Finanzielles

Die perfekte Selbstständigkeit - Teil 4 (Profit, Profit, Profit)

Ralf Senftleben • 16.04.2009 • email Weiterempfehlen

Was macht eine perfekte Selbstständigkeit für mich aus?

Ganz einfach: Ich will Dinge tun, die ich gerne tue, für Kunden, die ich gerne mag, mit Kollegen, die auf meiner Wellenlänge liegen und das Ganze soll einen ordentlichen Profit abwerfen. Klingt eigentlich ganz simpel oder? grin

Über die ersten 3 Punkte habe ich schon geschrieben. Im heutigen 4. Teil geht es um das Thema Profit.

Eine gute Selbstständigkeit muss in meinen Augen so viel Profit nach Steuer machen,

  1. dass ich bequem davon leben und mir auch mal etwas leisten kann,

  2. dass ich für das Rentenalter vorsorgen kann (auch wenn ich heute vielleicht denke, ich will immer arbeiten, wird das in 20 Jahren vielleicht anders aussehen),

  3. und ich muss soviel Profit machen, dass ich eine Rücklage für schlechte Zeiten bilden kann.

Ich erlebe es relativ häufig, dass Selbstständige es relativ normal finden, von der Hand in den Mund zu leben. Oft geht das mit Selbstausbeutung einher. Viel arbeiten für wenig Geld.

Natürlich hat man nicht immer die volle Kontrolle über das eigene Geschäft. Aber wenn man keinen ausreichenden Profit macht, hat das meistens Gründe:

Zum Beispiel:

  • Es gibt keine oder zu geringe Nachfrage für mein Produkt oder meine Leistung.

  • Meine Leistung / mein Produkt ist nichts besonderes, zu austauschbar und/oder es gibt zu viele Mitbewerber.

  • Ich bin zu günstig. Was oft mit dem vorangehenden Punkt zu tun hat.

  • Das Preis-/Leistungsverhältnis meines Produkts oder meiner Leistung stimmt nicht.

  • Der Nutzen, den ich für meine Kunden biete, ist zu gering oder nicht sichtbar genug.

  • Ich bin im falschen Markt unterwegs.

  • Mein Marketing funktioniert nicht (Meine potenziellen Kunden erfahren gar nicht erst von meinem Angebot oder ich kann mich / mein Produkt nicht überzeugend darstellen).

  • Mein Produkt ist nicht attraktiv genug.

  • Meine Kosten sind zu hoch (zum Beispiel die Allgemeinkosten, Marketingkosten oder Produktionskosten).

  • Und nicht selten: Meine Leistung / mein Produkt ist qualitativ nicht gut oder mein Service ist schlecht, so dass ich jeden Kunden nur einmal habe und keine Folgeaufträge / Empfehlungen bekomme (es erfordert natürlich Mut und Reife, sich zu überprüfen, ob das auf einen selbst zutreffen könnte, aber sehen Sie sich um, wie viele schlechte Leistungen es da draußen gibt).

Und dazu kommen natürlich die typische Veränderungen im Markt, Konjunkturschwankungen usw. Aber nach meiner Erfahrung können diese Faktoren einem normalerweise gar nicht so viel anhaben, wenn man ein ordentliches Alleinstellungsmerkmal hat, guten Service hat, einen hochwertigen Nutzen bietet und ein funktionierendes Marketing hat.

Wenn Ihr Profit also nicht so groß ist, wie Sie sich das wünschen würden, dann gehen Sie doch mal die Liste von oben durch, was bei Ihnen dahinter stecken könnte (Die Liste ist natürlich nicht vollständig).

Was mich auch immer wieder erstaunt, ist, wie wenig Selbstständige eine Rücklage für schlechte Zeiten bilden. So eine Rücklage sollte einem ermöglichen, mindestens über ein bis zwei Jahre ohne Einnahmen zu überbrücken, falls einem wirklich das eigene Business wegbricht oder unvorhergesehene Umstände eintreten. Und in ein bis zwei Jahren kann man in der Regel sein Business neu orientieren oder etwas komplett Neues beginnen. Aber dazu braucht man finanziell einen freien Rücken. Deswegen rate ich jedem Selbstständigen, so eine Rücklage zu bilden und diese auch wirklich nur in Notfällen anzutasten.

