Erfolgsprinzipien

Die Probleme fangen immer an, wenn …

Ralf Senftleben • 30.03.2009 • email Weiterempfehlen

Vor Kurzem habe ich einem Freund am Telefon von einem Problem erzählt, das mich im Augenblick sehr beschäftigt. Nachdem ich meine Herausforderung geschildert hatte, hörte ich für zehn Sekunden Stille, und dann sagte er zu mir:

„Weißt du, Ralf, das kenne ich auch. Die Probleme fangen eben immer dann an, wenn du versuchst, jemand zu sein, der du nicht bist.“

Zehn Sekunden Stille auf meiner Seite. Ouch. Mitten ins Herz getroffen.

Versuchen, jemand zu sein, der ich nicht bin. Das genau war das Problem.

Ich will Sie hier nicht mit Einzelheiten langweilen, aber diese Erkenntnis hat mir dabei geholfen, mein Problem sehr zügig aufzulösen.

Versuchen Sie auch manchmal, jemand zu sein, der Sie eigentlich nicht wirklich sind? Wenn ja, dann sind sie nicht alleine. Wenn ich mich umschaue, dann ist die Welt der Selbstständigen voll von Menschen, die versuchen, jemand anderes zu sein.

  • Da ist zum Beispiel der eigentlich schüchterne Beratungs-Experte, der jeden Tag ein schlechtes Gewissen hat, weil er seine Telefonakquise vernachlässigt. Er wäre gerne souverän und locker am Telefon. Und er hat schon zehn Bücher darüber gelesen und drei Seminare besucht. Aber er ist es einfach nicht.

  • Oder da gibt es den erfolgreichen Unternehmer, der um weiter zu wachsen Mitarbeiter einstellt und versucht, ein guter Chef zu sein, obwohl seine Stärken eindeutig nicht im Bereich Menschenführung liegen.

  • Oder es gibt den Freiberufler, der seine Kunden hauptsächlich in Großunternehmen hat, obwohl er sich unterschwellig in diesem durch Schlips und Kragen und Büropolitik geprägten Bereich sehr unwohl fühlt. Er lächelt viel, gibt sich souverän und kommt auch gut rüber. Aber er kommt sich die ganze Zeit ein bisschen wie ein Betrüger vor, weil er weiß: Die Person, die ich den Leuten hier zeige, das bin nicht ich.

All diese Beispiele haben eines gemeinsam. Wir denken aus irgendwelchen Gründen, wir müssten etwas tun oder etwas sein, obwohl wir es nicht tun wollen oder nicht sind. Und dann fangen eben irgendwann die Probleme an.

Ich fahre dann zum Beispiel die ganze Zeit mit angezogener Handbremse, habe häufig Selbstzweifel und ein ständiges, unterschwelliges schlechtes Gewissen und bin unzufrieden mit mir, weil ich meinen eigenen Ansprüchen nicht genüge.

Ich denke dann vielleicht in den Beispielen von oben:

  • „Ich sollte endlich meine be* Telefonakquise machen. Das ist doch nicht so schwer. Stell dich doch nicht so dämlich an …“

  • „Ich bin echt unfähig, es ist doch nicht so schwer, Menschen zu führen. Aber ich kriege nicht mal die einfachsten Führungsprinzipien umgesetzt. Und du willst ein Unternehmer sein?“

  • „Ich kann diese verlogenen Schlipstypen nicht mehr sehen. Und ich weiß, ich sollte sie mehr wertschätzen, weil sie meine Existenz sichern.“

Das heißt, ich mache mich selbst fertig, hadere mit meinem Schicksal und verschwende Kraft. Und das, weil ich jemand sein will, der ich nicht bin.

Manchmal fange ich in solchen Situationen sogar an, anderen die Schuld zuzuweisen. Dann sind auf einmal meine Kunden schuld, die Konkurrenz hat keine Moral, meine Mitarbeiter sind unfähig und die Welt der Großunternehmen ist nur noch verlogen. Wenn wir so reagieren, dann wird es ganz schwierig, weil wir dann die Lösung da draußen bei den anderen suchen und sie dort natürlich nicht finden, weil das Problem in uns selbst steckt.

