Das Selbstbehinderungssyndrom
Kürzlich gings ja um persönliche Erfolgsverhinderer.
Michaela: “Ich finde mich beim Selbstbehinderungssyndrom wieder. Das Vertrackte dabei ist, dass es immer weiter verstärkt. Nur wie komme ich da raus?”
Nochmal zur Erinnerung, was gemeint ist:
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Sie trauen sich etwas nicht zu. Ob das nun ein bestimmter Auftrag ist, den Sie dann doch lieber ablehnen. Ob Sie bei einer bestimmten Zielgruppe bleiben, weil Sie sie als einfacher und angenehmer erleben (zum Beispiel: eine Beraterin hilft lieber Existenzgründern als etablierten Firmen, ein Trainer bleibt lieber an der VHS, anstatt sich beim Top-Anbieter von Managementtrainings anzubieten). Oder ob es ein nächster Wachstumsschritt für Sie ist.
Das Problem: Sie glauben, dass Sie das nicht können/schaffen, oder aber wollen sich erst gar nicht der Situation aussetzen.
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Wenn man sich etwas nicht zutraut, dann kann das ja die vielfältigsten Gründe haben. Im anderen Beitrag in den Kommentaren habe ich auf Sylvias ähnlich gelagerte Frage, wie sie nur vom Ideenhaben und Träumen ins Tun kommen könnte, eine kleine Anleitung zum Selbstocoaching in die Kommentare geschrieben. Dabei geht es darum, sich mal mit den Gedanken und mutmaßlichen Auslösern näher zu befassen.
Hier in diesem Artikel will ich ein paar Anregungen liefern, wie Sie sich selbst anstacheln können, aus der Komfortzone herauszukommen.
Denn das ist ja der Clou am Sich-mehr-zuzutrauen. Man setzt sich Situationen aus, die man bisher meidet oder macht einen auf Hardcore getreu dem Motto Augen zu und durch.
- Klar kann ich das!
In einem Terry Pratchett Scheibenwelt-Roman habe ich vor einigen Jahren mal was ganz Wunderbares gelesen, und zwar:
Klar kann ich das! Ich habs nur noch nie gemacht.
Super, oder? Mich bringt das immer zum Schmunzeln und eine Leichtigkeit tut einem in so Zögermomenten eh gut. Machen Sie sich das zum Motto, soweit es Ihre Grundeinstellung angeht. Sie sind nicht blöd (um es mal ganz direkt und uncharmant auf den Punkt zu bringen), Sie kennen Ihr Fach, Sie stehen Ihre Frau/Ihren Mann und wenn Sie mit etwas Neuem konfrontiert werden, dürfen Sie ruhig ein bissl Lampenfieber haben oder mal was nicht wissen.
Wenn was völlig jenseits Ihres Wissens und Könnens ist, dann sagen Sie ja eh ab. Aber eine neue Zielgruppe oder ein etwas umgestricktes Angebot -> Das können Sie doch meistern! Sie haben schon ganz andere Dinge gemacht.
- Das hab ich auch gemeistert!
Denken Sie an Ihr Berufsleben zurück: Sie waren vielleicht, wie ich, früher in verschiedenen Firmen angestellt und haben überall mal neu angefangen oder eine Aufgabe frisch übernommen. Haben Sie da aus dem Stand alles gekonnt? Haben Sie souverän und ohne Bedenken zackizacki alles gemacht? Ich nicht. Haben Sie alle möglichen Sachen kennengelernt, Eigenschaften ausgebildet und Fähigkeiten erlernt? Dinge, bei denen Sie im Rückblick fast ehrfürchtig vor sich selbst erstarren? Ich schon.
Aber gut, ich wundere mich ja heute sogar noch wie ich jemals diese stressige Führerscheinprüfung geschafft habe. Auch das ein wunderbarer Maßstab: Suchen Sie sich aus Ihrem bisherigen Leben eine stressige und schwierige Situation aus. Haben Sies überlebt? Ja! Wars damals ganz furchtbar? Auch ja!
Mir hat es jahrelang noch geholfen, dass ich mir sagen konnte: So schlimm wie die blöde Führerscheinprüfung kanns nicht sein.
- Zureden oder Runterreden?
Hören Sie sich mal selbst zu: Wenn Sie sich an was nicht rantrauen, reden Sie sich dann runter und die Sache schlecht oder reden Sie sich zu und schauen Sie sich die Lage konstruktiv an?
Wenn Letzteres: Gratuliere. Wenn Ersteres: Ändern!
- Das will ich können. Das beweise ich mir jetzt.
Machen Sie einen Weiterentwicklungswettbewerb mit sich selbst (was für ein Wort!). Ich für mich weigere mich, dass ich vor irgendwelchen Taten zurückschrecken sollte.
