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Dinge, die Sie nicht tun sollten: „An alle“ im Adressbuch schicken

Gitte Härter • 05.08.2010 • email Weiterempfehlen

Einladungen zu Social Networks, irgendwelche ach-so-lustigen Dateien, Spendenaufrufe, Kettenbriefe, Werbebriefe, Ihr Newsletter, selbst Umzugsnachrichten: Wenn Sie versucht sind, „an alle im Adressbuch“ zu mailen, dann halten Sie bitte inne und denken nochmal kurz nach:

  • Ist diese Nachricht wirklich für alle EMPFÄNGER relevant? Also nicht aus Ihrer, sondern aus deren Sicht.
  • Ist Ihr Adressbuch wirklich so up-to-date, dass nur die Leute drin sind, mit denen Sie einen entsprechenden Kontakt haben oder sind da nicht doch viele Leute drin, die Sie automatisch eingetragen haben, mit denen Sie seit langem schon keinen Kontakt haben?
  • Lassen Sie gerade von irgendeiner Plattform Ihr lokales Adressverzeichnis durchforsten oder geben sogar die Daten an diesen Anbieter damit weiter?

... und das ist noch nicht alles:

  • Ist es sinnvoll, an alle Adressaten diese E-Mail zu schicken? Da sind Leute drin, die Sie duzen und die jetzt eine Sie-Nachricht bekommen (oder umgekehrt)?
  • Seriennachrichten werden viel weniger – oder überhaupt nicht – beachtet. Ich lösche beispielsweise Seriennachrichten fast ausnahmlos ohne sie groß zu beachten. Wenn es Leute sind, die ich besser kenne, ärgere ich mich zusätzlich darüber.
  • Gehören Sie zu den Leuten, die gerne mal E-Mails „an alle“ verschicken oder weiterleiten und das auch noch mit offenem Verteiler tun? Sprich: Jeder Adressat ist für alle lesbar, was dem Datenschutz entgegensteht, Tür und Tor für Spam öffnet und zudem E-Mails unlesbar werden lässt, wenn man erstmal 300 Mailadressen runterscrollen muss.

Die Konsequenzen, die Konsequenzen

Nachrichten an alle sind meistens ein Ärgernis.

Leute, die mich ständig damit beballern, kommen auf meine schwarze Liste. Es gibt auch einige Geschäftskontakte, die mir ganz überzeugend erschienen, deren ständige Werbemails oder Social Networking-Getöse („XY hat sie auf Facebook eingeladen.“, „XY will aber jetzt wirklich, dass Sie mal zu Facebook kommen!“, „Hier ist die siebte Erinnerung von Herrn XY. Sie waren ja noch immer nicht auf Facebook!!“) dazu geführt hat, dass ich sie sogar in den Spamfilter eintragen musste. Ganz abgesehen davon, dass ich auf diese Weise den Namen in äußerst schlechter Erinnerung behalte. Könnte egal sein? Stimmt. Andererseits bin ich jemand, der gerne weiterempfiehlt und so einige Leute, die ich nur übers Internet kenne, durch meine Empfehlung immer wieder Aufträge erhalten.

Aber auch Umzugsnachrichten von Leuten, mit denen ich seit Jahren nichts mehr zu tun habe, belästigen mich.

Besonders diese Newslettergeschichte kann ich nicht oft genug wiederholen: Ja, es ist mühsam, einen Newsletterverteiler aufzubauen. Aber Leute, die Ihren Newsletter abonniert haben, weil sie ihn wollen, nützen Ihnen sehr viel mehr als die Abkürzung zu gehen, jeden, der sich in Ihrem Adressbuch befindet, einfach ungefragt damit zu beglücken. Ganz abgesehen davon, dass Sie rechtlich Probleme bekommen können.

Die Botschaft soll doch ankommen!

Auch wenn ich gerade motze, bin ich nicht die einzige, die genervt auf diesen zusätzlichen – oft ätzenderweise regelmäßigen - Mailmüll „an alle“ reagiert.

Es gilt bei E-Mails genauso wie bei normalen Briefen: Ihre Botschaft kommt viel mehr an, wenn Sie sich die Mühe machen, sie differenziert zu verschicken. Das kostet ein wenig mehr Arbeit, das stimmt. Aber die Trefferquote ist höher (und Sie vermeiden es, Ihr Image zu beschädigen).

