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Die perfekte Selbstständigkeit - Teil 2 (Meine idealen Kunden)

Ralf Senftleben • 01.04.2009 • email Weiterempfehlen

Hier ist der zweite Teil der Serie Die perfekte Selbstständigkeit.

In einer perfekten Selbstständigkeit tun wir hauptsächlich Dinge, die wir gerne tun. Und wir tun es vor allem für Menschen, die wir gerne mögen.

Ich erlebe es regelmäßig, dass sich Selbstständige über ihre Kunden beschweren. Das sind unangenehme Zeitgenossen, die man am liebsten nur von hinten sehen würde.

Wenn Sie auch manchmal dieses Gefühl haben, dass Sie lieber andere Kunden hätten, dann habe ich hier eine gute Nachricht für Sie:

Als Selbstständige dürfen wir uns unsere Kunden aussuchen. Niemand zwingt Sie, mit jemandem ins Geschäft zu kommen.

Vielleicht sagen Sie jetzt "Sachzwänge". Ich kann es mir nicht leisten, Kunden abzulehnen. Und ich würde eher behaupten: Sie können es sich nicht leisten, für Menschen oder Firmen zu arbeiten, die sie nicht riechen können. Dann das frisst Ihnen das Mark aus den Knochen, saugt Ihre Batterie leer, zerstört Ihre Selbstachtung und Würde.

Statt einen unangenehmen Auftrag anzunehmen, arbeiten Sie dann lieber daran, Ihre Leistung so zu verbessern und den Kundennutzen Ihrer Leistung so zu steigern, dass Sie für mehr Kunden interessant werden. Investieren Sie also lieber in die Verbesserung Ihres Geschäfts, sodass Sie sich bald aussuchen können, für wen Sie arbeiten möchten.

Ich kenne auch nur wenige Menschen, die so "professionell" sind, dass sie für unangenehme Typen arbeiten, ohne dass ihre Arbeit darunter leidet und sie nur mit halber Kraft arbeiten. Zu Höchstform laufen die meisten erst dann auf, wenn sie mit Kunden zusammenarbeiten, die sie gerne mögen und für die sie gerne arbeiten. Und für diese Kunden gibt man dann auch gerne 100 %.

Ich sage natürlich nicht, dass man nur und ausschließlich für die supertollen, super-sympathischen Kunden arbeiten soll. Das wäre unrealistisch. Aber vermeiden Sie es wenigstens, für Kunden zu arbeiten, die Sie so richtig unangenehm finden. Arbeiten Sie also nur für Leute, die auf Ihrer Sympathie-Skala mindestens bei 70 % liegen.

Aber woran erkennen Sie die "guten" Kunden? Dazu können Sie sich im Vorfeld überlegen, für wen genau Sie am liebsten arbeiten möchten.

  • Wie sehen Ihre idealen Kunden aus?
  • Woran erkennen Sie Menschen / Firmen, mit denen Sie gerne zusammenarbeiten?
  • Was sind das für Firmen oder Menschen?
  • Aus welcher Branche kommen Ihre Lieblingskunden?
  • Wo wohnen diese?
  • Wie alt sind sie?
  • Welchen Bildungsstand haben sie?
  • Was wissen und können diese Kunden bereits?

Überlegen Sie sich, für wen Sie gerne arbeiten möchten. Und wenn Sie ein klares Bild von Ihren Lieblingskunden haben, dann hat das folgenden Vorteil: Sie wissen dann einfacher, wann Sie zu einem Kunden oder Auftrag "Ja" oder "Nein" sagen müssen.

Mein Rat an Sie: Trauen Sie sich, sich Ihre Kunden auszusuchen. Denn nicht umsonst sagt man ja auch, dass jeder die Kunden bekommt, die er verdient hat.

