Arbeit und Leben unter einen Hut bringen. Was für ein Hut ist das denn?
„Wie bekommt man die Selbstständigkeit und den Rest des Lebens unter einen Hut? Wie geht es mir gut?“ So ist unsere Work-Life-Balance Kategorie überschrieben. Und das mit der Balance war mir persönlich schon immer etwas suspekt, weil ich bei „Balance“ immer irgendwie so eine komplett ausgeglichene Waage vor mir sehe, in der „Work“ und „Life“ das gleiche Gewicht haben müssen, damit die exakte Balance hergestellt ist.
Das stimmt aber so natürlich nicht. Denn unsere persönlichen Waagen sehen ja individuell aus: Es gibt Leute, die einen so gleichwertigen Ausgleich bevorzugen. Es gibt welche, für die ist eine Balance dann erst richtig hergestellt, wenn ihr Leben und die Freizeit weitaus mehr Gewicht haben als die Arbeit. Und es gibt Leute, die einfach gerne arbeiten und mit einem Schwerpunkt auf dem Beruf glücklich sind.
Kürzlich habe ich übrigens in einem Interview mit Jay Leno - einer seit Jahrzehnten erfolgreichen amerikanischen Talkshow-Größe - erfahren, dass dieser ausnahmslos jeden Tag frühmorgens bis spätabends ins Büro geht und aktiv mitarbeitet. Nebenbei bemerkt: nicht in ein großes Luxusbüro, sondern in ein kleines Zimmerchen, wie das auch seine Mitarbeiter haben. Warum? Weil er gerne arbeitet.
Darum finde ich es spannend, wenn wir uns mal fragen, wie der Hut, unter den wir alles bringen wollen, denn nun genau aussieht.
Ist es ...
... ein Cowboyhut?
Ein Hut für harte Arbeiter.
Ich bin ein Macher: Ich krempel die Ärmel hoch. Zu tun gibt es immer was, wenn man sein Business wirklich am Laufen halten möchte. Wenn mehr ansteht, hau ich richtig rein. Ich kann mich auspowern, genieße das Gefühl, wirklich was geschafft zu haben. Aber dann erhole ich mich auch wieder – das gelingt mir mehr oder weniger gut.
... ein Zylinder?
Ein Hut, der repräsentiert.
Mir gefällt die Selbstständigkeit auch aus Prestigegründen: Ich mag gerne repräsentieren, genieße es, mein Leben mit meinem Business zu verbessern, meinen Lebensstandard zu heben und als UnternehmerIn bewundert zu werden.
Das gilt übrigens auch, wenn Sie gerade am Anfang Ihrer Selbstständigkeit stehen oder wenn es finanziell noch nicht so blendend läuft: Der Zylinder ist angebracht, wenn Status, Ansehen und Repräsentieren für Sie eine vorrangige Rolle spielt.
... ein Strohhut?
Ein Hut für Sommer, Sonne, Spaß.
Ich mag die Freiheit, die mir die Selbstständigkeit bietet: so viel zu arbeiten, wie nötig, mir die Zeit frei einzuteilen, mir meine Kunden auszusuchen, meine Leistungen jederzeit ändern zu können – nicht eingekastelt zu sein. Am liebsten gestalte ich mir die Arbeit so, dass ich möglichst viel Freiheiten habe, mein Ideal ist es, schlau zu wirtschaften: möglichst viel Geld mit möglichst wenig Arbeit zu erreichen, am besten durch Passiveinkommen, damit ich nicht für jeden Euro unmittelbar selbst arbeiten muss.
... ein Schlapphut?
Ein legerer Lebehut.
Ich bin ein Lebenskünstler. Ich mach so vor mich hin. Es wird sich schon alles richtig ergeben. Ich reagiere, lasse mich überraschen und gebe meinem Business völligen Freiraum. Starre Pläne und Strategien liegen mir eher nicht so. Ich mache, worauf ich Lust habe – und arbeite immer dann, wenn ich das wirklich möchte. Der Rest findet sich schon.
... eine Kappe?
Eine sportliche Kopfbedeckung.
Ich seh’s sportlich: Die Selbstständigkeit kann ich selbst gestalten. Je aktiver ich bin und je schlauer ich meine Ressourcen einsetze, desto mehr ergibt sich. Wie beim Sport achte ich auf eine ziemlich genaue Balance zwischen Training und Erholung, denn erst dann erziele ich den besten Effekt und haushalte gut mit meinen Energien. Dadurch bin ich dann auch leistungsfähiger, ausgeglichener und ausdauernder.
... ein Regenhut?
Ein schützender Hut.
Für mich ist die Selbstständigkeit Mittel zum Zweck: sie muss mir einfach die Existenz sichern. Ich arbeite so viel und intensiv, wie es nötig ist, um das zu erreichen. Momentan ist das Wetter regnerisch, so dass ich an Ausgleich eher nicht so denken kann, sondern immer mache, mache, mache und schlichtweg keine Zeit für Ausgleich habe.
... eine Wollmütze?
Eine Kopfbedeckung für Leute, die sich warm anziehen müssen.
Für meine Selbstständigkeit wähle ich momentan die Wollmütze: ich muss mich buchstäblich warm anziehen: es ist ein Kampf, die Selbstständigkeit belastet und zieht sämtliche Konzentration und Kräfte. Ich habe das Gefühl, mir keinen Ausgleich gönnen zu können. Ich kann es mir nicht leisten. Finanziell nicht und zeitlich sowieso nicht.
... eine Baskenmütze?
Eine flippige, künstlerische Kopfbedeckung.
Für mich stehen Flexibilität und Kreativität im Vordergrund. Ich kann mich gut anpassen und hole mir ganz intuitiv immer das richtige Maß an Arbeit und Freiraum. Wenn ich mir nicht Inspiration und Entspannung suche, kann ich sowieso nicht mehr kreativ arbeiten. Ich brauche mir keine Gedanken zu Work-Life-Balance zu machen, ich BIN Work-Life-Balance.
... oder einfach ein Kopftuch?
Praktisch, situationsbezogen, flexibel.
Die Selbstständigkeit ist für mich Mittel zum Zweck: Wenn ich arbeiten möchte, arbeite ich. Das muss aber nicht viel sein. Ich möchte einfach gerne mein Know-how in kleinem Maße weitergeben, einen Fuß im Beruf behalten und etwas Sinnvolles tun. Oder: Ich möchte mir nebenbei ein wenig Geld dazu verdienen.
Das Kopftuch ist möglicherweise auch dann die momentane Kopfbedeckung, wenn Sie sich gerade noch so nebenbei die Selbstständigkeit aufbauen – vielleicht mit dem Ziel, später mal komplett darauf umzusteigen.
Haben Sie Ihren derzeitigen Hut gefunden?
Dann überlegen Sie nun unter diesem Gesichtspunkt doch einmal, wie es sich mit der Work-Life-Balance entsprechend verhält. Denken Sie bitte, wie immer, dran, dass es wichtig ist, nicht nur bei der Standortanalyse zu verharren, sondern sich zu fragen:
Was kann ich unter dieser Maßgabe auch schon in ganz kleinen Schritten tun, um mir etwas Gutes zu tun und einen Ausgleich – oder zumindest eine kleine Entlastung – zu schaffen?
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