Selbstmanagement

Ein Experiment mit erstaunlicher Wirkung

Ralf Senftleben • 22.06.2009 • email Weiterempfehlen

Ich möchte Ihnen heute über ein Experiment berichten, das erstaunliche Auswirkungen auf den Erfolg Ihrer Selbstständigkeit haben kann.
Die amerikanische Psychologin Sonja Lyubomirsky forscht im Bereich der positiven Psychologie. Und sie hat ein spannendes Forschungs-Experiment durchgeführt. Sie ließ ihre menschlichen Versuchskaninchen für einen Zeitraum von mehreren Wochen täglich über ihr ideales Leben schreiben, also das Leben, das die Teilnehmer in zwei bis drei Jahren führen würden, wenn sich alles perfekt entwickeln würde und einfach alles klappen würde, was die Teilnehmer anpacken. Eine nette Vorstellung, oder?

Und die Ergebnisse des Experiments waren ziemlich spektakulär. Nicht nur, dass ein großer Teil der Teilnehmer berichtete, sich schon während des Experiments positiver und optimistischer zu fühlen. Die langfristigen Ergebnisse des Experiments zeigten, dass viele Teilnehmer nach zwei bis drei Jahren ihr ideales Leben tatsächlich teilweise oder sogar komplett verwirklicht hatten.

Und viele der Teilnehmer berichteten, dass das einfach so passiert sei, ohne dass sie besonders hart daran gearbeitet hätten. Es waren einfach eine Menge Zufälle im Spiel, und sie waren oft nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Und wir reden hier nicht von dieser esoterischen „Bestellungen beim Universum“-Geschichte.

Die Ergebnisse stammen aus einem wissenschaftlichen Experiment der renommierten amerikanischen University of California, mit richtigen Wissenschaftlern und mit Tausenden von Teilnehmern.

Und warum ist das für Sie als Selbstständiger interessant?

Ganz einfach: Wenn das für viele Privatmenschen geklappt hat, warum soll das Gleiche dann nicht auch für Ihre Selbstständigkeit klappen?
Ich möchte Sie hier zu einer Reihe von Fragen einladen:

  • Wie sieht Ihre Selbstständigkeit in zwei bis drei Jahren aus, wenn sich bis dahin alles perfekt entwickelt hat, wenn Sie auch Glück hatten und wenn alles geklappt hat, was Sie anpackten?
  • Was würden Sie dann in zwei bis drei Jahren tun? Womit würden Sie sich beschäftigen?
  • Was würden Sie nicht mehr tun?
  • Woran genau würden Sie merken, dass Sie mit den Menschen zusammenarbeiten, die ideal für Sie sind?
  • Woran würden Sie merken, dass Ihre Arbeit wirklich Sinn macht und andere weiterbringt?
  • Woran würden Sie merken, dass Sie die perfekten Kunden haben?
  • Wie viel Profit pro Monat würden Sie machen?
  • Wie viel Geld hätten Sie auf dem Konto?
  • An welchen Kleinigkeiten würden Sie bemerken, dass Sie den idealen Arbeitsplatz haben und vom für Sie idealen Ort aus arbeiten?
  • Wie fühlen Sie sich an Ihrem idealen Arbeitstag?
  • Was wäre noch anders, wenn sich in den nächsten zwei bis drei Jahren einfach alles perfekt entwickeln würde?


Diese Fragen können einem beinahe ein bisschen Angst machen. grin Besser erst einmal tief durchatmen.

Wenn Sie sich diese Fragen einmal stellen und beantworten, dann ist das schon sehr nützlich, weil Sie so mehr Klarheit darüber bekommen, wo Sie hin möchten.

Aber wenn Sie sich diese Fragen öfters stellen würden,
und in den nächsten zwei bis drei Wochen öfters darüber schreiben würden,
vielleicht sogar alle zwei oder drei Tage,
oder vielleicht sogar täglich,
und wenn Sie das Bild Ihrer idealen Selbstständigkeit auf dem Papier immer weiter entwickeln würden,
dann könnte es gut sein,
dass diese perfekten Umstände
ganz wie von selbst in Ihr Leben treten.

Und plötzlich merken Sie dann vielleicht: Hey, ich lebe ja meine perfekte Selbstständigkeit.

Nicht schlecht, oder?

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Zamyat M. Klein am 22.06.2009
Wunder-, wunderbar! Das gefällt mir super. Und ich glaube es sofort!

