„Das liest ja eh keiner!“
Unternehmer, die ihre Selbstdarstellung texten (ob Website, Flyer, Produktbeschreibung oder Seminarausschreibung), denken manchmal, dass Interessenten keine Lust haben, Informationen zu lesen. Alles muss schnell gehen. Niemand hat mehr die Zeit oder Geduld, richtig zu lesen.
Das stimmt aber nicht!
Interessenten müssen immer neugierig gemacht und überzeugt werden.
Machen Sie doch einfach die Gegenprobe: Wenn Sie sich überlegen, jemanden zu buchen oder etwas anzuschaffen und beispielsweise im Internet recherchieren, dann sind Sie auf der Suche nach konkreten Informationen - und darüber hinaus zu klaren Angaben zu Rahmenbedingungen, Preisen & Co.
Wie oft haben Sie sich schon geärgert, dass
- nur Allgemeinplätze dastehen,
- “nähere Informationen“ oder Preisinformationen nur auf Anfrage gegeben werden,
- genau da, wo es interessant geworden wäre, die Infos aufhören.
In diesen Fällen klickt man weiter bis man jemanden findet, der einem die Informationen gibt, die man haben möchte.
Egal ob im Netz, in Ihrer Korrespondenz oder mündlich: Menschen möchten gute Informationen bekommen. Und die dürfen ruhig auch länger sein, so lange sie wirklich relevant sind. Wenn ein Text länger ist, muss er natürlich gut formuliert und angenehm lesbar sein. Also eine angenehme Schriftgröße haben, richtig geschrieben und der Text gut gegliedert sein: so, dass auch beim Überfliegen alles Wichtige klar wird.
Fallen Sie bitte nicht drauf rein, dass man „möglichst kurz und wenig“ schreiben sollte, weil „das eh keiner liest“. Denn den Auftrag bekommt dann der Branchenkollege, der gscheit informiert und die Zielgruppe aktiv ranholt.
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Anmerkungen & Kommentare
Genau wie Du sagst, ist es selten ein festes "Gesetz", das man befolgen müsste. Und abgesehen davon, dass die Dinge auch immer im Kontext wirken - wie wir parallel beim Schlagwörter-Bingo auch schon in den Kommentaren besprochen hatten - ist vieles davon auch der Ausdruck des eigenen Stils.
Aber natürlich gibt es grundsätzliche "Regeln", die immer hilfreich sind und oft auch nicht beachtet werden: dass Texte übersichtlich strukturiert werden, dass die Schrift nicht pipiklein ist, sondern gut lesbar und und und
Am allermeisten relevant ist die Kundenperspektive - und das ist so ein Klassiker, der uns allen "klar" ist und doch mit am meisten ignoriert ... oder nicht genug genutzt wird. Da gibt es praktisch immer noch was zu optimieren - und das ist ja auch eine gute Sache!
Viele Grüße
Gitte
na, das dockt ja an das tolle Seminar an, das ich bei dir gemacht habe (=Seminarausschreibungen).
Ich sag´s mal so: Es gibt Leute in meiner Branche, die labern sich echt aus ..... und das les ich nicht. Vorallen Dingen wenn sie noch in schlechter Schrift labern.
Etwas anderes ist, wenn ich eine "Ebene tiefer" klicken kann, nachdem ein Angebot kurz und gut angerissen wurde und dort, ene Ebene tiefer, ich dann einen Text gut formuliert vorfinde. Denn wenn ich tiefer klicke, heisst das: Interessiert mich. Dann bin ich ein Kunde, der bereit ist, "mehr" zu lesen.
Ansonsten bin ich selber an der Zielgruppe: "Ich les nur drei Sätze und will nur wissen, was du kostest", eh nicht interessiert. Das heisst durch die Art meines I-Netauftrittes ziehe ich dann auch entsprechende Leute an: die die lesen und die die (mit)denken.
Mich hat es in deinem Seminar sehr erleichtert, dass mir das ins Gehirn eingebrannte "Nix schreiben, die Leute lesen nix" endlich mal gelöscht wurde.
Es ist immer die Frage, wie man es macht. Und daran bastle ich jetzt.
Herzlich
Sylvia
bitte entschuldige, dass ich mich erst heute rühre: diese Woche ist völlig verrückt!
Das stimmt: das Thema dockt direkt an den Ausschreibungskurs an. Es geht genau, wie Du sagst, darum nicht einfach zu labern, sondern - auch im normalen Firmenauftritt - relevante und gute Informationen zu liefern.
Und das ist gar nicht trivial!
Besser könnte ich es gar nicht zusammenfassen:
---
Ansonsten bin ich selber an der Zielgruppe: "Ich les nur drei Sätze und will nur wissen, was du kostest", eh nicht interessiert. Das heisst durch die Art meines I-Netauftrittes ziehe ich dann auch entsprechende Leute an: die die lesen und die die (mit)denken.
Mich hat es in deinem Seminar sehr erleichtert, dass mir das ins Gehirn eingebrannte "Nix schreiben, die Leute lesen nix" endlich mal gelöscht wurde.
---
Viele Grüße
(und bis morgen per E-Mail!)
Gitte
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Bingo! Treffer! Das ist ein Thema, bei dem ich in letzter Zeit etwas grummelig werde.
Einer sagt, so ist richtig, eine andere sagt, nur so und nicht anders kommt es gut an und jemand anderes sagt, so müsst Ihr das machen, wenn Ihr wirklich Erfolg haben wollt.
