Firmenauftritt

Bin ich das? – Ihr Unternehmensauftritt

Gitte Härter • 18.12.2008 • email Weiterempfehlen

Schauen Sie sich mal an, was Sie von sich verschicken: Ihre Visitenkarte, Ihr Briefpapier, vielleicht einen Flyer. Vermutlich haben Sie auch eine Website: Sind Sie das?

Wenn das, was Sie zeigen, Ihnen nicht entspricht, vermitteln Sie buchstäblich ein falsches Bild von sich. Und es kann sogar sein, dass Sie sich damit selbst blockieren.

Unzufrieden?

Vielleicht ist es Ihnen auch schonmal passiert, dass Sie sich fast geschämt haben, Ihre Webadresse rauszugeben oder Ihre Visitenkarte zu verteilen. Manchmal hat man plötzlich eine neue Erkenntnis, besucht ein Seminar oder sieht etwas bei jemandem ... und auf einmal trifft es einen wie ein Schlag: Iiiiih, wie konnte ich bisher so auftreten! Und auch wenn Sie die letzten Jahre total glücklich waren, wird plötzlich jeder Tag, wo das Bisherige noch im Umlauf ist, unerträglich.

Oft ist es nicht ganz so schlimm. Vielleicht hat Ihnen jemand etwas wunderbar gestaltet, das Ding sieht toll aus, aber Sie können sich einfach nicht damit identifizieren.

Mein Bruder, Ernst Härter, kann davon ein Liedchen singen. Er hat mir netterweise erlaubt, hier davon zu berichten.

Vor mehreren Jahren ließ er sich von einer Agentur einen Flyer gestalten. „Der erste Fehler“, so sagt er, „war, dass ich akzeptiert habe, dass die Agenturchefin das an einen Lehrling delegiert hat.“ Dieser kannte ihn nämlich überhaupt nicht und so kam zwar ein ganz hübscher Flyer raus, der ihm aber überhaupt nicht entsprach.

image

Es ist ein toller Flyer - keine Frage: ein besonderes Format, schöne Farben und Formen, ein hochwertiges Papier. Aber er ist verspielt und verschlungen und auch textlich alles, was mein Bruder nicht ist. Denn er ist: schnörkellos, geradlinig, praktisch, klar, bodenständig, „aufgeräumt“ ...

Warum hat er nicht irgendwann abgebrochen, sondern das Ding sogar fertigdrucken lassen? Es wurde ihm erst in dem Moment klar, als es darum ging, den Flyer zu verbreiten. Der Gedanke, ihn an bestehende Kunden, Geschäftskontakte und an Neukunden zu schicken, war ihm regelrecht zuwider.


Das gilt natürlich generell – auch für alle Werbemittel, die Sie selbst erstellen. Vielleicht stehen Sie noch am Beginn Ihrer Selbstständigkeit und drucken (wie wir früher auch) Ihr Briefpapier mit einem Farbtintenstrahler aus. Dann haben Sie vielleicht auch ständig ein nagendes Gefühl, dass das nicht wirklich nach „richtiger Firma“ aussieht. So ging es mir in der ersten Zeit. Wir haben gutes Papier genommen, es war gut ausgedruckt – aber es war eben offensichtlich ein selbstgebasteltes Briefpapier, das nach Hobbyfirma aussah.


Es gibt zahlreiche Gründe, warum man mit seinem Unternehmensauftritt nicht glücklich ist, zum Beispiel:

  • Sie geben, wie eben beschrieben, ein falsches Bild ab – oder es wird Ihnen nicht gerecht.
  • Text und Aufmachung entspricht Ihnen nicht oder Sie fühlen sich nicht damit wohl, vielleicht sogar weil es zu professionell und „schlau“ daherkommt.
  • Sie sind unzufrieden mit Ihrer Firma und möchten eigentlich gar nicht mehr das machen, was Sie machen.
  • Der Unternehmensauftritt – oder Bestandteile davon – sind veraltet: vom Look oder auch von den Leistungen her.
  • Es sind Fehler drin: Schreibfehler, die Sie übersehen haben, aber dreitausend Stück nicht einfach wegwerfen wollen.
  • Es melden sich nicht die richtigen Leute. Ihr Unternehmensauftritt ist nicht nur ein ZEIGEN und VORSTELLEN, sondern er soll auch für Sie einen Filter setzen und genau die zu Ihnen passenden Kunden ansprechen. Wenn Sie merken, dass immer die falschen Leute kommen oder Aufträge, die gar nicht recht passen, dann überprüfen Sie, wie Sie auftreten: Dann ist entweder der Wurm drin oder aber Sie zeigen noch kein klares Profil.


