Finanzielles

Billig macht mir Angst

Gitte Härter • 28.07.2008 • email Weiterempfehlen

Ich weiß, dass es durchaus Kunden gibt, denen nichts billig genug sein kann. Wenn ich im Fernsehen wieder einmal Leute sehe, die einen Türkei-Urlaub für 50 Euro Vollpension für eine Woche buchen, schlackern mir die Ohren (und die Drehzahl meiner Ohren erhöht sich, wenn ich mir empörte Klagen darüber anhören muss, dass es sich dabei nicht um ein Luxushotel direkt am Meer mit Fünfsterne-Buffet handelte, aber das ist ein anderes Thema).
Jedenfalls sage ich Ihnen aus Kundensicht: Dumpingpreise animieren mich nicht zum Kauf, sondern sie schrecken mich ab. Und bestimmt bin ich damit nicht alleine ...

Damenhaarschnitte ab* 14 Euro, Herren 9 Euro.

Das habe ich gestern auf dem Schaufenster eines Friseurs gesehen. Fest aufgeklebt, also keine Aktion.

  • Mein erster Gedanke: Was mag das wohl für ein Haarschnitt sein?
  • Mein zweiter Gedanke: Wenn der Friseur das immer macht, muss er entweder eine enorme Auslastung haben oder er kommt auf keinen grünen Zweig.
  • Mein dritter Gedanke: ... oder ich werde beschissen und es handelt sich um ein Lockangebot. Immerhin gibt es, was fast immer ein schlechtes Zeichen ist, ein Fußnotensternchen beim „ab“.

excaim Fragezeichen und Hürden im Kopf Ihrer potenziellen Kunden sind immer schlecht. Und Fußnoten, auch wenn sie ganz legitim und fair sind, erwecken – genauso wie das buchstäbliche Kleingedruckte – Misstrauen. Machen Sie ein klares Angebot. Ohne versteckte, nähere Erklärungen. Und rechnen Sie sich ein günstiges Angebot vorher realistisch durch.

Für 19 Euro nach Mallorca

Ja, ich weiß: Natürlich ist es emotional und irrational bei einem solchen Angebot Todesangst zu bekommen. Und ja, ich weiß auch, dass das ein ganz normales Flugzeug ist, mit dem die Fluggesellschaften einfach nur ihre Auslastung erhöhen. Und ja, direkt neben mir im Flieger würden Leute sitzen, die Hunderte von Euro für den gleichen Flug gelöhnt haben. Aber all das ändert für mich nichts. Bei 19 Euro Flugpreis habe ich Angst.

excaim Es stimmt nicht, dass alle Kunden nur nach dem Preis gehen und immer weniger zu zahlen bereit sind. Es stimmt auch nicht, dass der Preis für Ihre Kunden das einzige Kriterium ist. Kunden legen unterschiedlichen Wert auf Rahmenaspekte: Bei manchen zählt der Preis sogar überhaupt nicht, solange sie das Gefühl haben, einen guten Deal gemacht zu haben (und das sollte auch mit einschließen, dass Sie Ihre Kunden niemals bewusst „abzocken“, aber das tun Sie ja bestimmt eh nicht). Denken Sie auch daran, dass Sie nicht wissen, wenn Sie es nicht herausfinden, was Ihr potenzieller Kunde jeweils denkt. Wenn Sie – wie das leider viele Kleinunternehmer tun – lediglich mit dem Preisargument winken, dann vergeben Sie sich Chancen. Denn Sie machen sich bei einem Teil der Kunden mit einem Dumpingpreis regelrecht uninteressant und Sie verpassen es, andere mit guten Argumenten für sich zu gewinnen.

Riesenschnitzel mit Beilagen für nur 5 Euro!

In der Gastronomie sieht man das mehr und mehr. Aber nicht als Aktion wie etwa täglich ein günstigeres Gericht – praktisch als Mischkalkulation. Oft sind es ständige Festpreise. Eine Freundin hat mir von einem Lokal erzählt, in dem alle Hauptgerichte auf der Karte nur jeweils 5 Euro kosten und die Teller üppig beladen sind.