Ich denke, dass es nicht generalisiert werden kann, ob lange oder (möglichst) kurze Texte der bessere Weg zum Interessenten und Kunden sind. Bei einigen Texten im Internet scheint es manchmal so, dass der jeweilige Verfasser einfach nicht in der Lage ist, auf den Punkt zu kommen.
Johann Wolfgang von Goethe soll angeblich dem 1802 geadelten Friedrich von Schiller geschrieben haben: "Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen einen langen Brief schreibe, für einen kurzen habe ich keine Zeit." - Der Hintergedanke dieser Entschuldigung ist wohl, daß man für einen kurzen Text sehr präzise nachdenken und genau formulieren muß, um exakt das auszusagen, was gemeint ist und letztlich beim Leser ankommen soll.
Bei längeren (oder endlos scheinenden) Texten kann man scheinbar mit ganz vielen Beispielen und Füllwörtern so lange formulieren und ausführen, bis das Thema relativ gut eingegrenzt, aber irgendwie doch nicht auf den Punkt gebracht wurde. Das merkt man dem Text dann leider auch an.
Vor einiger Zeit habe ich mich mit Anhängern unterschiedlicher Denkrichtungen über dieses Thema unterhalten. Jüngere sagten mir, dass in der heutigen Zeit ohnehin keiner mehr in der Lage ist, lange Texte zu lesen. Durch SMS und Twitter sind die Lesegewohnheiten eher auf Sätze mit maximal drei Kernaussagen reduziert. Mehr kann nicht im Kopf des Kurztexte gewöhnten Lesers verarbeitet werden. Überspitzt in etwa so: „Anklicken – Lesen – Weiterklicken“. – „Preis finden – zu teuer – zum nächsten Anbieter“. Informationen, die länger als ein Absatz sind, werden nicht mehr gelesen. Die Informationen müssen für diese Lesergruppe bereits aus den ersten zwei, drei Sätzen klar und nachvollziehbar hervorgehen. Ist dies nicht der Fall… - KLICK! Und weg…
Eine andere Gruppe sagte mir, dass Texte nach dem Prinzip der Pressemeldungen gestrickt sein müssen. Gleich im ersten Absatz stehen alle wichtigen Informationen. Wer, was, wann, warum, wieso, wohin, wie teuer und mit wem Kontakt. Alle folgenden Absätze sollen nach dem Buchdruckerprinzip von oben nach unten immer unwichtiger werden, so dass der Leser jederzeit aus dem Text aussteigen kann, aber bereits die Kerninformationen erhalten hat.
Ich merke an meinem Suchverhalten im Internet, was mich anspricht. Wenn der Einstieg in den jeweiligen Text schon langweilig, wenig informativ oder gar vom Schreibstil her mühselig ist, klicke ich zum nächsten Anbieter. Finde ich nur rudimentäre Texte auf einer „Schau’ nur, mich gibt es notwendiger Weise auch im Internet, aber ruf’ mich lieber an.“-Webseite, klicke ich ebenfalls ganz schnell zur nächsten Anbieterseite. Finde ich aber gleich zu Beginn der Seite, und sei es auch nur in einer Seitenspalte, die Kernbegriffe oder Hinweise, nach denen ich gesucht habe, bleibe ich länger auf dieser Seite im Internet.
Derzeit überarbeite ich die Inhalte und den Aufbau meiner Webseite. Auf der einen Seite bin ich selbst eher ungeduldig, wenn ich nach einem bestimmten Inhalt oder Angebot suche. Andererseits will ich aber auch ausführliche Informationen (manchmal auch über Preise) haben, wenn ich den entsprechenden Inhalt gefunden habe. Hinzu kommt, dass ich, wie Du es auch schon schreibst, Gitte, gute Informationen haben und bieten will. Hier ist somit mehr gefordert als nur ein SMS- oder „Twitter“-hafter Textanreißer. Also habe ich mir überlegt, einen Mix aus beidem zu bieten: Erstens: Angebot kurz anreißen. Zweitens: Weiterführende Informationen, in die sich der Suchende und interessierte Leser bei Bedarf dann auf den nachfolgenden Seiten (also nur einen KLICK entfernt) tiefer einlesen kann.
Bei der Schrift gibt es ja auch Vertreter unterschiedlicher Sichtweisen. Einige sagen, dass nur die Schriftarten mit Serifen („Füßen“) gut zu lesen seien, da das Auge hierdurch die Verbindung der Buchstaben besser erkennen kann. Dies soll das Lesen von Druckschriften erleichtern. Andere sagen, dass auf Internetseiten serifenlose Schriften besser zu lesen seien. Ja, was denn nun? Auf „unternehmenskick.de“ verwendet Ihr, wenn ich das richtig sehe, „Verdana, 12pt“. Diese Schrift ist für mich sehr gut am Bildschirm zu lesen. Ich habe mich vor ein paar Jahren auf die Schrift „Tahoma, 11pt oder 12pt“ festgelegt. Diese Schriftart gefällt mir und ist Verdana ähnlich, aber die einzelnen Zeichen stehen dichter zusammen. Auf diese Weise habe ich einen für mich schönen Schriftstil, benötige weniger Platz und nähere mich den Freunden der Serifenschriften an.
Fazit: Es kann nicht generalisiert werden. Jeder sollte selbst ausprobieren, womit seine Interessenten und Kunden am besten angesprochen werden. Der gewählte Auftritt sollte in Inhalt, Umfang und Schriftart zum Unternehmensauftritt passen.
Herzliche Grüße
Norbert