Die größte Herausforderung für Selbstständige
Ich grübele gerade öfter darüber nach, was für uns Selbstständige, Freiberufler und Unternehmer die größte Herausforderung oder der größte Engpass ist. Es ist wahrscheinlich für jeden von uns etwas anderes, aber vermutlich gibt es auch viele Gemeinsamkeiten bei den Schwierigkeiten, die uns auf unserem unternehmerischen Weg begegnen.
Ja, was ist wohl das größte Hindernis? Ich kann mich nicht richtig entscheiden. Aber ich glaube, ich habe ein paar gute Kandidaten:
- Ideen und Wissen (aus Büchern, Seminaren, Beratungen) wird nicht umgesetzt.
- Kein Überblick, sich verzetteln im „Kleinscheiß“ und fehlende Prioritäten – ich kümmere mich um das, was am lautesten brüllt.
- Keine Spezialisierung und kein Profil – ich mache alles für jeden, Hauptsache, es bringt Umsatz.
- Kein Gefühl dafür, wo im eigenen Geschäft die internen Engpässe sind, die einen vom Erfolg abschneiden (und wenn das Gefühl da ist, wird trotzdem oft nicht konsequent daran gearbeitet → siehe Punkt 1).
- Kein Gefühl dafür, wann man Nein sagen sollte, weil es einen vom eigenen Profil/der eigenen Spezialisierung wegführt (bei neuen Kooperationsangeboten oder Aufträgen).
- Aufgaben, die unter dem eigenen Mindeststundenlohn liegen oder keinen Spaß machen, werden nicht ausgelagert und nicht delegiert. (Noch schlimmer: Ich kenne meinen Mindeststundensatz nicht, den ich erzielen muss, um profitabel zu arbeiten.)
- Zu geringe Zielgruppenorientierung (Produkte/Leistungen werden oft eher am eigenen Geschmack als an den Engpässen/Problemen der eigenen Zielgruppe ausgerichtet).
- Keine robusten und eingespielten Systeme für Marketing, Akquise und Neukundengewinnung (und dadurch fehlende Stabilität in der Auftragslage).
- Selbstüberschätzung und als Folge davon wird Feedback von Mitarbeitern und von Kunden ignoriert.
- Selbstunterschätzung und als Folge davon traut man sich an bestimmte Kunden nicht heran oder man traut sich nicht, angemessene Preise zu verlangen und sich selbst angemessen darzustellen.
Es tut natürlich ein bisschen weh, hier ehrlich mit sich selbst zu sein, aber ich persönlich muss mich klar schuldig bekennen bei Punkt 6, teilweise bei Punkt 4 und ein kleines bisschen bei Punkt 2 und 1.
Bei welchen Punkten konnten Sie heftig nicken und welche der Punkte treffen auch ein bisschen auf Sie zu?
Oder vielleicht kennen Sie ja noch andere typische Probleme, mit denen wir uns selbst vom Erfolg abschneiden?
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Anmerkungen & Kommentare
Punkte 1. und 3. sind echte Volltreffer. Leider habe ich noch keinen Weg gefunden diese "Probleme" in den Griff zu bekommen.
In Punkt 1 bin ich wohl eher vorbildlich - wobei ich da noch eine Zusatzbemerkung machen möchte. Man kann nicht alle Ideen, die man hat, umsetzen - und trotzdem ist es gut und richtig, viele zu haben... Dazu mehr in einem tollen Buch von Barbara Sher.
Also ertappt habe ich mich bei Punkt 2, wobei es nicht mal das ist, was am lautesten brüllt. Sondern ich habe manchmal die Neigung, wenn der Stress zu groß wird, mich quasi aus Trotz mit den unwichtigsten Dinge zu beschäftigen und in Blog rumzulesen
Zu 6 noch eine Bemerkung:
ich habe nur noch einen Kooperationspartner, der ein viel zu geringes Honorar zahlt. In dem Punkt habe ich viel dazu gelernt. Aber:
es kann Sinn machen, nämlich dann, wenn die Arbeit mit solchen Kunden andere Vorteile mit sich bringt. In diesem Fall: darüber habe ich schon gute neue Kunden akquiriert und für mein Image ist es auch gut, diesen Job zu machen.