Daher meine Frage:
weißt du etwas Genaueres, wie viel und wie lange sie jeden Tag geschrieben haben? (Bei den "Morgenseiten" von Cameron muss man beispielsweise 3 Din A 4 Seiten mit der Hand schreiben, bei der "Kläranlage des Geistes" von Birkenbihl 10 Minuten ohne Unterbrechung).

Und jedes Mal zu bestimmten Punkten (so dass man sich auch oft wiederholt) oder nur die Ergänzungen- und den Rest täglich lesen (wäre ja noch eine Variante- und erinnert an eine Methode aus dem "Leuchtturm-Prinzip zum "idealen Kunden").

Du siehst, ich bin nicht abgeneigt, auch ein solches Experiment zu machen.

Danke für konkrete Infos.
Zamyat
Von: Zamyat M. Klein am 22.06.2009
Nachtrag:
Und ich würde ruhig privates und berufliches mischen- darf sich ruhig in beiden Bereichen ideal entwickeln grin
Von: Georg Rittstieg am 22.06.2009
Danke Herr Sanftleben für diesen Artikel und die Veröffentlichung der Arbeit Lyubomirskys. Ich finde es so wichtig, auch wissenschaftliche Arbeiten zum Thema zu zeigen, sonst gerät manches Gute in diesem Bereich in die "Eso Ecke".

Zugegeben, früher hielt ich diese Art, schriftlich an meiner Zukunft zu arbeiten, für überflüssig, "reicht ja, wenn man es denkst und weiss...". Bis ich es schriftlich zu tun begann- eine riesiger und wertvoller, ja kraftvoller Unterschied!

DANKE!
Von: Ralf Hiltmann am 22.06.2009
Klasse Beispiel, bei dem sich mal wieder ganz deutlich zeigt, dass sich das realisiert, das am meisten Aufmerksamkeit bekommt. Und auch noch quasi nebenbei grin

Alles, was es nun noch braucht, ist die Ausdauer, über einen längeren Zeitraum hinweg zu schreiben. "Fördernd ist Beharrlichkeit", wie es schon im altehrwürdigen I-Ging heißt wink

Schöne Grüße, Ralf
Von: Zamyat M. Klein am 22.06.2009
Ja- und noch eine Anmerkung:

Ein groß Teil der Wirkung beruht ja auch darauf, dass man sich eben schon beim Schreiben in diesem positiven Zustand befindet. Wenn man sich also täglich darein versetzt, gibt das eine ganz andere Energie. Das ist die Grundlage jeder Form von mentalem oder positivem Denken (was auch nix mit Eso zu tun hat, sondern beim Sport ja schon lange Gang und Gäbe ist ((wird das so geschrieben??)).

Meine ersten Seiten sind geschrieben und ich fühle mich großartig! grin

Wenn mich etwas begeistert, setze ich es ja immer SOFORT um.
Von: Simone Happel am 22.06.2009
Lieber Ralf,
vielen Dank für diesen inspirierenden Artikel und ich glaube das Ergebnis dieses Experiments sofort. Auch ich habe sowohl mit dem Schreiben der Morgenseiten nach Julia Cameron als auch mit der Übung "der perfekte Tag" die ich immer mal wieder als Selbstmotivationsübung einbaue, sehr gute Erfahrungen gemacht. Da ich vor allem eine berufliche Änderung - in Richtung Selbständigkeit natürlich - anstrebe, werde ich gleich mal mein eigenes Versuchskaninchen und schreibe drauf los...
LG Simone
Von: Ralf Senftleben am 22.06.2009
Hallo Zamyat, soweit ich weiß, haben sie 20 Minuten täglich geschrieben. Wobei ein mehrstündiger Kick-Off-Workshop voranging, um die Idee zu erläutern.

Und die Leute haben das ideale Leben jeden Tag wieder neu formuliert, also immer wieder bei 0 angefangen.
Von: Zamyat M. Klein am 22.06.2009
Hallo Ralf,

Danke für deine Antwort- das hilft mir schon weiter grin.
Den Kick-Off WS mache ich dann mit mir selbst grin- aber ich habe ja schon losgelegt...
Von: Ralf Senftleben am 22.06.2009
Georg, ja, das kenne ich total. Schriftlichkeit macht einen großen Unterschied.

Ich merke sogar auch noch Unterschied zwischen

- am Computer schreiben
- mit der Hand schreiben

- Fließtext schreiben
- Listen schreiben
- Mind Maps machen

Und jedesmal kommen irgendwie andere Denkprozesse in Gang.

