Die Nichtfertigwerder
Ein gar nicht kleiner Prozentsatz der Selbstständigen fängt ein wichtiges Projekt für sich selbst an und lässt es dann liegen. Zum Beispiel die Website: Ja, ich brauche endlich eine eigene Website, ich mache mir Gedanken über Struktur, Gestaltung und die Texte. Und dann stoppts. Und oft ist zwei, drei Jahre danach noch das Baustellenschild zu sehen.1
Gehören Sie auch zu den Nichtfertigwerdern, die entweder mit quietschenden Reifen zum Stehen kommen oder bei denen Projekte fast unmerklich versanden?
Konsequenzen
Leider geht es bei solchen Projekten fast nie um Unwichtiges, sondern es sind zentrale Aspekte, die entweder Ihren Geschäftserfolg voranbringen (würden), denn sie betreffen den Unternehmensauftritt, eine Werbemaßnahme, eine Leistungsverbesserung und beeinflussen damit unmittelbar Ihre Auftragslage.
Zudem blockieren Sie sich selbst. Denn Sie sind unzufrieden mit sich und schleppen ewig eine oder mehrere offene Aufgaben mit sich. Weil ich grad bei den bildhaften Vergleichen bin:
Mit 18 besuchte ich mal einen Rhetorikkurs bei der Volkshochschule. Bei jedem Vortrag sagte ich, wie so viele, fortwährend “äh”. Also machte der Dozent Folgendes:
Während einer fünfminütigen Stegreifrede musste ich einen Arm ausstrecken. Bei jedem Äh legte mir der Dozent während ich ganz normal weitersprach ein dickes Lesebuch auf die flache Hand. Nach kürzester Zeit hatte ich vier schwere Bücher ganz nebenbei mühsam zu balancieren ohne mich aus dem Konzept bringen zu lassen.
Und genau das tun Sie sich und Ihrer Leistungsfähigkeit an: Jede unvollendete Aufgabe sitzt Ihnen ähnlich meiner Lesebücher fest im Genick. Manchmal ist das ein ganzer Stapel!
Das macht die Sache in vielerlei Hinsicht unnötig schwer. Es liegt eben nie nur an “Ach, Sache X habe ich ja immer noch nicht fertig”, sondern es hat viel weitreichendere Auswirkungen. Dabei ist das Fertigmachen oft gar keine so große Sache, die massig Selbstdisziplin oder Zeit erfordert - es geht oft genug nur darum, das Begonnene durchzuziehen und nicht immer wieder wochenlang wegzulegen.
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1 Ein Baustellenschild oder ein Platzhalter Ihres Webhosts auf Ihrer Firmenwebsite sollte es überhaupt nie geben! Wann immer Sie Ihre Webadresse bereits nutzen ob in Ihrer Werbung, Korrespondenz oder einfach in Ihrer E-Mail-Adresse - sollte Ihre Internetseite zumindest eine Interims-Startseite zeigen: Ihr Logo, was Sie tun und Ihre Kontaktdaten mit E-Mail-Funktion. Alles andere wirkt unprofessionell.
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Anmerkungen & Kommentare
ich glaube, wir haben alle oft so Sachen, die wir anfangen und dann liegenlassen - und wenn wir es dann mal fertigmachen, greifen wir uns an den Kopf, weil es eine Lapalie war.
Bei Deinem Beispiel mit dem Trainerkollegen kommt dazu, dass der arme Webdesigner auch ganz frustriert ist. Das ist ja nochmal ein Aspekt, wenn andere involviert sind: Da beginnst Du einen Auftrag und dann kommt Dein Auftraggeber nicht mehr zu Potte und Du kannst weder fertigmachen, noch vielleicht eine erste Zwischenrechnung stellen. Frustquelle.
Ich denke, es ist immer wichtig, sich anzuschauen, wie wichtig etwas ist und wieviel Arbeit es erfordert. Oft schieben wir ja etwas, auch wenn es - wie gesagt - weder große Mühe noch viel Zeit braucht.
Andererseits würde niemand von uns beim Kuchenbacken Mehl, Eier & Co. verrühren und dann sagen: Äh, keine Lust mehr.
Einen schönen Nachmittag
Gitte
Das ist ein sehr schönes Bild, Gitte, das ich mir jetzt als "Anker" einpräge, wenn ich wieder einmal etwas beginnen will, bevor ich aktuelle Sache beendet habe. (Dies passiert mir aber hauptsächlich im Privaten...)
ein halbfertiger Rührkuchen, hm lecker wird die Naschkatze sagen. Aber ganz ehrlich, ich kann mich auch nicht entsinnen, dass ein Kuchen gerührt und nicht gebacken wurde
Eine Idee kam mir beim Lesen auch noch. Ich hasse übrigens auch Baustellenschilder im Internet (im täglichen Leben mag ich natürlich viele Eberle-Baustellenschilder!). Das ist Nase lang machen und dann bitte warten, warten, ähnelt übrigens an die Telefonhotline der Telekom.