Als ich früher totale Schwierigkeiten mit gemeinen Kunden und fiesen Beschwerden hatten, wollte ich nicht immer in der Defensive sein und sagte mir: Das lernst Du jetzt! Damits Dir damit besser geht und damit Dus kannst. Als ich als Teilnehmer bei Seminaren schon in der Vorstellungsrunde einen halben Herzinfarkt bekam, wenn ich nur meinen Namen laut sagen sollte, sagte ich mir: Ich rede jetzt bei jeder Gelegenheit vor Leuten, damit ich auch vor 300 Menschen souverän reden kann.
Bitte nehmen Sie das als Anregung, das auch zu tun. Das Leben wird so viel leichter, wenn Sie sich diesen Dingen stellen. Sie können viel mehr als Sie denken. Und wenns am Anfang etwas schwieriger ist oder das Herzchen pocht so what! Das ist halt so. Nicht schlimm. Aber wie schön, wenn Sie sich eins nach dem anderen beweisen, was Sie alles meistern können. Das bringt eine richtige positive Lawine ins Rollen.
- Was mich nicht umbringt, macht mich hart ...
Natürlich wird mal was in die Hose gehen oder Sie blamieren sich eine Runde ... auch das gehört dazu. Und auch das überleben Sie ... ein paar schöne Peinlichkeiten gibts hier. Und wenn Sie Fehler machen, dann werden Sie eine Runde rot, ärgern sich, aber dann ists auch wieder gut. Wichtig ist nur: Draus lernen!
Das sind meine Anregungen für Michaela und alle, die sich darin wiedererkennen. Gehen Sie einerseits ganz konkret Ihren Blockierern und Gedanken (und in diesem Fall: Unsicherheiten) auf den Grund und nutzen Sie diese fünf Anregungen, sich zu pushen.
Und dann suchen Sie sich jeden Tag eine Sache, die Sie sich trauen. Das müssen keine großen Dinge sein. Das können Kleinigkeiten im Alltag sein: Der Freundin einen anderen Kinofilm vorschlagen, wenn Sie bisher einfach immer mitgegangen sind. Dem Nachbarn Ihre Hilfe mit dem Computer anbieten, auch wenn Sie nicht so ganz sicher sind, ob Sie wirklich eine Lösung für sein Problem haben. Die Bedienung im Restaurant mal so richtig Auge in Auge offensiv und konkret loben, wenn Ihnen das eigentlich etwas unangenehm ist und Sie bisher nur lieber einen Euro mehr Trinkgeld rübergeschoben haben.
So Trockentraining bei kleinen Dingen hilft Ihnen enorm, um Ihre Trau- und Zuversichts-Muskeln zu trainieren die bilden Sie damit nämlich auch aus und können Sie dann im geschäftlichen Alltag nutzen.
Oh, und noch was für Ihr Business: Wenn Ihnen jemand einen Auftrag anträgt, bei dem Sie unsicher sind, dann benennen Sie doch Ihre Bedenken einfach. Aber bitte selbstbewusst: Das-und-das kann ich und mach ich gerne für Sie. In Punkt X zögere ich gerade selbst etwas, Sie merken es schon, weil ... ... und dann einfach sagen, was Sache ist. Das untermauert sogar noch Ihre Glaubwürdigkeit!
Was sind Ihre Tipps, um sich herauszufordern oder auch mal ins kalte Wasser zu springen?
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Anmerkungen & Kommentare
einen roten Faden habe ich noch nicht gefunden, aber drei Baustellen, die hilfreiche Ansätze für Dich sein dürften, den roten Faden zu finden. Gucke:
*Baustelle 1*:
_Jetzt kann ich selbst gestalten und habe auf einmal wenig Vertrauen in meine Fähigkeiten._
Konkretisiere für Dich: Was genau ist das wenig Vertrauen in Deine Fähigkeiten oder auch: Wo kommt es her/wie ist das "nicht so vertrauen" beschaffen?
(Das ist schon ein weites Feld: es kann daran liegen, dass der "Rahmen" eines Unternehmens fehlt; es kann sein, dass Du auf Dich alleine gestellt bist - auch wenn Du das bei früheren Projekten vielleicht faktisch auch warst, so warst Du im Kollegenkreis eingebunden, sowas kann sich schon anders anfühlen; es kann sein, dass es Lampenfieber ist oder oder oder.)
Wenn Du das nebulös lässt - wie das perfektionistisch angehauchte Leute gern mal machen
Aber an der Baustelle 1 würde ich nicht anfangen, sondern erst an 2 und 3 und danach an 1. Weil 1 von 2 und 3 abhängt.