Eine andere Variante wäre: wenn ich etwas ganz neu ausprobiere, dass dann quasi als bezahlte Ausbildung zu sehen...
Ansonsten bin ich bei den anderen Punkte ganz emsig mit Marketing (Danke Frau Birkner!!) und Bücher schreiben, Positionierung - das ist alles gut
Ist ja auch mal schön.
Danke für die Anregungen.
Zu Punkt eins fällt mir ein Zitat von Friedrich Dürrenmatt (schweizer Schriftsteller) ein:
"Das Rationale am Menschen sind seine Einsichten, das Irrationale, dass er nicht danach handelt."
Herzliche Grüße aus Hamburg
Norbert Jothann
Und Rene: Wenn Sie nicht so richtig wissen, was Sie bei 1. und 3. anders machen können, könnten Sie ja mal die folgenden zwei Fragen ausprobieren:
1. Was hindert mich daran? Warum bekomme ich es noch nicht hin?
2. Wie kann ich diese "Hinderungsgründe" aus dem Weg räumen?
Das sind meine beiden liebsten Problemlösungsfragen, die ich mir jeden Tag mehrmals an den verschiedensten Punkten stelle.
danke für die vollständige Übersicht der unternehmerischen Schwachstellen. So kann ich Punkt für Punkt mit mir abarbeiten. Ich werde wohl von hinten anfangen - Punkt 10 ist schwierig: Was bin ich eigentlich wert ? Ich arbeite an meiner eigenen Einstellung seit letztem Jahr - und der Erfolg zeigt sich jetzt ganz klar. Heute denke ich: Professionelle Arbeit hat ihren Preis - und der wird gern gezahlt, wenn die Leistung stimmt.
Nun, Punkt 9 fällt für mich aus. Siehe Punkt 10.
So habe ich schon zwei Punkte weg
Motivierte Grüsse
Carola Böhmig
ordnungsservice
ich habe gut geschmunzelt, dass Punkt 9 schon mal weg fällt, "siehe Punkt 10". Das ist die richtige Einstellung
Das mit dem Sich-selbst-unterschätzen ist ja oft auch einfach, weil man es nicht so recht einschätzen kann: Wie gut bin ich denn im Verhältnis zu anderen? Und natürlich die "Preis-Frage": Was zahlt ein Kunde denn für sowas.
Dass gute Arbeit gerne bezahlt wird, ist auf alle Fälle so. Wir brauchen uns ja nur selbst als Beispiel nehmen. Ich weiß nicht, wie Sie es halten. Mir sind ganz viele Dinge wichtig außer dem Preis (der natürlich stimmen muss und der je nach Anschaffung/Leistung und Budget bestimmte Kriterien erfüllen muss). Aber für ganz viele Leute geht es nicht um den billigsten Preis, sondern es geht darum, dass es sich GELOHNT hat, dass der Gegenwert und der Nutzen für das, was man ausgibt, da ist.
Mir hat mal vor Ewigkeiten, bevor ich mich selbstständig gemacht habe, ein Unternehmensberater mit jahrzehntelanger internationaler Erfahrung gesagt: "Überleg Dir, was Du verlangen willst und dann schlag 20 Prozent auf. Denn die meisten handeln sich selbst von vornherein viel zu weit runter." Fand ich hilfreich, denn das war bei mir genau so.
PS: Ordnungsservice! Schöne Sache.
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Je nach Situation - heute Montag bis zum Eintreffen Ihres Newsletters - alle 10 Punkte. Na ja, so schlimm ist es auch wieder nicht. Aber einige Punkte muss ich mir schon "ankreiden".
Also los, an die Arbeit.
PS: Durch den Newsletter von unternehmenskick.de hat der Montag einen neuen Stellenwert. Vielen Dank.
Freundliche Grüsse aus der Schweiz