Die Sache mit den Zügeln
Ich bin noch nie geritten. Aber das muss auch gar nicht sein, um sich vorzustellen, was passiert – oder nicht passiert – wenn man sich einfach auf ein Pferd setzt und nichts mit den Zügeln macht. Mit der Selbstständigkeit ist es ganz genauso.
Besonders jetzt zum Jahresbeginn, wo viele die Gelegenheit genutzt haben, zurückzuschauen und sich Ziele für das aktuelle Jahr setzen, ist die perfekte Gelegenheit, sich einmal Gedanken zu machen, wie hoch Ihr Steuer-Faktor tatsächlich ist.
Bestimmt kennen Sie aus dem Deutschunterricht noch den Satz “Aktiv statt Passiv”. Das ist der beste Grundsatz für jede/n Selbstständige/n!
Wie aktiv lenken Sie Ihr Business?
Ich behaupte jetzt einfach mal, dass das Reagieren die größte Bremse für ein Business ist:
- Diejenigen, die gerade frisch anfangen, und auch die, die gerade in einer Krise stecken, weil es gerade nicht so läuft, wissen oft nicht, was tun – oder sind zu demotiviert (Selbstlernkurs Wenn die Selbstständigkeit belastet - und wie Sie da raus kommen!)
- Wenn Ihr Business gut läuft, steht der Alltag im Vordergrund: Immer ist etwas zu tun, da bleibt das strategische Voranbringen des Unternehmens oft auf der Strecke. Aber ein erfolgreiches Unternehmen ist nicht einfach ein arbeitsreiches Unternehmen.
Die Kernfrage ist nicht immer nur die Auftragslage, sondern es geht um die qualitative Betrachtung auf mehreren Ebenen: Führe ich mein Unternehmen in die Richtung, in die ICH es haben möchte?
Nützlich dafür ist beispielsweise eine Trendanalyse, für die Sie die Kernfaktoren, die Ihnen wichtig sind, auf einen längeren Zeitraum hin fest im Auge behalten: Geht der Trend nach oben oder unten?
Nachher, wenn Sie ein kurzes Kaffeepäuschen machen, überlegen Sie doch einfach mal: Wie aktiv lenke ich mein Business eigentlich? Bin ich vorausschauend? Schaffe ich Leistungen ab, die mir gar keinen Spaß mehr machen? Schaue ich mich nach lukrativeren Kunden um, weil ich weiß, dass ich mit meiner jetzigen Kundenstruktur auf Dauer auf keinen grünen Zweig komme – oder ist ein weiteres Jahr rumgegangen, wo ich mir das zwar GEDACHT, aber nichts dafür getan habe, dass sich das ändern kann?
Das andere Extrem?
Und dann gibt’s natürlich das andere Extrem: Die Kontrollettis, die die Zügel viel zu stark und krampfig in der Hand halten:
- Die sich nichts von anderen sagen lassen, weil sie irgendwie immer alles besser wissen ... Was dann völlig in Ordnung ist, wenn Ihnen der Erfolg recht gibt.
- Die sich so heftig an potenzielle Kunden ranwanzen, dass diese trotz Interesses dankend abwinken.
- Die neuen Ideen und Marketingaktionen gar nicht die Möglichkeit geben, Ergebnisse zu zeigen, weil sie sofort wieder alles ändern oder abblasen, wenn sich der Erfolg nicht jetzt gleich einstellt.
- Die von sich selbst Unmögliches verlangen, zum Beispiel nach Lektüre eines Buches von 0 auf 100 superversiert zu akquirieren.
Das Beste an der Selbstständigkeit ist die Freiheit. Und das ist gleichzeitig nicht immer so einfach. Für unser Buch “Zweite Chance Traumjob” habe ich seinerzeit einige Selbstständige gefragt, was sie besonders positiv und was als negativ empfinden. Zwei der Befragten brachten unabhängig voneinander den gleichen Punkt sowohl auf der Positiv-, als auch auf der Negativseite an:
Meine Entwicklung kann/muss ich selbst steuern.
Ich trage die volle Verantwortung für meine Arbeit und meine Freizeit.
Mit schleifenden Zügeln gelingt das nicht.
Damit Sie konsequent drandenken erweitere ich den Newsletter dieses Jahr um eine wöchentliche Aufgabe: eine Kleinigkeit, die Sie jeweils erledigen können, oder sie als Erinnerung nehmen, irgendetwas anderes in der laufenden Woche umzusetzen, das Ihr Business voranbringt.