Coole Sache grin
Von: Ralf Senftleben am 22.06.2009
Ralf, ganz genau. Alles, was wir über einen längeren Zeitraum tun, erzeugt Wirkung in irgendeiner Form.

Man muss nur herausfinden, was eine "gute Wirkung" erzeugt.

Und die Dinge sein lassen, die eine "nicht so gute Wirkung" erzeugen.

grin
Von: Ralf Senftleben am 22.06.2009
Simone, viel Erfolg beim Schreiben und halte uns auf dem Laufenden, was dabei herauskommt.
Von: Fabian Raschke am 22.06.2009
Ich habe noch ein schönes Video mit einem Vortrag von der Professorin gefunden:
youtube.com/Sonja Lyubomirsky

(38 min.)
Von: Sonja M. Berndl am 22.06.2009
Das Ergebnis des Experiments lässt sich auch so erklären: Im Gehirn gibt es eine Region, die "Formatio reticularis". Die hat einen ganz besonderen Job. Wenn man sich ein konkretes Ziel vorstellt, dann scannt diese Gehirnregion die Umgebung darauf hin ab, ob etwas zur Zielerreichung dabei ist und hievt das dann in unser Bewusstsein, so dass wir es auch nicht übersehen und damit auf das Ziel hin arbeiten können. Unser "Wahrnehmungsfilter" wird sozusagen verändert.

Herzliche Grüße!
Sonja
Von: Hans-Gerd Staschewski am 22.06.2009
Zu dem Inhalt Eures Berichtes fiel mir beim Lesen ein Zitat ein das sinngemäß sagt:
"Du bekommst nicht, was Du willst.
Du bekommst, woran Du glaubst."

Schriftlich die eigene Wahrhaftigkeit pflegen, so meine Erfahrung, bringt mich häufig mit Glaubenssätzen in mir in Verbindung, die ganz schön quer zu meinen Plänen liegen.
Von: Norbert am 22.06.2009
Hallo, Ralf!

Klingt gut. Werde ich in der oben beschriebenen Weise für ein konkretes und weniger umfangreiches Ziel ausprobieren. Quasi als Praxistest, bevor ich mit größeren Ziele in dieser Weise beschäftige.

Herzliche Grüße
Norbert
Von: Zamyat M. Klein am 23.06.2009
Hallo Ralf,

noch eine Frage: weißt du, ob sie ihre bisherigen Notizen auch immer wieder oder hin und wieder gelesen haben, oder immer nur das neue geschrieben ohne jemals die alten Notizen zu lesen???

Ansonsten habe ich gerade ein fast magisches Erlebnis gehabt, was einfach zu schön ist, daher will ich es mit euch teilen.

Habe gestern ja gleich begeistert damit angefangen und auf deinen Tipp hin heute wieder völlig neu angefangen aufzuschreiben. Und merkte, wie mir dabei ganz neue Ideen und ein neues Thema kamen, die ich zukünftig anbiete.

Vor kurzem hatte ich eine Anfrage zu einem Seminar, was in die Richtung geht- und eben beim Schreiben tauchte es eben auf, dass ich das eigentlich total gerne ausbauen würde und dort auf alles zurück greifen kann, was ich in meinen vielen Ausbildungen und Wegen gelernt habe.

Und da klingelt das Telefon und die Auftraggeberin fragt nach einem zweiten Termin, da das erste Seminar in drei Tagen ausgebucht war.

Wenn das kein Zeichen ist!!
Von: Zamyat M. Klein am 23.06.2009
Ich schon wieder..

da das mit den Trackbacks bei mir nicht funktioniert:
ich habe in meinem Blog darüber geschrieben und natürlich hierher verlinkt

und zu einer gemeinsamen Aktion aufgerufen ähnlich wie Gitte hier zu WLB. Es hat mich wirklich gepackt!
Von: Frank Köpcke am 23.06.2009
Lieber Ralf, das werde ich bestimmt sofort ausprobieren, klingt einfach und passt zu meinem gegenwärtigen Lebensthema als "Neu-Anfänger".
Von: Peter M. Wiblishauser am 23.06.2009
Lieber Ralf,
vielen Dank für diesen tollen Artikel. Die Methode, dass man sich seine Ziele und Wünsche nur vorzustellen braucht, damit sie wirklich werden, ist ja bekannt. Aber dass man dazu endlich auch seriöse Untersuchungen macht, das hat gefehlt. Danke für den Hinweis.
Von: Susanne Melles am 24.06.2009
Von heute an werde ich jeden Abend 10 Minuten schreiben. Und dabei auch die von Ralf vorgeschlagenen Möglichkeiten wie Fließtext, Listen und Mind Maps nutzen. Ich habe mir ein dickes leeres Buch besorgt, in das ich alles handschriftlich eintragen werde.
Und als Unterstützung nehme ich das Yukon-Armband und die von Jörg Weisner beschriebene Methode aus seinem Buch "Erfolgreiche Gewohnheiten" zu Hilfe.
Von: Ralf Senftleben am 24.06.2009
Hallo an Euch alle und danke für Eure Gedanken.