O.k. … das ist das Problem. Was ist nun aber die Lösung?

Der erste Schritt ist natürlich, erst einmal zu erkennen, in welchen konkreten Bereichen ich versuche, jemand zu sein, der ich nicht bin. Dazu muss man sich erst einmal ein bisschen mit sich selbst auseinandersetzen. Stichwort Selbsterkenntnis.

  • Wer bin ich eigentlich?

  • Was macht mich aus?

  • Was ist mir wichtig?

  • Was treibt mich an? Warum tue ich, was ich tue?

  • Was kann ich richtig gut? Wo hatte ich Erfolge?

  • In welchen Bereichen bin ich mittelmäßig oder sogar richtig schlecht? Wo bin ich gescheitert?

  • Wer möchte ich gerne sein?

  • Und wo passen meine Fähigkeiten und meine Persönlichkeit zu diesem Bild, wie ich gerne sein möchte, und wo passen sie nicht?

Solche Fragen müssen Sie zuerst für sich klären, und mit den Antworten auf diese Fragen können Sie sich selbst und Ihre Selbstständigkeit neu erfinden. Und zwar so, dass diese zu Ihrer Persönlichkeit und zu Ihren Stärken passt und gleichzeitig Ihre Schwächen geschickt umschifft.

  • Wie würde ein Marketing aussehen, das optimal zu mir passt und bei dem meine Schwächen keine Rolle spielen?

  • Wie würden meine Produkte/Leistungen aussehen, sodass diese optimal zu mir passen und meine Schwächen keine Rolle mehr spielen?

  • Wie müssten mein Management und meine Unternehmensführung aussehen, sodass dieser Bereich optimal zu mir passt und meine Schwächen keine Rolle mehr spielen?

  • Wie wären idealen Kunden (Zielgruppe), die optimal zu mir passen und bei denen meine Schwächen keine Rolle mehr spielen?

Es ist natürlich ein bisschen Analyse und Denkarbeit nötig, um sich systematisch mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, und in vielen Fällen wird es dazu einige Sitzungen brauchen. Viele bekommen das alleine hin und andere brauchen die Unterstützung eines Coaches, um die Fragen gemeinsam durchzugehen.

Aber die Arbeit lohnt sich. Das Ziel lautet: Ein authentisches Geschäft, bei dem ich so sein darf, wie ich bin, und das tue, was ich am besten kann.

 

Sie können diesen Beitrag kommentieren oder ihn an einen Freund oder Bekannten email weiterempfehlen oder Ich lese: Die Probleme fangen immer an, wenn …Twitter den Beitrag.

 

Anmerkungen & Kommentare

Von: Heike Thormann am 30.03.2009
Ja, Ralf, das habe ich vor einigen Jahren gemacht. Deshalb finde ich es ja auch so wichtig, nicht nur einfach anders zu sein, sondern das zu sein, was man *ist*, was einen ausmacht.

Ich weiß, ein bekannter Spruch sagt "Stärken stärken". Und ich stimme ihm auch zu.

Für mich habe ich aber noch einen Spruch: Schwächen stärken.

Aber jetzt nicht so, dass ich anfange, an meinen Schwächen herumzuoperieren und sie zu verbessern suche.

Sondern in diesem Sinne: Meine Schwächen nehmen und mich von ihnen zu meinen Stärken leiten zu lassen.

Beispiel: Ich wohne gern auf dem Land. Ich hasse Großstädte, ich hasse Autofahren, ich hasse es, quer durch Deutschland zu reisen, nur um immer neue Trainings zu geben oder Kunden zu beraten, und und. Das alles macht mich unglücklich.

Für einen bestimmten Beruf (Trainer und Unternehmensberater) sind es aber oft Voraussetzungen. Also habe ich hier Schwächen.