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Anmerkungen & Kommentare
Ich bin platt! Warum? Ich sitze hier und schreibe gerade eine Antwort auf die Frage eines Pferdebesitzers: Fresslob ja oder nein?
Zwischendurch schaue ich auf meinen Posteingang, und siehe da, eine Mail von Ihnen:" Die Sache mit den Zügeln!"
Sie Schreiben,Sie sind noch nicht geritten. Wissen Sie was? Sie Wissen über das Reiten mehr, als so mancher Reiter oder Reiterin!
Ich kann da nur Ihnen und Anne Beipflichten.Falls Sie Anne schon mit dem Pferdevirus infiziert hat, dann sind
Sie bei Ihr in besten Händen.
Alles, was Sie auf Unternehmenskick
schreiben,ist mir eine große Hilfe.
Danke Ihnen!
Schöne Grüße vom Starnberger See.
Johnny Malle.
Und wenn sie doch einmal zu lang gelassen wurden, schnell und gelassen wieder aufnehmen.
Viele Grüße,
Silke
Ob ich meine Selbständigkeit auch eines Tages so meistere?
dankeschön für die vielseitigen Kommentare. Diesmal habe ich sehr gelacht, denn offenbar haben sich auf diesen Artikel nur ReiterInnen gemeldet - ich habe auch per E-Mail noch drei Kommentare erhalten.
Zu erwähnen ist, dass mir gesagt wurde, dass meine Analogie hinkt und am besten wohl noch aufs Kutschieren passt. Denn das Reiten ist natürlich komplexer und mir wurde auch gesagt, dass man sehr wohl auch völlig ohne Zügel reiten kann.
Auch - und vermutlich besonders dann! - gilt meine beabsichtigte Grundaussage: als ReiterIn ist man die Person, die weiß, wo sie hin will und was sie erreichen möchte ... und das dann zielgerichtet steuert. Sie behält die Zügel in der Hand (ob mit oder ohne Zügel) ...
Ein schönes Wochenende
Gitte
im Prinzip gilt wohl das alte Prinzip:-):
Das Geschäft konsequent und kontinuierlich führen. Der Vergleich mit den Zügeln hinkt ein wenig, denn auch bei den klassischen Reitweisen wird er ab und zu nachgegeben - damit das Tier sich strecken kann. Und andere Reitweisen halten die Zügel eher locker und vertrauen nicht nur auf körperliche Gewichtsverlagerung, Stimme, Vertrauen und entsprechende Zäumung (sowohl mit als auch ohne Gebiss für die Reiter hier:-) ).
Übertragen auf Unternehmenskick könnte man sagen: "Reite" dein Business ganzheitlich, mit Kopf, Herz und Hand. Und steig ab, wenn das Pferd taumelt und geh zu Fuß weiter.
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Gitte Härter •
es wird dich nicht überraschen, dass ich heute antworte. Natürlich fühle ich mich sofort von deinem Artikel angesprochen - eben weil ich sehr stark mit Pferden verbunden bin und sie für meine Trainings einsetze, um auf solcherlei Parallelen bewusst machen.
Auch ohne je auf einem Pferd gesessen zu haben, bringst du die Parallelen zu schleifenden / fest umklammerten / richtungsweisenden Zügeln sehr gut auf den Punkt.
Ich möchte eine weitere Parallele hinzufügen: man kann es lernen, mit den Zügeln umzugehen. Als Reitanfänger hat man so viel mit seiner eigenen Körperkoordination zu tun, dass die Zügel manchmal auf der Strecke bleiben. Es poltert, man gerät ins Schwanken, aus Versehen zerrt man an den Zügeln und prompt geht es in die falsche Richtung.
Hier ist die Achtsamkeit wichtig: Ich bin es ja, der gelenkt hat. Ich war aber abgelenkt und habe die mir zur Verfügung stehenden Mittel nicht genutzt, um an mein Ziel zu kommen. Moment mal, hatte ich mir überhaupt ein Ziel gesetzt?
Eine Reflexion des eigenen Verhaltens, wie es Gitte für die Kaffeepause vorschlägt, sollte auch meiner Meinung nach immer Mal wieder eingelegt werden.
Danke Gitte, für deine immer wieder erfrischenden Artikel
Viele Grüße,
Anne Goldammer