Erfolgsprinzipien

Die wichtigsten zwei Stunden im Monat

Ralf Senftleben • 16.09.2008 • email Weiterempfehlen

Ich habe es in der Vergangenheit nicht selten erlebt, dass mir bekannte Selbstständige ihr Business mit schlafwandlerischer Sicherheit gegen die Wand gefahren haben. Oder sie dümpeln auf einem Niveau herum, in dem sie sich selbst ausbeuten, sie arbeiten viel für wenig Geld und kommen gerade mal so zurecht.

Von außen betrachtet, kann man oft klar sehen, was nicht stimmt. Nicht wettbewerbsfähige Leistungen, kein Alleinstellungsmerkmal, verzetteln in Unwichtigem, tanzen auf zu vielen Hochzeiten, nicht genug Einsatz für die Akquise. Es sind ja meistens die gleichen Probleme, die wir alle haben. Und du gibst vorsichtige Hinweise, was nicht stimmen könnte und die Leute nicken ernst … und machen weiter, wie bisher.

Es ist meistens gar nicht so schwer, das Ruder herumzureißen. Aber wenn man selbst in seinem Arbeitsalltag und in seinen Automatismen gefangen ist, dann tut man das, was man auch gestern getan hat. Und wenn mein Verhalten von gestern mein Business nicht vorangebracht hat, dann wird es das auch heute nicht tun.

Diese Automatismen, in denen wir gefangen sind… das ist in meinen Augen eines der größten Probleme, warum Menschen mit ihrer Selbstständigkeit oft nicht auf die Füße kommen. Wir tun eben, was wir (automatisch) tun, egal ob es uns weiter bringt oder nicht. Genau deswegen bekommen viele Manager in Japan eine ZEN-Ausbildung, weil sie da lernen, ihre Automatismen zu durchbrechen.

Dabei bräuchten wir uns nur einmal im Monat hinzusetzen, uns aus dem Tagesgeschäft lösen und mit einem gewissen Abstand ein paar kritische Fragen zu unserem Geschäft stellen:

  • Wie gut verkaufen sich meine Produkte und Leistungen? Was ist das größte Problem, das ich mit meinen Leistungen / Produkten im Augenblick habe? Was könnte ich alles tun, um das Problem zu lösen? Was ist die vielversprechendste Möglichkeit? Bis wann innerhalb der nächsten 30 Tage habe ich die Möglichkeit umgesetzt?

  • Was tue ich für die Auftrags-/Kundengewinnung? Wie gut funktioniert das, was ich tue? Was ist das größte Problem, das ich im Augenblick im Bereich Auftrags-/Kundengewinnung habe? Was könnte ich in der Auftrags-/Kundengewinnung noch besser machen? Was ist die vielversprechendste Verbesserungs-Möglichkeit? Bis wann innerhalb der nächsten 30 Tage habe ich die Möglichkeit umgesetzt?

  • Wie läuft mein Selbstmanagement? Was ist das größte Problem, das ich im Augenblick im Bereich Selbstorganisation habe? Was könnte ich alles verbessern? Was ist die vielversprechendste Verbesserungs-Möglichkeit? Bis wann innerhalb der nächsten 30 Tage habe ich die Möglichkeit umgesetzt?

Aber dieses "sich mal ruhig hinsetzen und nachdenken", das scheint vielen schwer zu fallen. Ja, müsste ich mal … mach ich morgen … mach ich morgen … mach ich morgen. Schade …

Einmal im Monat ein oder zwei Stunden ganz in Ruhe hinsetzen. Irgendwo, wo sie nicht abgelenkt sind. Oder in einem Café, wo Sie niemand kennt. Oder im Sommer auf einer Parkbank im Grünen. Und sich dann diese Fragen stellen.

Diese zwei Stunden im Monat könnten die zwei Stunden sein, die den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen. Bei mir persönlich haben sie es jedenfalls getan.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Frank Obels am 16.09.2008
Ergänzend zu Ihren Punkten frage ich mich:
Und was von meinen augenblicklichen Tätigkeiten bringt mir die meiste/wenigste Freude?

Ich habe häufig erlebt (auch bei mir selbst), dass es auch ein Energieproblem ist, wenn es nicht so läuft, wie es laufen könnte.

Die 2 Stunden "sich Zeit nehmen" halte ich für absolut wichtig. Ich schaue halt zusätzlich noch nach den Energieräubern (Spassräubern) und versuche die Freudebringer zu verstärken grin

Beste Grüsse

Frank Obels
Von: Norbert am 16.09.2008
Hallo, Ralf!

Du läßt Deine drei Fragenkomplexe jeweils mit der Frage "Bis wann innerhalb der nächsten 30 Tage habe ich die Möglichkeit umgesetzt?" enden.

Ich denke, genau hier ist auch ein wichtiger Grund zu erkennen, warum Pläne oftmals nur Pläne bleiben. Ich kann mir in den monatlichen zwei Stunden die schönsten Gedanken zu den von Dir formulierten Fragen notieren, aber wenn ich nicht deren Umsetzung plane, bleibt es bei den schönen Gedanken.