Mich beunruhigt das. Ich will kein Schnitzel mit Beilagen essen, das nur 5 Euro kostet. Da schreit mich „Minderwertigkeit“ an. – Auch hier gilt natürlich, was oben beim Friseurbeispiel schon steht: Vielleicht ist die Qualität hervorragend, aber der Gastwirt geht in Kürze pleite, außer er hat einen enormen Durchsatz an Essen.

Auch bei Produkten sieht es natürlich ganz genauso aus: Schauen Sie sich mal im Kaufhaus die Kleidung an, die als ständig günstiger Sonderposten angeboten wird: meist sind es ramschige Stoffe mit schlechter Verarbeitung.

excaim Zu günstige Preise sind häufig ein Grund zur Beunruhigung. Getreu dem Spruch: So billig? - Das kann nichts sein.

Die Kundenperspektive

Wieder einmal möchte ich Sie dazu animieren, mal bei Ihrem eigenen Kaufverhalten anzusetzen. Wie geht es Ihnen mit solchen Beispielen? Vielleicht ticken Sie so ähnlich wie ich. Vielleicht sehen Sie es aber auch völlig anders. Es hilft, sich dessen bewusst zu sein ... aber immer mit dem Wissen, dass man selbst nicht das Maß aller Dinge ist.

Natürlich gibt es Preisjäger, die vorrangig nach dem Preisschild schauen (oder das tun müssen). Aber es gibt eine ganze Menge unterschiedlicher Sichtweisen und Schwerpunkte, die Ihr angestrebter und bestehender Kundenkreis hat.

Auch, was individuelle Präferenzen angeht, wofür Menschen Geld auszugeben bereit sind. So ist es für manche Menschen wichtig, zwei- oder dreimal im Jahr in Urlaub zu fahren. Andere möchten für eine Urlaubswoche nicht mehrere Hundert Euro ausgeben, sondern investieren lieber in ein hochwertiges Möbelstück. Wieder andere finden teure Möbel unnötig, das billige IKEA-Regal tut’s doch auch ... dafür gehen sie lieber öfter mal schick ins Restaurant, wo Sie wieder andere niemals finden werden, denn Nudeln koche ich mir zu Hause doch viel günstiger.

Preis-Paranoia

Viele Selbstständige leiden unter Preisparanoia: Sie sind felsenfest davon überzeugt, dass ein Kunde nicht mehr zu zahlen bereit ist. Das nimmt oft absurde Formen an. Im Extremfall handelt man sich selbst so weit herunter, dass die Kunden genau aus diesem Grund wegbleiben, weil „das ja nichts Gescheites sein kann“. Oder aber man bekommt Kunden, die Kosten übersteigen aber trotz guter Auslastung die Einnahmen.

Tatsache ist: Preis-Paranoia ist immer hausgemacht.

In jeder Branche finden Sie Vertreter aller Preissegmente. Und Sie finden – wenn die Qualität stimmt – auch genug Kunden, die diese Preise jeweils zu bezahlen bereit sind. Und wenn Ihre Zielgruppe Menschen sind, die auf jeden Cent schauen müssen, dann überdenken Sie Ihre Geschäftsidee und Zielgruppe.

PS: Ein schlaues Fazit gibt es nicht. Ich wollte Ihnen nur mal einige aktuelle Beobachtungen mitteilen und Anregungen dazu ins Gehirn pflanzen.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Ralf Senftleben am 28.07.2008
Gitte, mir macht das auch Angst. Ein schönes Beispiel, wo das hinführt, sind die USA, wo durch Preiskampf die Qualität der Lebensmittel in den letzten 30 Jahren dramatisch gesunken sind. Das ist vielleicht auch mit dafür verantwortlich, dass dort seit ein paar Jahren die Lebenserwartung wieder rückläufig ist.

Ein anderes Beispiel sind Flatrates für Telefon und DSL und und und für 29 €. Prinzipiell nicht schlecht, bis ich das erste mal ein Problem habe und 7 Tage in der Warteschlange stecke. Da zahle ich lieber 100 € im Monat für meinen Business-Telekom-Anschluss und habe dann auch sofort jemanden am Apperat, wenn ich ein Problem habe.

