganz weit oben bei mir stehen werden. Denn leider fehlt mir hier auch Sicherheit, da so etwas wie "komisches Gefühl" oft als dummes Zeug abgetan und mir damit auch abtrainiert wurde.
Herzliche Grüße
Martina Schäfer
Von: Petra am 04.04.2011
Liebe Gitte,

wie Sabine finde ich es auch wichtig, ein ungutes Gefühl genauer zu betrachten. Ich hatte auch schon Fälle, in denen ich dachte, ich "müsste eigentlich" ein ungutes Gefühl haben. Beispielsweise wollte mal ein privater Kunde seine Adresse nicht nennen, dafür aber im Voraus bezahlen. Bei genauerem Hinsehen bezog sich das komische Gefühl einfach nur auf den ungewöhlichen Ablauf, sonst war alles okay.

Auf der anderen Seite habe ich letztes Jahr ein sehr lukratives Buchprojekt abgebrochen, weil die Texte des Autors voller Plagiate waren. Er hat zwar alles abgestritten, aber mein Gefühl war extrem ungut.

Daher finde ich vor allem deinen Hinweis sehr gut, eigene Richtlinien aufzustellen und sich daran zu halten. Beim nächsten Mal wird mir das sicher ein paar schlaflose Nächte ersparen.

Viele Grüße
Petra
Von: Antinéa am 04.04.2011
Liebe Gitte,

zu spät. Bin gerade genau in dieser Falle drin und muß da jetzt irgendwie durch. Der Kunde ist (zumindest in meinen Augen)sehr wichtig, aber die Verhandlungen sind mehr als anstrengend (sage ich, ich brauche den Vertrag auf die und die Art, bekomme ich ihn eben komplett anders etc.). Mir liegt viel an diesem Auftrag, aber dieser zusätzliche und vor allem unnötige Stress zehrt sehr an meiner Lebensqualität.
Beim nächsten Mal werde ich das ganz sicher ganz anders machen.

Viele Grüße

Antinéa
Von: Volkert Brammer am 04.04.2011
Hallo Gitte,

ja, auf das Bauchgefühl sollten wir öfter hören. Hat mich auch schon öfter vor schwierigen, manchmal unerfüllbaren Aufträgen gerettet. Beispielsweise wenn die Möhre vor den Augen so richtig saftig und süß war, die Versprechungen potenzieller Auftraggeber etwas suggerierten, was einfach nicht stimmig war. Dazu gehört für mich eben gerade nicht für lau zu arbeiten (und dann kommen die vieln Aufträge), keine Pseudoangebote abgeben und auch keine versteckten Aufträge bei Fortbildungen.
Gut, dass wir auch den Kopf haben, um manche Situation genauer anzuschauen und frei zu entscheiden, ob wir Aufträge annehmen oder nicht.

Außerdem fallen Aufträge, die wir besser nicht angenommen hätten, immer auf uns zurück. Im Extremfall haben wir nicht nur finanzielle Nachteile, sondern auch beschädigten Ruf.
Von: Gitte Härter am 05.04.2011
Hallo zusammen,

dankeschön für die vielfältigen Kommentare und Ergänzungen.

Wir werden immer wieder mal an Situationen kommen, wo man sich denkt "Mann! Hätte ich nur drauf gehört" ... weil wir oft dann doch wieder reintappen. Das ist so. grin Und so eicht man seine Antennen ja auch.

Und das Hinterfragen, das einige Male nochmal bestärkt wurde, ist ultrawichtig: Denn unser Bauchgefühl hat es eben auch in sich und wird oft auch von Unsicherheiten oder, wie schon genannt wurde, Ungewohntem beeinflusst.

Trotz allem: Der eine oder ander Griff ins Klo gehört einfach dazu ...

Viele Grüße
Gitte
Von: Matthias am 06.04.2011
Ich bin in mehreren Internaten aufgewachsen und in allen Berichten steht, dass ich sehr feine Antennen und einen messerscharfen Verstand habe. Heute als Erwachsener hat sich das nicht gross verändert. Doch als Kind hatte ich noch mehr Vertrauen auf die Innere Stimme. Als Erwachsener muss ich doch auch den Verstand benutzen, um mindestens nicht blauäugig in die falsche Richtung zu laufen.

Mit über 100 wechselnden Pädagogen und Kindern, hatte ich aber ein gutes Training in meiner Kindheit.
Von: Gitte Härter am 06.04.2011
Hallo Matthias,

das glaube ich, dass sich durch so viele wechselnde Kontakte die Menschenkenntnis - und damit die innere Stimme - geschärft hat! Das ist dann eine dieser positiven Eigenschaften, die sich aus nicht so guten Konstellationen ergeben und von denen man später profitieren kann.

Viele Grüße
Gitte
Von: oppermann am 07.04.2011
guter artikel, sehr hilfreich und die wieder gegebenen erfahrungen kann ich aus eigenem erleben nur bestätigen...für mich eine gute zusammenfasssung dessen, was ich in den letzten jahren immer wieder mal erleben durfte, danke
Von: Michaela Albrecht am 07.04.2011
Sehr schöner Artikel und sehr wahr.
Nachdem ich dieses Prinzip (das sich auch im kosmischen "Gesetz des Anfangs" wiederfindet) einige Male nicht beherzigt habe und natürlich auf die Brezel gefallen bin, achte ich jetzt immer ganz genau auf mein Gefühl beim Erstkontakt.
Alle, bei denen ich mich im ersten Telefonat nicht ganz wohl fühlte oder wo der erste Gesprächstermin vor Ort nicht ganz rund lief, entpuppten sich entweder als Querulanten, Zicken, Nichtzahler oder ähnliches.
Interessant ist: unter allen meinen Kunden (über 100) waren bisher nur fünf Raucher. Und mit vier (!) von diesen hatte ich später Probleme. Nicht bei allen Rauchern zeigte sich die "zwischenmenschliche Unverträglichkeit" schon beim ersten Telefonat. Mit der fünften rauchenden Kundin komme ich sehr gut zurecht, ich will also Raucher keinesfalls pauschal bewerten. ;-D

Ich stimme Volkert Brammer absolut zu: Es nützt nichts, tapfer zu sein und auch schwierige Kunden zu nehmen - denn meist hat man hinterher nur Nachteile. So groß kann der finanzielle Druck gar nicht sein.

 

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