Wenn Sie unzufrieden mit Ihren Werbemitteln sind, ist das ein Akquisehemmer!  
„Man muss auch den Mut haben, etwas einzustampfen“, sagt mein Bruder – den diese Aktion natürlich unnötig Zeit und eine Stange Geld gekostet hat. Da ärgert man sich natürlich doppelt, aber ausschlaggebend ist die wichtigste Frage:

BIN DAS ICH? Wird meine Persönlichkeit und mein Leistungsspektrum klar vermittelt? Schicke ich meine Werbemittel gerne als Stellvertreter für mich ins Rennen?


Die Erkenntnis, dass dem nicht so ist, und dass es vielleicht damit verbunden ist, etwas stapelweise einzustampfen, tut weh, aber es ist eine wichtige Säule für Ihren Geschäftserfolg. Sie würden weniger akquirieren, selbst nicht besonders überzeugend sein, die falschen Leute anziehen und sich bei der Entwicklung Ihres Geschäfts deutlich mehr blockieren, als Sie dieses Lehrgeld kostet.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Norbert Jothann am 18.12.2008
Hallo, Gitte!

Du bist aber fleißig. Und schon wieder ein neuer, interessanter Beitrag innerhalb kürzester Zeit.

Danke für diesen Beitrag. Indirekt fühle ich mich dadurch bestärkt, meinen "Auftritt" in der von mir gedachten Form zu verändern.

Ganz in dem Sinne: "Das bin ich!" wink

Der Selbstlernkurs von Ralf unterstützt mich gedanklich dabei.
Webseiten, die für Sie verkaufen

Das Beispiel der Webseite Deines Bruders bestätigt mich darin, daß auch relativ sachlich gestaltete Seiten sehr viel von der Persönlichkeit des Anbieters wiedergeben können.

Herzliche Grüße
Norbert
Von: Gitte Härter am 18.12.2008
Hallo Norbert,

ja, ich bin diese Woche voller Schaffenskraft, obwohl ich ganz planlos abwechsle zwischen Jahresendaufräumen, lose Enden abschließen, die nächsten Projekte vorzubereiten krieg ich irgendwie gut was erledigt - da ist das Blogschreiben eine schöne Abwechslung zwischenrein.

Schön, dass Dir der Artikel nützlich ist und Dich die Website meines Bruders auch noch bestärkt hat. Man kann wirklich enorm viel preisgeben UND gleichzeitig seiner eigenen Art treu bleiben. Das ist ja das Schöne: Sachlich muss nicht "neutral" sein und viel sagen hat nicht mit viel reden (oder schreiben) zu tun.

Viel Spaß beim Überarbeiten Deiner Website. Da wird Dir Ralfs Kurs sicherlich sehr nützlich sein. Unsere eigene Website (also die selbstmarketing.de) werde ich Ende des Jahres auch nochmal anhand einiger von Ralfs Anregungen umbauen. Da hat er mit zeitzuleben.de wirklich eine wahnsinnige Erfahrung.

Immer ist was zu machen. Jetzt ist es erstmal Kaffee wink

Schöne Grüße ins sicherlich bitterkalte Hamburg
Gitte

PS: fiesen Wind habt Ihr da - mich schüttelt's noch beim bloßen Gedanken
Von: Norbert Jothann am 19.12.2008
...bitterkaltes Hamburg...
...fieser Wind...

Na, ich denke, wenn man in Norddeutschland und speziell in der für uns Hamburger schönsten Stadt der Welt aufgewachsen ist, empfindet man diesen Wind und dieses spezielle Wetter als nicht so schlimm.

Ganz nach dem Motto: "Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung." Mützen, Handschuhe, Wollschals und hochgeschlagene Kragen helfen hierbei sicherlich ganz gut, um sich gegen den Wind und die hiesigen Witterungsverhältnisse zu schützen.

Allerdings muß ich anmerken, daß meine Frau meine Sichtweise in dieser Frage nicht so unbedingt teilt. Sie meint hin und wieder, daß es einfach "Bäh" und kalt sei. Punkt. Nun...

...ich gebe dann gerne einen Sinnspruch zum Besten, der Protagoras aus Abdera zugeordnet wird. Er lebte von 490 bis 411 vor Christi Geburt:

"Dem Frierenden ist der Wind kalt, dem Nichtfrierenden nicht."