Ralf
Von: Ralf Senftleben am 28.07.2008
Ach und noch etwas... ich hätte ein Fazit.

Wenn ich als Kleinunternehmer über den Preis gehe, habe ich immer verloren. Wenn meine Kunden meine Leistungen oder Produkte nur kaufen, wenn ich günstig bin, dann

* bin ich nicht gut genug, indem was ich tue,
* oder ich bin in einem überlaufenen Markt und habe kein Alleinstellungsmerkmal und das ist als Kleinunternehmer tödlich.

Wenn man keine hohen Preise durchsetzen kann, dann ist das für mich immer ein Hinweis, das eigene Leistungsangebot ganz schnell zu überdenken.

Ralf
Von: Elisabeth am 29.07.2008
Es gibt halt leider auch genug Firmen, die gute Qualität zu guten Preisen anbieten. Dort kaufe ich am liebsten, ich hab halt nicht so viel Geld und offensichtlich denken viele Menschen so, sonst wären nicht Firmen wie Aldi so erfolgreich. Aldi ist das beste Beispiel das billig nicht schlechte Qualität bedeuten muss. Zumindest bei uns in Ö ist das so.
Von: Ursula Kruck-Hantschel am 29.07.2008
Hallo & Guten Morgen,

- wo soll das noch hinführen...
Darüber habe ich mir auch schon öfters Gedanken gemacht.

Nun, inzwischen meine ich, dass Kunden gelernt haben zu differenzieren, auch aus gemachten Erfahrungen.

"Will ich Qualität" oder renn ich lieber hinter einem Schnäppchen her? Will ich für mein Geld etwas, was mir länger Nutzen bringt und verschleudere ich es für zweitklassige Waren und Produkte. Wie viel kann ich investieren?

Ich sehe ein Potential an Kunden, dass noch blind fixiert auf „billig“ und durch Werbeslogan wie „Geiz ist geil“ stark beeinflusst wurde, habe jedoch schon viele erlebt, die wieder umschwenken.

Persönlich assoziiere ich billig mit geringfügiger Qualität und „kostengünstig“ mit guter und sehr guter Qualität. Hier ist aus meiner Sicht ein Ansatz zur Differenzierung in dem Produktangebot.

Ich sehe den Trend schon dahin gehen, dass Kunden wieder mehr Wert auf bleibende Werte legen, wer will den schon gerne „über den Tisch gezogen“ werden und für sein Geld nicht den entsprechenden Gegenwert erhalten?

Nun gibt es Kunden, die sich keine Gedanken über den Preis machen müssen, andere wiederum den Cent zweimal umdrehen müssen, bevor sie ihn investieren können,
das resultiert nicht zuletzt aus der momentan wirtschaftlich inflationären Phase.

So beleuchte ich gerne die Situation aus verschiedenen Perspektiven, um Kunden zu verstehen.

Mir macht die Situation keine Angst, denn ich sehe mit Weitblick eine Änderung kommen und ich meine, dass es jeder von uns in der Hand hat, wohin wir die Lösung lenken.. wink

Liebe Grüße
Ursula
Von: Zamyat M. Klein am 29.07.2008
Liebe Gitte Härter,

wieder ein klasse Thema! Mir direkt aus dem Herzen!
*** Preise für Trainings und Seminare
Erst einmal zum Arbeitsbereich. Interessanterweise habe ich vor einigen Tagen in der aktuellen Ausgabe von managerSeminare einen Artikel genau zu dem Thema gelesen. Dort wurde über Seminaranbieter geschrieben, die Seminare zu absoluten Dumpingpreisen anboten (die Preise mag ich gar nicht hier schreiben, so gruselig ist es) - und natürlich auch die Trainer entsprechend grottenschlecht bezahlten. Und sie sind auf die Nase gefallen.
Denn die Unternehmen, die sie buchen sollten, haben wohl ähnlich wie Sie schreiben gedacht: das kann nichts sein!
(Und in der Tat denke ich, dass das nur Seminare von der Stange sein können, wo ein Trainer fertige Folien auflegt, und Konzepte vermittelt, die er nicht selbst entwickelt hat- ebenfalls eine grausige Vorstellung).