Was habe ich gemacht?

Meine Schwächen zu Stärken umgewandelt.

Sprich, ich habe mir überlegt, was ich stattdessen gut kann und machen will. Und dann habe ich mich danach auf die Suche gemacht.

Also etwa: Seminare im Internet geben. Kunden über das Internet coachen und beraten. Und und ...

Ich habe meine Schwächen (also etwa meine lokale Gebundenheit und "verkehrstechnische Inflexibilität") in Stärken verwandelt.

Und bingo ... grin

LG Heike
Von: MCarl am 30.03.2009
Hallo Herr Senftleben,

Sie haben vollkommen recht damit, dass es Arbeit bedeutet sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Das Schöne daran ist jedoch, dass wir, wenn wir es nur intensiv genug tun zum Kern vordringen und wissen, wer wir sind und was wir wollen. Das ist natürlich nicht immer leicht und manchmal auch schmerzhaft, vor allem wenn wir dann merken, dass wir vielleicht lange Zeit in die falsche Richtung gelaufen sind.

Gruß Mario Carla
Von: Ralf Senftleben am 30.03.2009
Heike, davon bin ich grundsätzlich auch ein Fan. Also vom Stärken stärken und Schwächen umdefinieren. Aber manchmal muss man auch Schwächen überwinden, um ein größeres Ziel zu erreichen. Und hier den Unterschied zu erkennen, das ist die Kunst.

Mario, ganz genau. Deswegen ist Selbsterkenntnis auch immer eine wichtige Aufgabe, für jeden Selbstständigen.
Von: Gitte Härter am 30.03.2009
... und: Manchmal verwechselt man "etwas nicht können", "nicht mögen" oder "noch nicht gemacht haben" mit NEULAND oder NICHTWISSEN. Ganz oft fährt man Vermeidungstaktik, weil man etwas als unattraktiv ansieht oder auch denkt, man könne es nicht. Das ist ja dann schade, wenn man automatisch nur danach geht, was man gerade für ein Bild von sich hat oder was man als Schwäche ansieht.

Oder auch als Stärke. Das gehört zwar jetzt nicht unmittelbar zum Berufsthema, aber ich schlackere immer mit den Ohren, wieviel rüpelhafte Leute überall anecken, aber als Stärke ihre EHRLICHKEIT anführen (und das auch noch glauben).

Aber ich schweife ab ...
Von: Jürgen Gräbel am 30.03.2009
Hallo zusammen,
natürlich macht es immer mehr Spass, seine Stärken kontinuierlich zu verbessern, statt an seinen Schwächen, sofern nicht existenzbedrohend, herumzulaborieren.
Manchmal geschieht aber auch etwas, was weder Stärke noch Schwäche ist, einen jedoch in der Ausübung seiner Tätigkeit sehr behindert.
Ich habe bis vor 4 Jahren als angestellter Trainer und Unternehmensberater bei einer großen Bank gearbeitet, und meine Zielgruppe wurde im Laufe der Zeit "immer jünger".
Da ich bereits Mitte 50 war, habe ich gemerkt, dass es für mich immer schwieriger wurde, diese Altersgruppe zu erreichen und zu begeistern.
So habe ich die erst-beste Chance bewusst genutzt und mich in den sogenannten Vorruhestand "verabschiedet".
Zu der Zeit war der Vorstand noch auf dem verrückten Trip, Verjüngungen des Mitarbeiterstabs, auf Teufel komm heraus, durchzusetzen.
Seit dem arbeite ich noch als Freiberufler, überwiegend in meiner Altersklasse und verlagere, ebenso wie Heike Thormann, meine Tätigkeit zunehmend in Richtung Internet.
Dabei galt es zunächst die Schwäche zu überwinden, mit diesem neuen Medium klar zu kommen.
Gott sei Dank gibt es aber genügend qualifizierte Dienstleister, an die ich dieses Manko delegieren konnte.
Ich denke generell, dass man nicht jede eigene Schwäche selbst ausbügeln muss. Oftmals kann ich in meinem Stärkenbereich viel mehr Nutzen bieten und Geld verdienen, als wenn ich meine Mängel selbst beseitige.
Im Internet habe ich die Probleme der Altersunterschiede nicht. Im Gegenteil wird die weitergegebene Erfahrung positiv angenommen.
Alles Gute
Jürgen Gräbel
Von: Heike Thormann am 30.03.2009
<< Und hier den Unterschied zu erkennen, das ist die Kunst. >>