Die perfekte Selbstständigkeit:
Teil 1: Dinge gern tun
Teil 2: Für Menschen, die ich mag
Teil 3: Mit Menschen, mit denen ich gut zusammenarbeite
Teil 4: Und profitabel muss es sein

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Markus Brause am 01.04.2009
Hallo Ralf,

tole Idee und gut auf den Punkt gebracht.
Ich versuche gerade an einer Zielgruppen Definition für meine neue Tätigkeit als Coach und psychologischer Berater zu arbeiten. Ich VERSUCHE es, weil ich mich bisher erfolgreich dafür drücke, das zu tun. Aber deine Fragen helfen mir weiter. Was für Kunden will ich haben? Von der Warte habe ich es noch gar nicht betrachtet. Ja stimmt, ich kann mir meine Kunden aussuchen. Ich habe zwar NOCH keine, aber ich kann mir aussuchen, mit wem ich gerne zusammen arbeiten möchte und mit wem nicht. Das eröffnet mir neue Blickwinkel, die ich bisher noch nicht hatte. Mal sehen, wie weit ich mit meinen Überlegungen kommen (und wann ich vielleicht einen Coach brauche wink

Viele Grüße
Markus Brause
Von: Gitte Härter am 01.04.2009
... nicht zu vergessen: Je nachdem, wie ich mit meinen Kunden umgehe/auf sie zugehe/mich selbst "menschlich" und persönlich verhalte, desto netter, erfreulicher und enger wird die Zusammenarbeit. Man kann sich also seine Kunden auch angenehm "machen".
Von: Zamyat M. Klein am 01.04.2009
Hallo Ralf,

ja, das ist ein schönes und wichtiges Thema. Vor Jahren (?) habe ich dazu eine Fortbildung bei Monika Birkner gemacht und hatte vorher das schöne Buch "Das Leuchtturm-Prinzip", GABAL- Verlag gelesen.

Was ich dabei entscheidend fand: mir überhaupt zuzugestehen, mir eine solche Frage zu stellen. Wer sind meine idealen Kunden? Und wir haben dann seitenweise Listen geschrieben mit konkreten Beschreibungen.

Dazu kann man schon bestehende ideale Kunden nehmen, Wunschkunden fabulieren- oder ich kam dann sogar auf die Idee, nicht-ideale Kunden dafür zu nutzen. Nämlich aufzuschreiben, welche Eigenschaften oder Verhaltensweisen mich an denen nerven. Diese habe ich dann ins Gegenteil verkehrt- und hatte damit weitere positive Kriterien für ideale Kunden.

Diese Listen dann täglich lesen und evtl. ergänzen und sich damit auf diese idealen Kunden einstimmen.

Der Effekt ist, dass ich 1. nicht nur selbst klarer weiß, was ich eigentlich will und 2. daher einen deutlicheren Blick dafür habe, sondern 3. damit auch tatsächlich solche Kunden anziehe.

Jeder, der sich mit mentalem Training oder NLP beschäftigt hat, wird das verstehen und sich nicht wundern.

Also, her mit den Wunsch-Kunden, die zu mir passen und genau das wollen und brauchen, was ich anbiete. Denn dann macht die Arbeit nicht nur mehr Spaß, sondern ist auch effektiver, weil sie auf fruchtbaren Boden fällt.

Herzliche Grüße
Zamyat
Von: Andreas Reisenbauer am 02.04.2009
Ich handle auch nach dem "Leuchtturm-Prinzip" und kann nur sagen: ES WIRKT!
So jetzt aber ans Telefon, muss einen Beinahe-Neo-Kunden, der nicht in dieses Schema passt, ziehen lassen!
Von: Ralf Senftleben am 02.04.2009
Hallo Markus,

wenn man gerade erst anfängt, ist es glaube ich viel einfacher, dieses Prinzip "nur sympathische Kunden" umzusetzen. Da gibt es dann keine eingespielten Muster und keine keine Altlasten grin

Schöne Grüße,
Ralf
Von: Ralf Senftleben am 02.04.2009
Hallo Zamyat und Andreas,

das Leuchtturm-Prinzip hört sich spannend an. Muss ich mir gleich mal bestellen. Danke für den Tipp.