Fabian, danke für den Link. Ich hatte vor einiger Zeit einen anderen Video von ihr gefunden, aber der ist irgendwie wieder verschwunden. Da waren noch mehr Details zum Experiment drin.


Sonja, das wäre auch ein Erklärungsmodell. Wobei es eben immer nur Modelle sind. Wie und warum so was funktioniert, das werden wir wohl nie genau wissen.


Hans, danke für das Zitat. Ich kenne das noch leicht anders:

"Du bekommst nicht, was Du willst,
sondern das, worauf du dich am meisten konzentrierst."

Zamyat, cool, dass du da voll eingestiegen bist. Ist wirklich ein tolles Experiment. Ich habe es auch schon 3 x für 21 Tage durchgeführt (Tipp, es wird besser, je öfter man es macht). Und danke für den Link.

Norbert, Susanne und Frank, viel Erfolg beim Experiment.

Peter, ja, das mit dem wissenschaftlichen Background war es, was ich auch so bemerkenswert fand.
Von: Monika Meurer am 24.06.2009
Hallo Ralf,

hast du mehr Informationen zu der Studie? Weißt Du wie sie heißt? Auf der Seite von der Psychologin gibt es viele Studien zum Download. Oder weißt Du wann das war?
Von: Ralf Senftleben am 24.06.2009
Monika, die Hauptinfo habe ich aus dem Buch "The how of happiness" von ihr. Und dann habe ich noch ein Video bei Youtube gefunden, in dem sie zu dem Experiment interviewt wurde. Musst du mal suchen.
Von: Zamyat M. Klein am 25.06.2009
Hallo Ralf,

noch zwei konkrete Fragen:

haben sie das, was sie geschrieben haben, zwischendurch auch immer wieder mal gelesen (in einem bestimmten Rhythmus)?

Wie ging es dir:hast du da auch öfter "das Gleiche" geschrieben, oder kam immer was Neues? Macht das was, wenn man sich wiederholt- oder im Gegenteil, bestärkt das die Kraft, die darin steckt?

Danke für die Antworten.

Zamyat
Von: Karin am 30.06.2009
Liebe Leser,

ich finde dieses Experiment auf prima und es hat große Ähnlichkeit mit Hai-pu-le, einen neuen Traum ins Dasein bringen von Serge Kahili King im Buch „der Stadtschamane” beschrieben. Es ist eine Technik der Hawaiianischen Huna, die es schafften große Fischschwärme mit ihrer Imagination im Meer aufzuspüren.

Liebe Grüße
Karin
Von: Frank Köpcke am 30.06.2009
Habe heute wieder 20 Minuten geschrieben. Die Vision wird langsam klar. Beim Schreiben verarbeite ich tagesaktuelle Themen und neue Kontakte gleich mit. Sehr inspirierend. Bin schon gespannt auf die weitere Entwicklung.
Von: Diana Krüger am 09.09.2009
Hallo Ralf,
ganz vielen Dank für diese Fragen.
(Ich versüße mein Leben seit vielen Jahren mit Hilfe solcher Fragen, die mir konkrete Antworten abfordern.)
Bisher schreib ich darauf ca. jeden dritten oder vierten Tag, zu mehr kann ich mich noch nicht aufraffen, da ich es dann als Pflicht empfinde - also lass ich's lieber.
Doch langsam und sicher spüre ich, wie sehr mir diese Fragen Unterstützung sind.
Vielen wird es derweil bestimmt ähnlich gehen. ... es beginnt zu wirken ...
Sonnige Ostseegrüße
Diana
Von: Ralf Senftleben am 09.09.2009
Diana, prima, meinen Respekt, dass du das regelmäßig machst. Ich komme immer mehr dazu, dass der Schlüssel für Erfolg (privat + im Business), Glück und Zufriedenheit in unseren Gewohnheiten liegt. Und das ist eine richtig gute Gewohnheit.

 

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