Ja, Ralf, das ist wirklich die Kunst. Und das ist das extrem Schwierige.

Denn das, was sich bei mir als Stärke herausgestellt hat, also meine lokale (selbstgewählte) Gebundenheit zu nutzen und einen ganz neuen Vertriebsweg zu forcieren (und damit "einzigartig" zu werden, d.h. meinen USP aufzubauen), musste ich ja auch erst mal lernen. Genauso ...

<< Dabei galt es zunächst die Schwäche zu überwinden, mit diesem neuen Medium klar zu kommen. >>

... wie Herr Gräbel. (Und muss ich nebenbei immer noch. *schmunzel*)

Das macht aber nichts, weil ich spüre und auch von meinen Kunden und Teilnehmern bestätigt bekomme, dass ich hierfür "ein Händchen" habe.

Dieses Händchen hätte ich aber nicht gefunden, wenn ich weiter auf Teufel komm raus versucht hätte, mich anzupassen und etwas zu sein, was ich nicht bin.

Auch wenn ich immer wieder über meine eigenen Glaubenssätze stolpere wie:

Ein "richtiger" Trainer oder Berater hat nicht im Internet zu sitzen, sondern in den großen Unternehmen ein und aus zu gehen.

(Wobei das Vertrackte ist, dass ich Freunde habe, die genau das tun. Und sich davon dann bewusst zu distanzieren und seinen eigenen Weg zu suchen, ist nicht leicht.)

<< um ein größeres Ziel zu erreichen >>

Deshalb ist ja auch immer die Frage, warum ich mir welches Ziel wähle. Ob das wirklich meine Wahl ist. Oder ob ich mich durch etwas oder jemanden, Glaubenssätze pp. beeinflussen lasse.

Tja, ein komplexes Thema ... Wie dem auch sei, ich habe meinen Weg gefunden. Wobei nicht ausgeschlossen ist, dass sich der auch wieder ändern kann. So, wie es mir dann wichtig ist. wink

LG Heike

 

Anmerkung schreiben

Ihr Name:

Ihre eMail-Adresse:

Ihre Homepage:

Ihre Anmerkung

Daten merken

Bei neuen Kommentaren benachrichtigen

Bitte das folgende Wort eintragen (Spamschutz)

 

 

Bestellen Sie unseren kostenlosen Kickletter: Jede Woche Tipps und Ideen für Ihre Selbstständigkeit.

 

E-Mail-Adresse:

RSSOder unseren RSS-Feed abonnieren.

 

Unsere aktuellen Selbstlernkurse:

 

Kategorien

 

Die letzten Kommentare

„Lohnt es sich, im Sommer zu akquirieren?“
Martin Grünstäudl  30.07

neu: Interview auf existenzielle
Norbert Jothann  28.07

neu: Interview auf existenzielle
Gitte Härter  28.07

neu: Interview auf existenzielle
Norbert Jothann  27.07

Laptop überhitzt? – Notebook Cooler
Gitte Härter  27.07

 

7 Erfolgsfaktoren für Ihre Akquise!

Gute – und damit erfolgreiche – Akquise weist sieben wichtige Eigenschaften auf. Sie ist ...

111 Annahmen ...

... mit denen Selbstständige
meistens danebenliegen

 
 
Erfolgreiche E-Mail-NewsletterWebseiten, die verkaufenProfilbildung für Selbstständige