Für den seinerzeit in Ungnade gefallenen Protagoras gab es keine allgemein gültige, verbindliche Wahrheit, sondern nur eine subjektive Wahrnehmung. wink

Herzliche Grüße aus dem heute eher nass-kalten Hamburg

Norbert
Von: Gitte Härter am 19.12.2008
Hallo Norbert,

da ist meine Bemerkung über den fiesen Hamburger Wind (den ich vor Jahren einige Mal zu spüren bekam und wirklich entsetzlich fand!) ja gleich richtig philosophisch geworden.

Es ist ja doch immer alles eine Sache der Sichtweise ... oder des Akzeptierens.

"Dem Frierenden ist der Wind kalt, dem Nichtfrierenden nicht." - Hochachtung an Deine Frau, die nicht nur die Kälte, sondern auch noch so einen Spruch ertragen muss wink

Viele Grüße
Gitte
Von: Norbert Jothann am 19.12.2008
Hallo, Gitte!

Na, ich habe ja nicht gesagt, daß meine Frau diesen Spruch einfach so hinnimmt, also erträgt... wink

Wer derlei Sprüche "absondert", darf sich über die Antworten nicht wundern.grin

Meine Frau und Partnerin ist ein selbstbewußter Mensch, der nicht auf den Mund gefallen ist und im Leben ihre Frau steht.

Und das ist auch gut so! grin

Herzliche Grüße
Norbert
Von: Zamyat M. Klein am 19.12.2008
Hallo ihr Lieben,

wenn ich denn mal wieder auf das Thema des Beitrags zurück kommen dürfte grin
(ich gehöre im Übrigen zu den absoluten Frierpittern... zitter di zitter...)

Das kann ich nur bestärken! Als ich mich mal aufraffte, mir eine richtige Logoentwicklung zu leisten (wozu eben nicht nur das Logo, sondern Schrifttyp, Farbe, Papiersorte und - farbe etc. etc. gehörte, habe ich die enorme Veränderung in meinem Selbstbewusstsein und in meiner Außenwirkung gemerkt.

Es war ein qualitativer Sprung.

Nun hatte ich eine Logo- Designerin, die sich 2 Stunden mit mir unterhalten hat und wohl über ein sehr großes Einfühlungsvermögen verfügte. Sie hat mir vier Vorschläge präsentiert - und ich fühlte mich absolut gesehen.

Es war mir aber auch sofort klar, welcher der vier Entwürfe es war.

Es ist noch heute so, dass ich jedes Mal total gerne mein Briefpapier und die Umschläge in die Hand nehme und denke: "boh, was kriegen die jetzt ein tolles hochwertiges Schreiben." Es ist strahlend, hell, sonnig, genau meine Farben und drückt das aus, was ich vermitteln möchte.

Das hat zwar einiges gekostet - war aber Lichtjahre entfernt von meinen selbstgebastelten Vorgängern.

Dem Wochenende entgegen
Zamyat
Von: Norbert Jothann am 19.12.2008
Hallo, Zamyat!
Hallo, Gitte!

Vor ein paar Jahren hatte ich mit einem Berater zu tun, der seinen Kunden dabei half, eine "Corporate Identity" zu entwickeln. Hier gehörte dann, neben der Philosophie, die gesamte Darstellung nach außen dazu. Bis ins kleinste Detail.

Das Lieblingswort dieses Beraters schien "Haptik" zu sein. Alles mußte "haptisch" (griechisch: haptikos = greifbar) sein. Die Präsentationsmappe, die Visitenkarte, das Briefpapier, die Namensschilder...

Das Ziel war, wenn ich es richtig verstanden habe, Materialien zu wählen, deren Oberflächen, aber auch deren materielle Gesamtheit so beschaffen sind, daß ein Interessent / Kunde diese "Darstellungsmittel" gar nicht mehr aus der Hand geben will.

Ich hielt das seinerzeit für ein etwas übertriebenes Herangehen an dieses Thema. Kürzlich hatte ich jedoch eine Heftmappe in meine Hände bekommen, wie sie in den 50er und 60er Jahren üblich waren. Die aus Pappe bestehende Mappe fühlte sich an wie edler Kleiderstoff. Ich merkte, wie ich immer wieder mit meiner Hand über den Mappendeckel strich. Ein gutes Gefühl.

Rückblickend muß ich dem Berater Recht geben. Nicht nur Farben und Formate sind wichtig, sondern auch die richtigen Materialien.