Wie ist das bei Ihnen:

  • Machen Sie ordentliche Profite?

  • Legen Sie regelmäßig Geld für das Rentenalter zurück?

  • Und haben Sie eine Rücklage, die Sie über kniffelige Zeiten retten kann?

Die perfekte Selbstständigkeit:
Teil 1: Dinge gern tun
Teil 2: Für Menschen, die ich mag
Teil 3: Mit Menschen, mit denen ich gut zusammenarbeite
Teil 4: Und profitabel muss es sein

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Heike Thormann am 17.04.2009
Gute Punkte, Ralf. Alle wichtig. Und am Anfang natürlich nicht leicht zu erfüllen, wenn man noch primär mit Aufbauarbeit beschäftigt ist.

Trotzdem lege auch ich brav für meine Rente zurück, für Krisenzeiten (wie passend, an solche "Schwankungen" gewöhne ich mich wohl besser wink), und zahle noch einen Ausbildungskredit zurück.

Aber Du hast Recht: Nur für seine Ideale zu arbeiten reicht nicht aus. Gesunder Profit muss drin sein - nicht nur für Schwankungen.

LG Heike
Von: David Gerlach am 17.04.2009
Hi Ralf,
danke für den Beitrag!
Habe in letzter Zeit wieder andere Selbständige kennengelernt, die einen hervorragenden Job machen, aber gleichzeitig auch - meiner Meinung nach - tatsächlich "unter Wert" arbeiten und dann alles Verdiente wieder direkt zu 100% in Werbung verballern. Am Anfang vielleicht noch sinnvoll, um ein Geschäft aufzubauen, aber die langfristige Perspektive hatten die Kollegen leider noch nicht ganz bedacht.
Ich denke, man sollte sich finanzplanungstechnisch (tolles Wort wink ) immer mindestens die nächsten 5-10 Jahre grob planen: möglicher Profit (hochgerechnet ausgehend von den letzten beiden Geschäftsjahren) und dann festlegen, dass man grundsätzlich einen festen Betrag beiseite legt.
Schönes Wochenende! grin
VlG, David
Von: Norbert Jothann am 17.04.2009
"...so dass ich (...) keine (...) Empfehlungen bekomme..."

Es gibt allerdings auch seriöse Coaching-Dienstleistungen, für die man als Anbieter keine Empfehlungen durch seine Kunden erwarten kann, weil sich diese dann gegenüber Dritten offenbaren müßten, daß sie ein Coaching im Bereich Verhaltensänderung nötig haben / hatten.

Es muß (also) nicht zwangsläufig an der Qualität der Dienstleistung liegen, sondern kann durchaus etwas mit der zugesicherten Vertraulichkeit zu tun haben, wenn man mit dem Marketing für dieses diskrete Verhaltenscoaching nicht so wirklich gut vorankommt.
Von: Ralf Senftleben am 20.04.2009
Heike, ne klar, das ist nicht einfach. Aber der erste Schritt ist glaube ich erst einmal der Willen zum Profit.

Viele haben glaube ich auch so ein unbewusstes Programm, dass Profit etwas Schlechtes ist.

Ist ja auch klar, bei den ganzen Nachrichten, die immer von den bösen Unternehmen berichten, die nur auf Profit aus sind.

Dazu kommt, dass Profit selten etwas ist, dass sich automatisch ergibt, sondern man muss ein bisschen auf die Zahlen schauen, seine eigene Wertschöpfugskette optimieren, an seinen Produkten/Leistungen arbeiten usw.


David, ich werde mir in den letzten Jahren immer unsicherer, ob (Profit-)Planung etwas bringt. Vielleicht nützt es etwas, um den eigenen Willen zum Profitmachen auszudrücken und zu stärken.

Was aber auf jeden Fall für viele kleinere Unternehmen wichtig ist, ist eine solide Cashflow-Planung, damit sie nicht "unerwartet" von "plötzlichen" Steuerzahlungen in die Pleite getrieben oder damit sie ein bisschen schauen können, wann man investieren darf oder nicht.