Irgendwo habe ich vor einiger Zeit den sinngemäßen Satz gelesen, wonach Ziele Ideen sind, die mit einem Termin versehen wurden. Somit benötigt man also klar definierte Zeitpunkte, zu denen eine Aufgabe oder ein Projekt beginnt und letztlich endet, wenn aus der Idee Realität werden soll.

Es gibt ja die Theorie, daß alles, was man nicht innerhalb von 72 Stunden beginnt, niemals begonnen, geschweige denn umgesetzt wird. Ein erster wichtiger Schritt hierzu kann schon sein, die Aufgabe zu definieren und zu terminieren.

Weiter schreibst Du, daß "diese Automatismen, in denen wir gefangen sind… (...) eines der größten Probleme (sind), warum Menschen mit ihrer Selbstständigkeit oft nicht auf die Füße kommen."

Routinen und Automatismen geben nun einmal vermeintliche Sicherheit. Was liegt also näher, als hierin zu verharren? Oftmals braucht man eben einen Außenstehenden, der einem sagt, daß Lokomobile nur noch Museumswert haben, da sich die Ansprüche der Autofahrer so gaaaaanz geringfügig geändert haben.

Nach dem Motto: "Nee, du, is' schon 'ne ganz dolle Sache das mit allesfressenden Lokomobil, du. Aber wie wär's denn jetzt mal mit 'nem geräuscharmen Fahrzeug, das auch ganz locker in kleine Parklücken paßt?"

Herzliche Grüße
Norbert
Von: Ralf Senftleben am 16.09.2008
Frank, das ist auch eine gute Frage.

Wobei ich glaube, dass sich viele Selbstständigen auch zu sehr auf die Freude konzentrieren, auf Kosten der eher ungeliebten Aufgaben, die aber auch getan werden müssen (Finanzen, Akquise, Planung, Kundenpflege).

Manchmal gibt es in meinen Augen im Geschäftsalltag Kröten, die wir schlucken müssen. Kann natürlich auch nur ein Glaubenssatz sein grin Aber ehrlich gesagt, kenne ich keine erfolgreichen Selbstständigen, die

a) nicht entweder diszipliniert das tun, was eben getan werden muss

oder b) dafür sorgen, dass ein anderer für sie tut, was getan werden muss (Outsourcing oder Delegieren)

Klingt ein bisschen calvinistisch, aber so beobachte ich das in der Welt.

Wobei: (b) ist für mich die schlauere Variante, weil wenn ich mich zu etwas zwingen muss, was mir keinen Spaß macht, werde ich da wahrscheinlich nie besonders gut sein.

Ich würde deine Frage deswegen noch ergänzen:

* Wie kann ich ungeliebte, aber notwendige Tätigkeiten so (um)gestalten, dass ich daran Freude habe?

* Wie kann ich eine Fun-Komponente in die ungeliebtenTätigkeiten einbauen?

* Wie kann ich dafür sorgen, Energieräuber-Tätigkeiten an andere Menschen zu delegieren, die mehr Spaß daran haben und die Aufgabe besser erledigen, als ich?
Von: Ralf Senftleben am 16.09.2008
Norbert, genau... so ist das mit den 30 Tagen gemeint. Ich habe neulich in einem Selbstlernkurs eines amerikanischen Unternehmers gelesen, dass eine wesentliche Erfolgseigenschaft erfolgreicher Unternehmer die Fähigkeit ist, neues Wissen, Ideen und Erkennntnisse zeitnah in die Tat umzusetzen.
Von: Petra Schuseil am 22.09.2008
Lieber Ralf Senftleben, vielen Dank für diesen Beitrag, den ich gerne gelesen habe. Genau diese 2 Stunden im Monat sind wichtig, um sich z.B. Ihre Fragen zu beantworten und für sich zu klären, was steht jetzt an, was ist der nächste Schritt .... Ich plädiere hier in Hong Kong mit dem Motto "If you are in a hurry take an elephant ride" (Wenn Du es eilig hast, setz Dich auf einen Elefantenrücken) ... inne-halten, nachdenken, To do`s definieren und dann in die Tat umsetzen ... Und das dann in dem Tempo, das für jeden paßt. Herzliche Grüße aus dem fernen Osten am heutigen Herbstbeginn. Petra Schuseil
Von: Marius Furche am 23.09.2008
Hallo Ralf, vielen Dank für diese kritischen Fragen. Zufällig habe ich heute zwei Stunden Zeit, die ich nutzen werde.
Viele Grüße von Mariu.
Von: Barbara Steldinger am 26.09.2008
Genau. Wer immer auf den gleichen Wegen wandelt, wird auch immer zu denselben Orten kommen. Das wusste schon Goethe und da ist viel Wahres dran. Aus den eingefahrenen Denkrillen rauszukommen gehört wohl zu den größten Herausforderungen für alle, aber für Selbständige ist es wirklich existenziell. Ich erwische mich auch immer wieder, dass ich das Prinzip Hoffnung überstrapaziere und zu lange warte, bis ich was Neues ausprobiere. Da kommt so ein Anstups, wie der von dir, lieber Ralf, ganz passend grin, danke.

 

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