So jetzt aber die unterwegs verloren gegangene Idee: Wie wäre es mit Nichtfertig-Listen, in der man alle Projekte auflistet, die noch zu Ende zu bringen sind. Mit alle sind wirklich alle, berufliche wie private, gemeint. Durch die Listen wird man regelmäßig an das Tun erinnert und es rutscht nichts in die hinterste Gehirnpartie ab.
Herzliche Morgen-Grüße
Heike
ABER: musikalische Projekte ziehe ich durch. Da bin ich so voller Motivation und erst richtig zufrieden, wenn mein Ziel perfekt erreicht ist.
P.S Du siehst, ich habe mich nicht gefeuert...
Einen schönen Tag wünscht Marius.
Nicht-fertig-Listen... Interessante Idee.
Speziell für Projekte, die nicht von heute auf morgen zu Ende zu bringen sind, habe ich eine Übersicht (Tabelle), was hier noch zu tun ist und wie weit ich noch vom Ziel der Fertigstellung entfernt bin.
Wenn Sie so wollen, ist das ja dann auch eine (Noch-)Nicht-fertig-Liste. Diese Liste/Tabelle ist allerdings nur für berufliche Projekte.
Interessant an Ihrer Idee finde ich, dies auch für private Projekte zu führen.
Ebenfalls herzliche Morgengrüße
Norbert
Mann! Jetzt hab ich beim Kuchenbeispiel die Teigesser vergessen
Bei der Idee mit den "Nichtfertiglisten" musste ich schmunzeln. Eigentlich ist das eh die To-Do-Liste, die (in welcher Form immer) die meisten haben, oft nur aufs Berufliche bezogen.
Ich empfehle: Bevor man es auf eine Liste schreibt, erstmal schauen, ob es vielleicht nicht tatsächlich nur noch zwei Handgriffe sind.
Ach, da fällt mir noch was Lustiges ein. In einem Online-Workshop vor X Jahren war eine nette Teilnehmerin, die ganz unzufrieden war, weil sie immer genau den letzten Handgriff nicht machte: Sie legte die Wäsche zusammen und stellte dann den vollen Wäschekorb neben den Schrank, sie holte einen Ordner aus dem Regal neben sich, stellte ihn aber nicht wieder rein, sondern auf den Boden neben sich ... und dafür wollte sie gerne einen Organisationstipp.
In diesen Fällen nützt kein Tipp und keine Liste, da heißt es nach Nike "Just do it".
Aber natürlich kann es eine gute Hilfe sein, unfertige Projekte, die gerade noch am Laufen sind, konkret festzuhalten. Ich plädiere ja immer für die detaillierte To-Do-Liste.
@Marius:
Schön, dass Du Dich nicht gefeuert hast, wäre ja ein Jammer gewesen
Tja, das Durchziehen und keine Mühen und Einsatz scheuen, wenn's Freude macht ist natürlich das Allerbeste.
Aber auch die Nicht-so-spannenden-Sachen oder sowas wie "lästige Texte" sind immer auch ein direkter Ermöglicher für das, was Du gerne machst.
Website fertig
= Du kannst es streichen und hast es nicht im Genick
= dadurch kannst Du entspannter komponieren oder Musik machen
= die Website ist eine tolle Repräsentanz und verschafft Dir Engagements oder interessante Kontakte
= dadurch rollt der Rubel
= Du bist beflügelt durch interessante Begegnungen
= Du bist ganz inspiriert und produktiv
= Deine Musik erobert die Welt.
Oder so.
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Gitte Härter •
Dein Baustellenschild-Beispiel erinnert mich an einen sehr erfolgreichen und stark ausgebuchten Trainer- und Berater-Kollegen, der mit seinem Webauftritt nicht so wirklich vorankommt. Sein Webmaster hatte mir vor einiger Zeit sein Leid mit ihm geklagt und mich gebeten, ob ich da nicht mal vielleicht ganz sanft auf den Kollegen "einwirken" könne.
Mittlerweile hat dieser Kollege wenigstens genau die von Dir beschriebene Ein-Seiten-Webseite, aus der alles Wichtige über ihn hervorgeht.
Ich selbst habe eine Content-Management-System (CMS) Webseite, bei der ich im Hintergrund einzelne Seiten erstellen kann, bevor ich sie als Teil meines Webauftritts veröffentliche.
Zum Stichwort "Nichtfertigwerder" kommt mir der Beitrag von Ralf Senftleben in den Sinn, den er kürzlich Online gestellt hat:
Die wichtigsten zwei Stunden im Monat
Herzliche Grüße
Norbert