Norbert, klar diese Punkte von oben sind ja auch nur als Denkimpulse gemeint, um die eigene Situation zu durchdenken. Die passen natürlich nicht für jeden Fall.
Von: Heike Thormann am 20.04.2009
<< Heike, ne klar, das ist nicht einfach. Aber der erste Schritt ist glaube ich erst einmal der Willen zum Profit.

Viele haben glaube ich auch so ein unbewusstes Programm, dass Profit etwas Schlechtes ist.

Ist ja auch klar, bei den ganzen Nachrichten, die immer von den bösen Unternehmen berichten, die nur auf Profit aus sind. >>

Stimmt, Ralf, deshalb sagte ich ja auch "gesunder Profit". Es ist die Gier nach Geld, die uns m.E. - mal wieder - dahin gebracht hat, wo wir gerade sind. Das war beim Dotcom-Crash so, das war auch zu anderen Zeiten so.

Und es gibt auch, denke ich, grundsätzlich einen Unterschied, wie Männer und Frauen an die Sache rangehen.

Der Spiegel hat das mal so hübsch genannt: Männer sind auf der Suche nach Geld, Frauen auf der Suche nach dem Glück. wink Und da ist m.E. viel Wahres dran.

Tatsache ist jedenfalls, dass sich viele Frauen selbstständig machen, weil sie es um der Tätigkeit willen tun wollen, nicht um des Geldes / Profits willen. Sie sind also intrinsisch motiviert, nicht extrinsisch.

Das kann dann aber auch die bekannten üblen Folgen haben, dass Altersarmut (auch bei Selbstständigen) oft weiblich ist.

Das heißt, es ist m.E. eine "gesunde" Mischung notwendig. - Die natürlich auch nur jeder für sich selbst definieren kann.

Und die Wege, wie er diese erreicht, muss auch jeder für sich selbst finden, stimmt.

Noch ein komplexes Thema. *hihi*

LG Heike
Von: Ralf Senftleben am 20.04.2009
Heike, ganz genau, die Mischung macht es. Deswegen gibt es ja auch 4 Punkte für die perfekte Selbstständigkeit grin
Von: Heike Thormann am 20.04.2009
wink
Von: Ulla Vogeley am 20.04.2009
Hallo an alle,
zum Thema: "Willen zum Profit", empfehle ich hier gern ein interesantes Buch von Petra Bock: "Nimm das Geld und freu Dich dran". Darin finden sich einige erhellende Ideen zum Thema Grundhaltungen zum Thema Geld...
lG Ulla
Von: Jürgen Gräbel am 21.04.2009
Ich habe schon sehr häufig erlebt, dass, insbesondere junge, Selbständige sich unter Wert verkaufen, weil sie Angst haben, nicht ins Geschäft zu kommen oder im Geschäft zu bleiben.
Das hat dann natürlich oft zur Folge, dass kein Geld für eine ordentliche Vorsorge übrigbleibt. Meist wird dann gesagt, wenn es einmal läuft, dann holt man alles nach.
Aber genau diese Denke funktioniert meines Erachtens nicht. Ich denke, dass einmal ein fundiertes Selbstbewusstsein vonnöten ist, dass die eigene Leistung ihren Wert hat (sollte natürlich auch stimmen). Wenn dieses Selbstbewusstsein nicht vorhanden ist, wird man sehr schnell durchschaut und heruntergehandelt. Wenn man jedoch davon überzeugt ist, dass der Kunde einen echten Nutzen geboten bekommt, der sich für ihn messbar niederschlägt, dann erhält man auch seinen Gegenwert.
Was das das Vertagen der Rücklagen auf später betrifft, habe ich als junger Mensch eine wunderbare Empfehlung bekommen, die im Grunde genommen total simpel ist.
Der Rat eines Kollegen lautete, dass man 10 Prozent seines Netto-Einkommens am Monatsanfang auf ein Geldanlagekonto überweisen solle. Wenn man mit 100 Prozent auskommt, dann geht das in der Regel auch mit 90 Prozent, weil man normalerweise seinen Lebensstil immer nach seinem Budget ausrichtet.
Daran habe ich mich bisher über 40 Jahre gehalten und genieße jetzt meine finanzielle Freiheit.

 

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