Herzliche Grüße
Norbert
Von: Gitte Härter am 19.12.2008
Hallo Zamyat,

ein tolles Beispiel, danke! - Die eigene Freude (immer wieder aufs Neue), etwas zu verschicken, das Dich würdig vertritt, genau das vermittelt, was Du möchtest und sogar einen merklichen Unterschied im Selbstbewusstsein, als Du den Schritt zum "richtigen" Auftritt gemacht hast (wobei "richtig" nicht immer zwingend ein Externer sein muss).

Gerade zu Beginn ist es oft eine Geldfrage: Für die Mitleser, die gerade in der Situation stecken, nochmal der Hinweis

- Suchen Sie sich andere Existenzgründer oder "frische" Selbstständige, die sind auch noch günstiger oder machen einen Freundschaftspreis, um Referenzen zu erhalten.

- Es gibt für Gründer oder Einzelkämpfer bei vielen Grafikern günstige Starterpakete (allerdings Vorsicht: das ist oft auch Standard aus der Konserve - wir haben einen Billiglogoanbieter für unternehmenskick.de ausprobiert und das war leidenschaftslose Standardware, die jeweils in fünf verschiedenen Farben gedruckt war, damit es nach mehr aussieht).

- Tauschgeschäfte mit anderen Einzelunternehmen eingehen: Ich installier Dir Deinen PC, Du machst mir ein Logo o. Ä.

- oder, wie in meinem Logo-Artikel geschrieben: Grafikstudenten suchen oder als Projektarbeit an Grafikschulen


@Norbert:

Das mit dem "Haptischen" kann ich auch bestätigen. Fällt mir immer wieder bei Papier auf: Das macht so viel aus - mit einem tollen Material oder auch einem Papier mit Struktur lässt sich der gesamte Eindruck komplett verändern. Und es gibt leider auch das Gegenteil von Deinem schönen Beispiel, dass man gern drüberstreicht: nämlich ein unangenehmes Gefühl.

Ein schönes Wochenende
Gitte
Von: Sonja M. Berndl am 20.12.2008
Mir ist es mit dem "Einstampfen" von Drucksachen auch schon so gegangen. Ich habe Visitenkarten und Flyer mit einem Photo personalisiert. Irgendwann (ziemlich schnell, nachdem ich sie habe machen lassen) hat mir das Photo gefühlsmäßig nicht mehr entsprochen. Ich habe die Karten und Flyer gar nicht mehr gerne aus der Hand gegeben. Dann habe ich mir neue machen lassen, obwohl ich noch hunderte von den anderen hatte. Ich war anschließend mit den neuen Visitenkarten und Flyern aber viel, viel glücklicher! Das war ein viel besseres Gefühl.

Das ist jetzt noch gar nicht lange her und was soll ich sagen? Jetzt gefällt mir zwar mein Photo immer noch, aber es entspricht nicht mehr meiner Persönlichkeit. Wenn ich es aus der Hand gebe, fühle ich mich unwohl. Deshalb werde ich das Ganze jetzt wiederholen: Drucksachen einstampfen (ein Stück behalte ich als Erinnerung zurück grin ) und neu machen lassen. Da ist "Loslassen" gefragt.

Herzliche Grüße und eine ruhige Zeit!

Sonja

PS: Ich gehöre zu den Menschen, die auch bei -10 Grad liebend gerne durch den Schnee stapfen und die Natur genießen.
Von: Gitte Härter am 22.12.2008
Guten Morgen Sonja,

ein wunderbares Beispiel! Gerade bei einem Foto, das man ja "noch viel mehr ist" als irgendein Logo oder eine Farbe.

Finde ich großartig, dass Sie das dann auch ändern - mit dem guten Gefühl, dass es Ihnen danach mit einem aktuellen Bild einfach viel besser geht ... und damit neben vielleicht mehr Aktion auf jeden Fall ein glücklicheres Gefühl einhergeht, die Werbemittel zu verteilen.

Genau: Das LOSLASSEN ist auch noch so ein wichtiger Aspekt!

Einen schönen Tag
Gitte

PS: Ja, Schnee und kalt kann sogar sehr schön sein, finde ich auch. Aber fieser durchMarkundBeindringender Hamburgwind ist, finde ich weicheieriger Bayer, nochmal eine ganz andere Liga ... brrrrrr
Von: Fabian am 26.09.2009
Hatte seit 3 Jahren noch 2500 Flyer in meinem Büro, die "eigentlich" ganz gut waren - jetzt sind sie endlich im Altpapier. Danke!
Von: Gitte Härter am 28.09.2009
Gratulation, Fabian!! grin

Das ist immer toll, diesen Schritt zu machen ... es erleichtert und macht buchstäblich Platz für Neues!

 

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