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Barbara Steldinger am 09.08.2010
Liebe Gitte,

das ist wirklich ein Ärgernis, da hast du mal wieder recht. Ich bekam letztens solch eine Mail an alle, der mit den Worten begann "Liebe Trainerin". Ich arbeite bloß schon seit 15 Jahren für diesen Bildungsträger...

Da habe ich mich auch richtig geärgert und die Einladung "an alle" gleich verärgert gelöscht.

Und noch ein Beispiel für die offenen Verteiler. Da hat ein Magazin seine Abonnenten angemailt, mich auch und alle unter CC. Das war fein, 596 Adressen!

Da kann man doch nur von menschlicher Dummheit ausgehen.

Verteiler aufbauen ist richtig viel Arbeit. Ich habe einen kleinen, aber sehr feinen Verteiler. Fast alle darin sind mir irgendwie bekannt, meist weil sie meinen Newsletter wollten oder aus Seminaren etc. Und ich finde, so soll es auch sein.

Also raus mit den "an Alle Mailern"!

liebe Sommergrüße
Barbara
Von: Rena Berger am 23.08.2010
Hallo Gitte,

darüber hab ich mich seit Jahren aufgeregt und auch manche regelrecht "angepfiffen". Gut, dadurch hatte ich ein paar Leute weniger, die mich kannten/mochten. Aber das war mir egal. Ich will keinerlei Massenmail aus irgendeinem Verteiler, nur weil grad mal wieder "Weihnachten/Ostern/Pfingsten" ist.

Gut, das du darüber schreibst.. danke

LG Rena
Von: Gitte Härter am 25.08.2010
Das stimmt, Barbara: in so einem Fall ärgert man sich zudem so richtig! Abgesehen davon, dass man den Inhalt nicht aufmerksam wahrnimmt, fühlt man sich so richtig nicht beachtet.

Hier höre ich dann immer wieder das Argument: "Ach, das ist aber viel zu viel Arbeit!" - Ist es nicht. Es ist etwas mehr Arbeit und es erfordert manchmal einen schlaueren Aufbau seines Verteilers, aber es lohnt sich ganz enorm.

Denn man bekommt zudem ja auch Gelegenheit für einen schönen Einzelkontakt. Ich mache das beispielsweise immer, wenn ein neues Buch rauskommt. Statt einen allgemeinen Journalisten-Verteiler anzuschreiben, schreibe ich allen meinen Journalisten (und das sind über die Jahre viele geworden) eine eigene E-Mail. Da gibt es dann einen Textbaustein-Absatz mit Infos zum neuen Buch, aber die Intro und den Schluss schreibe ich bei jeder E-Mail selbst. So kann ich der unterschiedlich guten Beziehung Rechnung tragen, mich auf den letzten Kontakt beziehen, beim einen oder anderen was fragen (etwa, wenn mir jemand erzählt, dass er in eine andere Stadt zieht). Das macht die Mails für den Empfänger - und für mich - sehr viel schöner und bringen noch mehr als die reine Botschaft, die ich rüberbringen will. Plus: Ich habe eine größere Resonanz und den Kontakt durch diesen Anlass wieder aktiviert oder gestärkt. Das macht auch selbst viel mehr Freude.

"Verteiler aufbauen ist richtig viel Arbeit." - Ganz genau! Und die lohnt sich dann auch.


@Rena: "Ich will keinerlei Massenmail aus irgendeinem Verteiler, nur weil grad mal wieder 'Weihnachten/Ostern/Pfingsten' ist." - Das geht mir wie Dir! Diese Fehlannahme, dass man irgendwelche Allgemeinseriengrüße verschicken müsste ist echt enorm. Ich rege mich immer total darüber auf.

Das Lustige bei diesen Anlässen ist ja: die großen "anonymen" Unternehmen verschicken auch Seriengrüße, aber bekommen es hin, dass die Ansprache persönlicher ist als die von kleinen Unternehmen. Einfach, weil sie sensibler mit dem "Prinzip" Formulierungen und Adressierung umgehen.

Dass Du den Leuten sagst: "Ich will das gar nicht haben" finde ich auch wichtig. Zum einen verringerst Du den Müll in Deinem Posteingang, zum anderen a) erfahren die Empfänger, dass es in dieser Form nicht bei jedem gut ankommt und b) Du verhinderst, dass Dich der Empfänger wieder und wieder verärgert.

Einen schönen Tag
Gitte

 

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