Motivation und Ausgleich

Arbeitspausen und Pausenarbeit: Beides ist schlecht!

Ralf Senftleben • 20.01.2009 • email Weiterempfehlen

Passend zu unserer Work-Life-Balance-Challenge habe ich noch einen Tipp für Sie und er lautet:

Wenn Sie arbeiten, dann arbeiten Sie. Und wenn Sie Pausen machen, machen Sie Pausen.

Und vermischen Sie die Dinge möglichst nicht, sonst arbeiten Sie, ohne viel zu schaffen. Oder Sie machen Pausen, die Sie nicht entspannen und keine Kraft zurückgeben.

Ich kenne viele Selbstständige, die unterbrechen sich beim Arbeiten zum Beispiel ständig selbst. Ich habe selbst mal dazugehört und ich muss zugeben, manchmal passiert es mir immer noch. Schnell mal E-Mail holen, schnell mal eine Sache recherchieren, schnell bei Amazon ein Buch kaufen. Schnell einen Kaffee holen. Durch diese ständigen Unterbrechungen bringt man sich aber selbst ständig aus der Konzentration und die Arbeit leidet. Erstens dauert es länger, bis man fertig wird und auch die Qualität der Arbeit leidet oft an der mangelnden Konzentration. Und dazu kommen dann die Schuldgefühle, weil man ja weiß, dass diese kleinen Fluchten ja nur dazu da sind, um nicht an der eigentlichen Aufgabe zu arbeiten.

Und diese Schuldgefühle oder die Unzufriedenheit mit sich selbst führen dann oft dazu, dass wir in unseren Pausen anfangen, das nachzuholen, was wir nicht geschafft haben. Und dann können wir die Arbeit nicht loslassen. Und dann hat die Pause keinen Erholungseffekt.

Das Resultat: Wir haben eine ständige Grundspannung, weil wir eigentlich ständig mehr oder weniger arbeiten und das zehrt an unserer Energie und macht uns auf Dauer unzufrieden und müde.

Wenn Sie arbeiten, arbeiten Sie deswegen am besten wirklich konzentriert an einer Sache, ohne sich selbst abzulenken. Vielleicht teilen Sie sich Ihre Arbeitszeit in Blöcke von 45-50 Minuten ein und machen dann jeweils 10-15 Minuten eine richtige Pause. Und nach zwei oder drei Einheiten, machen Sie dann eine längere Pause. So bleiben Sie auch über längere Zeit konzentriert und leistungsfähig.

Und wenn Sie Pause machen, dann machen Sie wirklich Pause, denken nicht über die Arbeit nach und machen auch nichts, was dem Arbeiten sehr ähnlich ist. Für einen Journalisten ist zum Beispiel im Internet surfen immer sehr nah an der Arbeit dran und deswegen keine ideale Pausenbeschäftigung.

Besser wäre: Etwas trinken oder essen. Eine Entspannungsübung machen. Einen Spaziergang um den Block machen. Einen Kurz-Nickerchen. Ein bisschen Muskeltraining.

Ich mache zum Beispiel als Pause zum Beispiel oft einen schönen Cappuccino und setze mich in den Garten (im Sommer) oder bei uns in die Küche und schaue ins Grüne. Oder ich mache ein paar Hantel-Übungen. Oder ich setze mir den Kopfhörer auf und höre ein bisschen Musik.

Mein Tipp ist also: Wenn wir arbeiten, sollten wir wirklich arbeiten. Und wenn wir Pause machen, sollten wir wirklich Pausen machen. Alles dazwischen erzeugt Stress und Unzufriedenheit.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Zamyat M. Klein am 21.01.2009
Lieber Ralf,

ja, eine sehr schöne Ergänzung - wie in der bekannten Zen- Geschichte, wo zwei Mönche ihre Meister vergleichen. Der eine kann "Zauberstücke" (will es jetzt hier abkürzen), der andere:
"Wenn er isst, dann isst er, wenn er schläft, dann schläft er" usw.

Das heißt, das gilt beim Zen für alles was wir machen:
Ganz gleich, was du machst, mache es mit voller Konzentration und Hingabe.

Also das Gegenteil von Multitasking, das mich auch nur irre macht.

Allerdings gibt es durchaus Situationen, wo ich gerne zwei Dinge gleichzeitig mache: lesen beim Essen oder Musik oder Vorträge beim Auto fahren. grin Bin eben noch kein erleuchteter Zen-Mönch.

Aber was die Arbeit und die Pausen angeht: auf jeden Fall!!
Vorgestern und heute habe ich es auch gut geschafft, erst sehr konzentriert an einer wichtigen Sache zu arbeiten, erst ab 11 Uhr mit E-Mails, Telefonaten etc. anzufangen - und dadurch wirklich das Gefühl: ich habe heute was geschafft.
Nur mit der pünktlichen Mittagspause klappt es noch nicht so (das wird mein 1. Wochenziel für das WLB- Challenge) und von anderen Pausen zwischendurch kann gar keine Rede sein grin.
Dafür ist meine Mittagspause immer schön lang, mit Tee, lesen und aufs Ohr legen (nach dem Kochen und Essen).

Auf eine neue Pausenkultur!

Zamyat
Von: Gitte Härter am 21.01.2009
Hallo Schwester-im-Geiste grin

ich musste sehr lachen. Einmal über: "Wenn er isst, dann isst er, wenn er schläft, dann schläft er" ... hihi, extrem gut, das wird mir helfen!