Ich persönlich habe in meiner langen Trainerzeit (nun seit 28 Jahren) natürlich die diversen Entwicklungen durchgemacht. Von ersten Seminaren bei VHS und Bildungswerken, die natürlich "nichts" zahlen über Insitute, die auch nicht soo viel zahlten, aber 1. die Akquise und die ganze Orga übernahmen und mir 2. zudem viele Seminare boten, die auch sicher waren (!) Und 3. machten diese Seminare ungeheuren Spaß, weil es hochmotivierte Teilnehmer waren und Themen, die mir auf den Leib geschrieben waren. Bis ich mich irgendwann von dem Thema "Lehrer- und Ausbilderfortildung" verabschiedete. Nun mache ich nur noch Seminar für Trainer und Unternehmen.

Auch da eine kontinuierliche Entwicklung. Und ich verstehe die Ängste gut, sich nicht zu "trauen" vernünftige Preise zu nehmen. Vor allem in den letzten Jahren, wo sozusagen eine Trainerschwemme einsetzte und eben auch viele Niedrig-Preiser.

Entscheidend ist (natürlich neben einem guten Produkt oder eine guten Dienstleistung!), dass man selbst von seinem Angebot überzeugt ist und es wertschätzt. Wenn ich sehe, was ich an Ausbildungen und Fortbildungen investiert habe, wie akribisch ich Seminare vorbereite, recherchiere, was ich an Aufwand treibe - dann ist der Preis absolut gerechtfertigt.

Und seit ich das selbt so sehe, bekomme ich das dreifache von den früheren Honoraren (wo ich auch nicht schlechter war).
Das nur als Ermutigung!
Aber wie gesagt: man muss natürlich gute Qualität liefern und sich auch als Experte positioniert haben, um einen höheren Preis rechtfertigen zu können.

*** Kleidung
Auch hier habe ich früher (als armes Arbeiterkind) gerne Schnäppchen gekauft. Viele Ramschklamotten, die natürlich auch schnell verschlissen oder auch nie so wirklich gut aussahen. Bis ich einen Freund traf, der sagte: ich kaufe nur wenig Kleidung, aber die beste! Da hat es bei mir Klick gemacht. Und dann auch gesehen: die Sachen halten länger und ich fühle mich wohler.

*** Urlaub
Ich fahre auch zwei bis dreimal im Jahr in Urlaub und das ist für mich eine absolut wichtige Sache und Zeit. Da will ich es rundum genießen. Dazu gehört Sonne und Süden (=Orient), meist Türkei! Dazu gehört aber auch Ruhe und Natur! Das heißt keine billigen oder teuren Bettenburgen, wo den ganzen Tag Animationsmusik kreischt. Und ich mit dreihundert anderen in Reih und Glied am Strand liege.

Also finde ich kleine lauschige Dörfer (auch direkt am Meer) mit kleinen Pensionen. Und natürlich kostet das dann etwas mehr als so eine Pauschalreise. Aber ich habe die Qualität, die ich für meine Erholung brauche.

Und wie Gitte Häreter oben schrieb: dafür spare ich an anderen Ecken. Nicht einmal so sehr als sparen erlebt, weil es mir einfach nicht so wichtig ist. Ich habe keine Wohnzimmergarnitur und keine Schrankwand und kaufe nicht ständig neue Möbel - wie andere die ich kenne. Mir sind Urlaube und Fortbildungen wichtiger und vergnünglicher.

Also, ein höchst interessantes Thema: grin
Zamyat
Von: Gitte Härter am 29.07.2008
Guten Morgen zusammen,

danke für die ergänzenden Gedanken.

Ich persönlich meine das "macht mir Angst" übrigens gar nicht mal im allgemeinen Entwicklungssinne, sondern dass ich als Kunde eher abgeschreckt werde - und keineswegs animiert, weil mir vor der Qualität bangt.