*Baustelle 2*
_Ich habe im Bereich Aufbau und Finanzierung von Unternehmen und im Marketing in diesem Zusammenhang gearbeitet. Jetzt als Selbstständige biete ich ganz allgemein formuliert Unternehmensberatung und Coaching an._
Hier würde ich anfangen. Greif Dir ein großes Blatt Papier (oder mehrere) und drösel alle Deine Erfahrungen und Fähigkeiten und Bereiche, wo Du Ahnung hast, auf. Alles aufschreiben, was Du kannst.
"Im Bereich von Aufbau und Finanzierung von Unternehmen und Marketing" ist wieder Nebelwolke. Also konkret mal alles auflisten, was Du da gemacht hast und kannst.
Noch nicht überlegen, was davon eine Leistung oder Leistungspaket wäre. Hier kommt nämlich Baustelle Nr. 3 ins Spiel, die Dich blockieren dürfte:
*Baustelle 3:*
_Sondern ich suche nach einem Schwerpunkt, hinter dem ich stehe, der zu mir passt, der einen klaren Nutzen bringt und von dem ich überzeugt bin, dass ich in der Lage bin, die Aufträge professionell zu erledigen, und dass es dann einen Markt dafür gibt._
Du hast einen Nebel von Ausgangslage ("Finanzierungen/Aufbau von Unternehmen und Marketing" hab ich gemacht), Du hast ebenso schwammig beigemischt "Coaching und Beratung" und jetzt suchst Du in dem ganzen Brei einen Schwerpunkt,
- hinter dem Du stehst
- der einen klaren Nutzen bringt
- von dem Du überzeugst bist, dass Du ihn beherrscht
- dass es einen Markt dafür gibt
Also kein Wunder, dass Du blockiert bist
Das ist alles eine gute Nachricht: Fang bei Baustelle 2 an. Werd Dir über das klar, was Du in diesen ganzen Bereichen überhaupt kannst.
Dann markierst Du Dir die Sachen nach verschiedenen Dir wichtigen Kriterien, zum Beispiel bunte Marker:
ROT = interessiert mich wahnsinnig
GRÜN = beherrsche ich besonders gut
BLAU = war bei fast allen früheren Projekten ein Hauptproblem
... oder wie auch immer, also einen Sortierschlüssel, der Dir eine bessere Übersicht dessen gibt, was Du kannst und was Dich interessiert und so.
Aus diesem würdest Du IN EINEM SEPARATEN SCHRITT das Ganze dann unter Markt- und Kundengesichtspunkten betrachten: Wer braucht was etc. Daraus kannst Du Dich dann an mögliche Leistungen heranpirschen.
Und ab da wird's dann konkret und für Dich auch greifbar.
So wie ich Dich kenne, macht Dir das analytische Null Probleme, wenn Du erstmal den Wollfadenbeginn gefunden hast. Ich hoffe, dass Dir diese Nachricht vielleicht dafür bereits nützlich ist.
So, jetzt aber gute Nacht
Gitte
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Gitte Härter •
vielen Dank für die ausführliche Antwort, auch die Tipps für Silvia waren für mich gut.
Dennoch hadere ich mit mir. Ich habe nicht das Problem, dass mir jemand etwas anbietet, das ich mir nicht zutraue. Eher im Gegenteil. Wenn mir jemand etwas zutraut, habe ich genug Ideen wie ich die Sache umsetze. Mein Interesse ist geweckt und ich habe Vertrauen in meine Fähigkeiten und dann geht es los. Als ich angestellt war, war es auch so.
Jetzt kann ich selbst gestalten und habe auf einmal wenig Vertrauen in meine Fähigkeiten. Es hat ein Bisschen was mit Perfektionismus zu tun. Wenn jemand dafür bezahlt, muss ich auch Ahnung und Erfahrung von der Sache haben. (Das Zitat von Terry Pratchett passt hier.)
Ich finde nicht den Ansatzpunkt, den Knoten zum Platzen zu bringen. Ich habe im Bereich Aufbau und Finanzierung von Unternehmen und im Marketing in diesem Zusammenhang gearbeitet. Jetzt als Selbstständige biete ich ganz allgemein formuliert Unternehmensberatung und Coaching an.
Ich kreise um das Thema, dass ich nicht weiß, was ich ganz konkret anbieten will. Ich kann ja nicht sagen, ‚ich berate Sie mal eben’ und allen ist klar, warum sie mich beauftragen sollen.
Sondern ich suche nach einem Schwerpunkt, hinter dem ich stehe, der zu mir passt, der einen klaren Nutzen bringt und von dem ich überzeugt bin, dass ich in der Lage bin, die Aufträge professionell zu erledigen, und dass es dann einen Markt dafür gibt. Gutes Geld möchte ich damit auch noch verdienen.
So eine Art ‚Roter Faden’ oder eine ‚klare Linie’. Wie habt Ihr und alle, die diesen Beitrag lesen, ihn gefunden?
Grüße
Michaela