Brauchen wir einen Plan oder eher Prinzipien?
Hier kommt ein Zwischenergebnis aus unserer Umfrage, bei der bisher knapp 150 von Ihnen mitgemacht haben.
Erstaunlich ... das hätte ich nicht gedacht ...

Die beiden Spitzenreiter sind “Keine Strategie / Kein Plan” und “Schlechtes Selbstmanagement”.
Was mir dazu spontan eingefallen ist: Wenn ich keinen Plan habe, ist es ja eigentlich ganz gut, wenn mein Selbstmanagement schlecht ist. Stellen Sie sich vor, Sie haben keinen Plan, aber unheimlich viel Motivation und Disziplin, dann fahren Sie nur noch schneller gegen die Wand
Nur ein Scherz.
Ich persönlich glaube ja, es braucht für eine erfolgreiche Selbstständigkeit nicht unbedingt einen Plan oder eine Strategie. Wenn Sie mich fragen, braucht man eher ein paar Leitlinien / Leitprinzipien, nach denen man sich im Tagesgeschäft richtet.
Das sind so Dinge wie:
-
Schau dir an, was schon gut funktioniert und mache mehr davon.
-
Wenn etwas nicht funktioniert, hör auf damit und mache etwas anderes.
-
Tue Dinge, die du gut kannst, und was du gut kannst entscheidest nicht du, sondern deine Kunden und dein Erfolg im Markt.
-
Wenn dein Marketing nicht funktioniert, nützt das beste Produkt oder die beste Leistung niemanden etwas. Deswegen sollte das Marketing immer an Nr. 1 bei meinen Prioriäten stehen.
-
Über den Preis Kunden zu gewinnen ist etwas für LIDL und Aldi, aber nicht für Freiberufler und kleine Unternehmen. Deswegen ist es so wichtig, Produkte und Leistungen abzubieten, die andere so nicht anbieten, damit ich nicht in einen Preiskampf gerate.
-
usw. usw.
Nach meiner Erfahrung ist dauerhaftes, achtsames Experimentieren im Rahmen bestimmter Leitlinien wie die von oben viel wirksamer, als einen Plan oder eine Strategie zu haben und diesen zu verfolgen. Oder nicht?
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Anmerkungen & Kommentare
anstatt eines Plan verfolgen wir Leitlinien, die wir auch an unsere Bedürfnisse und unsere Lebenssituation anpassen können. Gefällt mir auch deshalb, weil ich beim Planen festgestellt habe, das es erstens anders kommt und zweitens als man denkt...
Genauso lebe ich übrigens seit einigen Jahren und ich lebe gut damit.
Gruß Mario Carla
Ralf, zu Deiner obigen Ausführung fällt mir ein alter Metaphernwitz ein:
Der Pilot, der sich über dem Atlantik verflogen hat, meldet an die Bodenstation: "Ich weiß zwar nicht, wo ich bin, aber ich mache Rekordzeit!"
Ich denke, ein Plan, nachdem man handeln, bewerten und entscheiden kann, ist schon recht hilfreich beim Handeln und Vorwärtsschreiten.
Wir klettern alle irgendwelche Leitern hoch, nur um hinterher festzustellen, dass sie an der falschen Mauer lehnen.
Strategie, Planung und eine vernünftige Arbeitsvorbereitung können uns helfen, das zu vermeiden.
Und Christian, für mich gibt es einen großen Unterschied zwischen Plan und Strategie (nach meiner Definition).
Eine Strategie basiert eher auf Prinzipien und gibt allgemeine Leitlinien (so wie ich es oben beschrieben habe)
Während ein Plan die konkreten Schritte von A nach B enthält.
Wenn man den Weg von A nach B genau kennt, dann macht das Sinn. Aber wann kennt man den schon?
Früher hätte ich mir ein Fuß wegargumentiert, dass Pläne sinnvoll und notwendig sind.
Aber neuerdings glaube ich immer weniger an Pläne, sondern bevorzuge es, mir eine Richtung vorzunehmen und dann einen Schritt in diese Richtung zu machen, zu schauen ob alles gut gegangen ist, dann den nächsten Schritt in die richtige Richtung zu machen.
Ein Vorbild ist da für mich die Softwareindustrie. Früher hat man auch versucht alles durchzuplanen. Mit dem Ergebnis, das 70% der Projekte (wenn man den Schätzungen glaubt) nie abgeschlossen wurden. Heute hat man gelernt, dass das so nicht funktioniert und geht eher iterativ / evolutionär vor ( Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Scrum ). Und erreicht bessere Ergebnisse in weniger Zeit.
Spannendes Thema
Früher hatte ich eine Aversion gegen Pläne. Immer schön spontan und kreativ.
Dann habe ich festgestellt, dass ich vor lauter Ideen, was ich noch alles tun könnte, kaum noch zum Handeln kam.
Ich denke, das ist auch ein Problem, was viele Selbstständige gerade am Anfang haben: Worauf beschränke ich mich? Und wie gehe ich das dann an? Erst dann kann ich ja merken, ob ich damit auch Erfolg habe oder nicht, pp.
Mit anderen Worten: Ich brauchte eine Strategie.
Nur eine Strategie reichte zumindest mir aber auch nicht, weil ich noch zu wenig festgelegt war, zu viele Möglichkeiten hatte, diese Strategie auch umzusetzen. (Das Dilemma bei allen, die noch keine eingefahrenen Geschäftsprozesse haben.)
Also habe ich mir mehrere Pläne gemacht. Solange es mit dem einen klappt, bleiben die anderen in der Schublade. Sorgt das Leben dafür, dass ich anpassen muss, wird abgeändert oder gegen einen anderen Plan eingetauscht.
Das funktioniert ziemlich gut, zumal Pläne für mich auch eher grobe Richtlinien sind, wie ich meine Strategie umsetzen will. Es sind Umsetzungshilfen, mehr nicht.
Und je mehr Erfahrung ich mit meinem Geschäft mache, desto weniger gerate ich auch in Versuchung, doch noch dieses oder welches auszuprobieren. Sondern immer zu schauen, wie das in meine aktuelle Strategie passt.
Ich glaube, mit diesem Modell könnten sich auch spontane Kreative wie ich anfreunden.
LG Heike
Gruß Lioba
Und das tut ja jeder: Wir selbst tun's auch: manchmal, indem man sich nach einem Kauf einfach die "gute Entscheidung" bestätigt - ein andermal, weil man einfach ein so tolles Gefühl ist oder den anderen so gerne mag - oder der Aha-Effekt ist so groß (was manchmal durch eine Kleinigkeit ausgelöst wird oder durch etwas, das man selbst gar nicht "gemacht" hat), dass der Effekt auf den Kunden enorm ist.
Viele Grüße
Gitte
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