Aber dass das auch weitreichendere Konsequenzen hat, ist natürlich durchaus ein großes Thema.

Danke für das treffende Fazit, Ralf.

Ganz generell - und das sprechen Elisabeth und Ursula ja auch nochmal an - ist es auch keineswegs so, dass alles, was billig ist, schlecht ist.

Aber: Ein Aldi hat aus dem Billigpreis ein Geschäft gemacht und hat so irrsinnige Mengen, dass sich das rechnet.

Wir Einzelunternehmer haben diese Massen in der Regel nicht. Und hier wird es dann kritisch, wenn jemand, der ohnehin nicht soviele Aufträge hat, zusätzlich noch Dumpingpreise macht. Dann geht er unter. Wenn der Friseur da oben 19 Euro pro Haarschnitt verlangt und bei sich im Laden praktisch eine Drehtür einbauen kann, weil er gute Qualität liefert und er praktisch am Fließband Kunden bedienen kann, dann geht so ein Modell auf.

Wenn er aber denkt: Die Leute schielen nur auf den Preis. Ich kann nicht 50 Euro verlangen, ich muss 19 Euro verlangen und dann hat er drei Kunden am Tag. Dann ist er tot. Und so machen das leider nicht wenige.

Einen schönen Tag
Gitte
Von: Gitte Härter am 29.07.2008
Guten Morgen Frau Klein,

das ist auch ein gutes Beispiel mit den Trainings bei der VHS. Die werden auch von vielen als nicht gut genug empfunden, weil sie eben "bei der VHS" stattfinden.

Ich mache nach wie vor einmal im Semester einen Wochenkurs hier im Rahmen der VHS und bekomme da auch immer die Parallelkurse mit: Großartige Kurse. Die Trainer sind in der Regel auch für Firmenkurse unterwegs. Das heißt gleicher Trainer, gleicher Kurs: für das gleiche Training bekommt er bei einem Inhouse-Kurse ein Vielfaches dessen, was er an der VHS bekommt.

Und dennoch hat die VHS-Variante oft ein Image-Problem.

Danke, dass Sie auch nochmal die verschiedenen Entscheidungsgründe anreißen, die bei der eigenen Preisgestaltung mit reinspielen. Gerade am Trainermarkt ist ja beispielsweise der Punkt "festes Engagement, der Veranstalter übernimmt die ganze Orga, der Trainer braucht nur hinzugehen und sein Seminar zu halten" auch ein wichtiges Gegengewicht, das man mit einrechnen muss.


_Aber wie gesagt: man muss natürlich gute Qualität liefern und sich auch als Experte positioniert haben, um einen höheren Preis rechtfertigen zu können._

!

Viele Grüße
Gitte Härter
Von: Elisabeth am 29.07.2008
Das Preis-Leistungsverhältnis muss stimmen und natürlich darf man den allgemeinen Mark-Preis nicht ganz außer Acht lassen.
Von: Zamyat M. Klein am 29.07.2008
Noch eine interessante Beobachtung fällt mir zu dem Thema ein, die mir aber auch erst so richtig durch die Bemerkung eines anderen Trainer-Kollegen bewusst wurde:

Um so billiger die Seminare sind, um so kritischer und schwieriger sind die Teilnehmer. So habe ich auch erlebt, dass die Teilnehmer in einem Seminar bei einem Bildungsträger rummäkelten und total schwierig waren (bei einem Thema, wo ich sonst als Expertin gehandelt werde grin und nachher meckerten- und in anderen Seminaren, wo ich fünf mal so viel Honorar bekam, die Teilnehmer hochzufrieden und gkücklich waren.

Die Erklärung des Trainers: wenn die Leute mehr bezahlen, haben sie auch mehr das Bedürfnis, wirklich für sich etwas mitzunehmen. Von daher tragen sie vielleicht selbst auch mehr dazu bei oder fokussieren sich mehr auf das, was sie brauchen können oder warum auch immer.

Hat sonst noch jemand solche Erfahrungen?