Es gibt übrigens noch einen anderen Grund, in Bezug auf seine Kunden wählerisch zu sein und das hat mit Attraktivität zu tun.

Menschen finden normalerweise Stärke und fehlende, allgemeine Verfügbarkeit (Exklusivität) attraktiv.

Bedürftigkeit finden die meisten weniger attraktiv.

Und wenn ich mir meine Kunden aussuche, dann zeigt das genau diese Stärke, die mich als Dienstleister / Unternehmen attraktiv für meine Kunden macht.

Wenn ich jeden Auftrag annehme, zeigt das dagegen Bedürftigkeit und ist eher unattraktiv.

Schöne Grüße, Ralf
Von: Markus Brause am 02.04.2009
Hallo Ralf,

klingt schon gut. Aber auch ein bißchen "zu schön". Wäre schon froh, wenn ich ein paar zahlende Kunden hätte. Weiß nicht, inwieweit ich da wählerisch sein kann. Eben gerade am Anfang. Das ist eines der Themen, die mich derzeit sehr beschäftigen.

Ich verstehe durchaus, was du schreibst, und deine Fragen habe ich gestern gleich mal in ein paar spannende Antworten für mich umgesetzt. Sehr erhellend.

Aber zweifeln, ob das denn auch so klappt mit den sympathischen Kunden tue ich schon noch. Wohl solange, bis ich welche habe.

Liebe Grüße

Markus
Von: Gitte Härter am 03.04.2009
Hallo Markus,

Ralf ist heute nicht da, darum will ich kurz was antworten: Das mit den sympathischen Kunden funktioniert ja auch so -> je mehr Du von Dir zeigst und Dich von Deiner Art, Deiner Arbeitsweise etc. greifbar machst, desto mehr sprichst Du genau die Leute an, die das gut finden.

Christine und ich schreiben auf unserer Website beispielsweise ja sehr viel und dadurch melden sich die Leute, die genau diese Einstellung/Zielrichtung, diesen Stil gut finden. Man zieht also die "richtigen" Kunden nicht einfach an, sondern man zieht sie an, indem man sich einerseits klar wird, was wichtig ist und andererseits das dann auch nach außen zeigt/klar macht und anspricht.

Und ganz generell: Die meisten Menschen da draußen sind nette und "normale" Leute. Die Wahrscheinlichkeit an blöde Deppen zu geraten, ist meiner Erfahrung nach ohnehin nicht hoch grin

Viele Grüße
Gitte
Von: Fabian am 06.04.2009
Hallo zusammen,

Das mit den Sachzwängen stimmt natürlich zum Teil schon - zumindest am Anfang. So hatte ich am Anfang auch Kunden, die viel Leistung für wenig Geld wollten und zudem noch unfreundlich waren. Ich habe mir dann vorgenommen, jedes Jahr einige neue Kunden zu suchen und die Beziehung zu den jeweils 2 bis 3 schlechtesten Kunden abzubrechen. So hat man Jahr für Jahr bessere Kunden, freut sich darüber und ist dennoch nicht mit der Kundensuche überfordert.
Von: Edeltraud am 06.04.2009
Liebe Gitte,

das erste Mal, dass ich mit deinen Ansichten nicht ganz konform gehe sind die unangenehmen Kunden.
Du verbessert dich zwar gleich, mit

"... nicht zu vergessen: Je nachdem, wie ich mit meinen Kunden umgehe/auf sie zugehe/mich selbst "menschlich" und persönlich verhalte, desto netter, erfreulicher und enger wird die Zusammenarbeit. Man kann sich also seine Kunden auch angenehm "machen"."

was sich dann wieder in meine Schiene einfügt.
Ich finde nämlich, wie du schon schreibst "man bekommt die Kunden die man verdient".

Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, wir hatten in unserem Modehaus nie lästige Kunden, bis wir selber "lästig" nämlich nicht mehr so gut drauf waren. Auf einmal hörte man von "komplizierten" Kunden.
Ich denke ich muss immer schauen, was strahle ich aus, das kommt zurück.

Die alten Sprichwörter haben schon ihre Wirksamkeit: "Wie du in den Wald rufst, so kommt es zurück!" Auch unsere Kunden sind eine Spiegelung unseres Selbst.

Und wenn nun - wie ich immer wieder höre, "ja die Kunden zahlen ja nicht mehr" - muss ich auch meine Zahlungsmoral unter die Lupe nehmen und nicht nur das Geld, wo stehe ich in der Schuld? Arbeitsleistung oder ähnliches?

Es mag vielleicht "esoterisch" klingen, aber es wirkt immer das Gesetz von Ursache und Wirkung.
wenn ich in einen Spiegel schaue und meine Frisur gefällt mir nicht, frisiere ich dann den Spiegel?

Genausowenig kann ich meine Kunden frisieren. Ich bin es immer selbst, die sich ändern muss und eine andere Einstellung gewinnen muss.

Tut oft weh, aber ich kann es nicht ändern, außer ich laufe wieder mal davon, weil es für den Moment leichter scheint.

Liebe Grüße
Edeltraud
Von: Edeltraud am 06.04.2009
Oh, jetzt seh ich erst, dass der Artikel von Ralf ist.
Entschuldigung Gitte.

Lg.
Edeltraud
Von: Ralf Senftleben am 07.04.2009
Fabian, ich finde, das ist ein schönes Konzept, einfach schrittweise Kunden auszutauschen. So muss man nicht so schwarz-weiß an diese Idee herangehen.
Von: Ralf Senftleben am 07.04.2009
Edeltraut, ich glaube auch an das Spiegelgesetz, deswegen glaube ich auch, dass wir manchmal die Kunden bekommen, die wir "verdient" haben grin

Mit der Betonung auf "manchmal". Denn es gibt ja viele dieser Prinzipien, die eben alle gleichzeitig wirken und manchmal setzt sich das Spiegelgesetz durch und manchmal andere "universelle Prinzipien".

So oder so ist diese Herangehensweise aber nützlich, weil sie mich auffordert, bei mir selbst anzufangen und mich zu fragen:

"Was ist mein Anteil an dieser Situation?"

oder

"Was habe ich dazu beigetragen, damit es zu dieser Situation gekommen ist?"
Von: Gitte Härter am 07.04.2009
Edeltraud: Da fällt mir eine Erfahrung aus meiner Vertriebsleiter-Zeit ein. Ich hatte damals ein Dutzend Vertriebsleute, die verschiedene Märkte betreut haben, zum Beispiel: "alle österreichischen Kunden" oder "Werbeagentur A-F", "Werbeagenturen G-H" und so.

Eine meiner Vertriebsmitarbeiterinnen hatte nur Ärger mit ihren Kunden und immer wenn es darum ging, beklagte sie sich, dass nur sie eben nur komplizierte Kunden habe. Wir haben dann - gemeinsam - darüber gelacht, dass offenbar alle "Werbeagenturen mit den Anfangsbuchstaben M-R" lauter umständliche Querulanten beschäftigten. Erst da wurde ihr klar, dass das so nicht stimmen kann.

*

Ich wollte aber gerade noch einen Punkt betonen: Kunden, mit denen es nicht oder nicht so gut harmoniert, heißt ja gar nicht, dass der Kunde irgendwie unhöflich oder so ist. Es geht ja auch um Arbeitsweisen - ich komme zum Beispiel mit Umstandskrämern auf Dauer nicht so gut klar oder wenn jemand etwas tun will, aber es immer wieder schiiiiebt und schiiiiebt - das macht mich wahnsinnig, auch wenn das die netteste Person auf der Welt ist.

 

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