Und dann natürlich, wenn ich lese "von andreen Pausen zwischendurch kann gar keine Rede sein".

Dieses verflixte Pausenthema wird auch meine größte Herausforderung während der WLB-Challenge. Es ist eigentlich absurd, dass man sich als Erwachsener Pausen antrainieren muss, oder? Andererseits tröste ich mich damit, dass ich mein ganzes Leben so nicht getickt habe. Ach, ich darf gar nicht hochrechnen, wieviel Pausendefizit ich seit Jahrzehnten habe ...

Auf wiederlesen
Gitte
Von: Ralf Senftleben am 21.01.2009
Zamyat, genau, Pausenkultur ... zumal ich ja auch glaube, das regelmäßige Pausen, auch längere, die eigene Schaffenskraft / Kreativität enorm steigern.

Meine besten Ideen kommen jedenfalls, wenn ich im Urlaub bin. Da ist es dann immer eine Herausforderung, die Ideen nur schnell aufzuschreiben und dann weiter zu relaxen und die Idee nicht gleich komplett auszuarbeiten.

Und Gitte, du müsstest wahrscheinlich erst mal 3 Jahre komplett Urlaub machen, um deine ganzen nichtgemachten Pausen wieder aufzuholen.
Von: Zamyat M. Klein am 21.01.2009
Hallo ihr beiden,

ja, aber immerhin experimentiere ich seit einigen Monaten mit einem freien Tag in der Woche, mal öfter, mal seltener im Monat, aber immerhin. Und gestern war es immerhin ein halber!!!!

Die Idee ist von einem kanadischen Coach, der auch sagt, dass dadurch eben die Produktivität und Kreativität gesteigert wird. (Allerdings kommt da noch spezielles Coaching dazu, aber Ziel ist: weniger arbeiten, bei gleichzeitig mehr Gewinn!!)
Einerseits habe ich erst geschrien: "Was, ein ganzer freier Tag mitten in der Woche??? Ich schaffe ja nicht mal immer die Wochenenden frei zu halten?", gleichzeitig war ein Teil in mir der gleich merkte, da ist was dran.

So habe ich damit angefangen...

Und heute Mittag ein gepflegtes Nickerchen, was weit über mein sonstiges Power Napping hinausgeht.

Ich weiß auch nicht, ob ich morgens alle Stunde eine Unterbrechung brauche. Da bin ich wirklich total fit - und es würde mich jedes Mal rausreißen.

Ein Ziel könnte sein, dass ich (wenn ich das mit der pünktlichen Mittagspause geschafft und installiert habe nach der ersten Woche grin eine Pause vormittags noch mache, zumal wenn ich schon wie heute um 7 Uhr anfange.

Aber das war einfach klasse: hochkonzentriert bis 11 an einer inhaltlichen Sache gearbeitet und erst danach Mails und Anrufe und Kruschelkram. Das finde ich hochbefriedigend.

In Seminaren mache ich allerdings immer zusätzlich eine Kaffeepause morgens und nachmittags, vor allem für die Teilnehmer. Aber das ist ja auch eine andere Situation.

Bin mal gespannt, wie die anderen das handhaben...

Pausierende Grüße
Zamyat
Von: Norbert Jothann am 21.01.2009
...zu den "angestauten" Pausenzeiten, die nicht genommen wurden...

...kann man eigentlich auch nicht genutzte Pausenzeiten "abbummeln"? So in dem Sinne eines Pausenkontos, von dem man/frau ganz nach Bedarf Pausenzeit für sich abbuchen und nutzen darf?

Das kam mir gerade in den Sinn, als ich Eure Kommentare las.

Und, Zamyat, die "Wenn er isst, dann isst er, wenn er schläft, dann schläft er"-Erzählung kenne ich auch aus - wie ich es nenne - Berichten aus weltlichen Klöstern. Hier dürfen gestresste Menschen an den Tagesabläufen der Mönche relativ aktiv teilnehmen.

Dort wird dann beim Essen gegessen. Keine Gespräche, kein "ich stehe mal eben auf, weil mir etwas eingefallen ist, daß ich im Internet recherchieren könnte..." oder ähnlich, keine Gedanken an das, was war oder was als nächstes (nach dem Essen) kommt, nur Konzentration auf den Vorgang des Essens. Nahrungsaufnahme.

In einigen Klöstern gibt es vielleicht noch zusätzlich (reihum) einen Mönch, der Erbauliches beim Essen aus der Bibel (oder anderen Schriften in dieser Richtung) vorliest. Kein Radio, kein Fernsehen nebenbei. Keine Zeitung neben dem Essplatz, die überflogen werden kann. Nur im Hier und Jetzt.

Selbst bei der Gartenarbeit Konzentration auf die Gartenarbeit. So im Sinne von "Der Spaten gräbt ein Loch. Geführt von meiner Hand."

Wer sich selbst und sein Sein begreifen und erleben will, sollte ganz bei sich selbst sein. Jeder Moment im Leben ist kostbar. Je älter man wird, desto mehr wird es einem bewußt, daß es so ist.

Pausen machen und arbeiten sind wie Luft holen und ausatmen, wie Kraft tanken und Kraft einsetzen.

Herzliche Grüße
Norbert

 

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