Auf jeden Fall war das für mich ein weiteres Schlüsselerlebnis, weshalb ich für mich beschlossen habe, solche Seminare nicht mehr zu machen.

(In die Kategorie fällt auch, dass ich zu Seminaren Klemmbretter, Papier, Stifte , Büchertisch etc. für die Teilnehmer mitschleppe (was im Preis absolut nicht abgegolten wurde), den Raum schön dekoriere und überhaupt vier mal so viel mitschleppe wie ein Wald und Wiesen Trainer. Und solche Teilnehmer sich dann aber über den fehlenden Locher beschweren (und das andere offensichtlich gar nicht wahrnehmen...). Da verging mir dann einfach die Lust grin
Von: Ursula Kruck-Hantschel am 30.07.2008
Hallo

>>das ist auch ein gutes Beispiel mit den Trainings bei der VHS. Die werden auch von vielen als nicht gut genug empfunden, weil sie eben "bei der VHS" stattfinden.<<

Als Trainerin für Selbst- und PC- Management an unterschiedlichen Volkshochschulen im mittelhessischen Raum kann ich das nicht bestätigen.

In meiner aktiven Rolle, auch als Beraterin für die vhs, weiß ich das hier sehr aktiv am Image gearbeitet wird und großen Wert auf Qualität gelegt, Innovationen ihren Raum besitzen.

Das findet u.a. durch Zertifizierungen und Qualitätssicherungen, auch nicht zuletzt durch die Teilnehmer/innen statt.

Ich persönlich habe hier sehr positive Erfahrungen gemacht, ganz besonders mit zufriedenen Teilnehmern/innen.

Liebe Grüße
Ursula
Von: Ursula Kruck-Hantschel am 30.07.2008
Hallo Frau Klein,

>Hat sonst noch jemand solche Erfahrungen?<

Ja, ich habe auch solche Erfahrungen.

Ich meine, dass hier zu differenzieren ist, warum die Teilnehmer/innen in diesem Kurs/Seminar sind. Will der Arbeitgeber, dass daran teilgenommen werden soll/muss oder ist die Teilnahme freiwillig, also selbst- oder fremdbestimmt.

Bei einer „fremdbestimmten“(durch wen auch immer) Teilnahme kannn durchaus ein persönlicher unbewusster Widerstand des TN mit im Spiel sein, der durch passive Aggressivität zum Ausdruck kommen kann (Langeweile demonstrieren). Ich meine es hat grundsätzlich nicht immer etwas mit dem Preis zu tun.

Ich frage Interessenten gerne: „Was sind sie bereit zu investieren?“ Das Feedback dazu ist sehr interessant.

Persönlich wäge ich inzwischen auch ab, welche Kurse bin ich bereit zu übernehmen?

Weiterhin wünsche ich viel Erfolg und gutes Gelingen grin
Liebe Grüße
Ursula
Von: Gitte Härter am 30.07.2008
Hallo Ursula,

ja, das ist bei uns auch so: Dass viel gemacht wird seitens der VHS und dass die Leute, die hinkommen auch total zufrieden sind.

Dennoch ist es leider - zumindest, was mir über die Jahre begegnet und auch von der VHS teilweise mitgeteilt wurde - so, dass im Verhältnis zu "teuren" Kursen, gerade im Wirtschaftsbereich, die VHS schlechter vom Image herabschneidet, beispielsweise auch was Firmen betrifft, die Mitarbeiter senden. - Wie ich ja auch finde zu Unrecht!

Andererseits hatte ich vor Jahren auch mal eine kleine lokale VHS, die (wie vermutlich auch viele) die Initiative ergriff und von sich aus Firmen-Inhousekurse anbot. Und das wiederum wurde gerne angenommen.

Es ist schon wahnsinnig toll als Teilnehmer, was man für einen so günstigen Preis an Weiterbildung bekommt. Dort, wo ich immer mein Wochenseminar mache, kommt noch unschlagbare Umgebung und eine märchenhaft gute Verpflegung hinzu.

Einen schönen Nachmittag
Gitte
Von: Angelika am 04.08.2008
Für mich spielt der Wert eine große Rolle und das genau sind auch meine Argumente Kunden gegenüber, nämlich, wieviel ist ihnen Qualität ( evtl.meiner Arbeit) wert. Billig verzerrt den Blick für Wertschätzung von z.B. Lebensmitteln (die ja etwas mit dem Leben zu tun haben) und Dienstleistungen (also den Menschen). Ich habe den Eindruck, hier eine Zweiteilung in unserer Gesellschaft zu erleben, nämlich die eine Seite, die lieber nur 1 T-Shirt hat und dieses wertschätzt, weil es vielleicht nicht 5€ gekostet hat und die andere Seite, die eben nur 5€ dafür zahlt und ganz viele davon hat. Das hat auch etwas mit WERT-beständig usw. zu tun (vorhin das genannte Beispiel mit der Billigflatrate paßt auch dazu). Also, gerade im DL-Bereich: was bin ich mir wert. Angelika
Von: Barbara Steldinger am 04.08.2008
Ich finde das alles sehr interessant und kann dem zustimmen, was Du, liebe Zamyat an Erfahrungen geschrieben hast. Das ging mir genauso. Ich habe daraus auch die Konsequenzen gezogen und diese Kurse nicht mehr gemacht. Offensichtlich gilt immernoch, was nichts kostet ist nichts wert, zumindest bei der Bildung.
Was ganz anderes macht mir allerdings wirklich Angst. Nämlich das ein Discounter es schafft, dass sich hunderte von Menschen fast tottrampeln, nur weil er seine Geschäftseröffnung originellerweise auf 0 Uhr legt und ein paar billige Notebooks als Schnäppchen winken. So geschehen in Berlin Anfang des Jahres. Eine Bekannte von mir war dabei und hatte Todesangst zerquetscht zu werden. Da frag ich mich doch, ticken die noch richtig? Nur um ein paar Euro zu sparen sich so etwas anzutun?

fragt sich ratlos Barbara
Von: Gitte Härter am 05.08.2008
Das ist wirklich ein sehr komplexes Thema: einmal die ganzen Aspekte, die sich aus Kundensicht auffächern, wenn man näher hinsieht. Und dann die Unternehmer-Seite (was bin ich mir wert, etc.).

@Angelika
Bei Ihrem Posting fiel mir ein, dass häufig neben dem Preis nichts sonst eingerechnet wird. Also ist das 5-Euro-T-Shirt auch sein Geld wert insofern dass ich es länger anziehen kann oder ist es nach zweimal waschen mehr breit als hoch etc.

Oder auch: Ich bezahle für mein Webhosting nur wenige Euro, aber wenn technisch etwas nicht läuft, bekomme ich tagelang keinen ans Telefon oder muss eine irre teure Hotline anrufen, um Basisunterstützung bekommen.

Die "Nebenkosten" oder auch der "Zusatznutzen" wird oft beim Anschaffungspreis nicht beachtet.

Umso wichtiger für uns Unternehmer, das zu übernehmen und unseren Kunden diese Aspekte zu nennen - als Information oder auch als Argument.


@Barbara:

Ja, diese unfassbaren Massen (mal von der erschreckenden Verletzungsgefahr und Panik, die da entsteht, abgesehen) werde ich auch nie verstehen.

Und dennoch ist das ja eine faszinierende Sache: Da pilgern Tausende von Menschen wohin, stehen teilweise stundenlang an, quälen und kämpfen sich durch bis sie einen billigen Staubsauger und ein Notebook ergattern - und das obwohl die Ersparnis oft gar nicht so enorm ist oder aber obwohl klar ist, dass das Angebot so begrenzt sein wird, dass man vermutlich eh leer ausgeht.

Von den ganzen Unannehmlichkeiten (auch wenn alles verletzungsfrei abliefe) ganz zu schweigen.

Warum rennen so absurd viele Leute bei so einem Angebot den Läden die Türe ein? Ich glaube jetzt einfach mal nicht, dass _die Mehrheit_ davon aus finanzieller Not dort ist, auch wenn das für einen Teil sicher ausschlaggebend ist.

 

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