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Angebots-Overkill ... jein ...

Gitte Härter • 30.07.2009 • email Weiterempfehlen

Gestern setze ich mich an den Tisch einer Eisdiele, greife nach der Karte und dann ... WOAH: Was ist das denn? Das ist nicht eine Karte, das sind 8 Karten. Acht! Es gibt dort:

  • die reguläre Eiskarte mit mehreren Seiten, ein paar Dutzend Eisbechern und Getränken
  • eine Joghurt-Eisbecher-Karte
  • eine Spaghetti-Eisbecher-Karte
  • eine Erdbeer-Eisbecher-Karte
  • eine Waffel-Karte
  • eine Crepes-Karte
  • eine Snacks-Karte
  • eine Cocktail-Karte

Im ersten Moment war ich ganz überfordert. („Man kann’s ja auch übertreiben!“) Doch dann sah ich mir diese Karten näher an und finde es mittlerweile ziemlich schlau. In dieser Eisdiele gibt es wirklich für jeden Geschmack etwas. Das Angebot ist aber nicht so breit, dass man sich Sorgen machen müsste.

Sorgen mache ich mir immer wenn Karten so breit ausgelegt sind, dass ich kein Vertrauen mehr habe. Wenn also ein Lokal oder Bringdienst italienische, bayerische, mexikanische und asiatische Küche gleichzeitig anbietet. Oder wenn eine Eisdiele mir Schweinebraten anträgt. Da will ich nicht essen. Das kann in meinen Augen niemals etwas Gscheites sein.

Übrigens der klassische Denkfehler von: Ich muss alles anbieten, damit jeder Kunde irgendwie bei mir hängen bleibt. Dass das auch viele mögliche Kunden schnell in die andere Richtung rennen lässt, vergisst man gerne.

Vielfalt innerhalb des Kerngeschäfts

Diese Eisdiele ist bei ihrem Kerngeschäft geblieben: Eis in einer unglaublichen Vielfalt, aber auch hier in glaubwürdigen anregenden Varianten. Wer Spaghetti-Eis liebt, der ist mit der Spaghetti-Eis-Karte im siebten Himmel. Man klappt es auf und sieht 9 verschiedene Variationen von Spaghetti-Eis.

Die Kleinigkeiten im Angebot sind ebenfalls sehr schlau. Sie können pur oder in Kombination mit Eis angeboten werden – Crepe und Waffeln sind ohne viel Aufwand schnell gemacht. Und auch die Snacks beschränken sich auf Toast und Bruschetta, aber auch hier: in schöner Vielfalt.

Ich bin begeistert. Die Aufmachung der Karten könnte man verbessern, so dass sie noch einheitlicher sind und nicht so ein Haufen unterschiedlicher Karten (leider habe ich kein Foto, ich hätte es Ihnen gerne gezeigt). Es wäre auch hilfreich, die Anzahl ein wenig zu reduzieren, also beispielsweise die Waffeln und Crepes in einer Karte zu präsentieren.

Ansonsten: Sehr schlau. Für Eisliebhaber ein Paradies. Aber auch für die Leute, die nicht so gerne Eis essen, aber mitgehen, finden sich gute Alternativen.


Bitte abstrahieren: dieser Text gilt nicht nur für Eisdielen oder Gastronomie.  cool smile

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Edeltraud am 31.07.2009
Hallo Gitte,

ich kann mich immer nur wundern wie "wach" du durch die Welt gehst!
Umso mehr freu ich mich auf den 16. August! BUCHWORKSHOP MIT KENNENLERNEN!

Liebe Grüße
Edeltraud
Von: Tobias Zimpel am 02.08.2009
Hallo Gitte,

auch ich bin fasziniert davon, wie viel Du von Deiner Umgebung so wahrnimmst. Und ich muss Dir recht geben: Ich erlebe das immer wieder besonders bei kleinen Dienstleistern und Freiberuflern, die aber auch wirklich alles in ihrem Portfolio haben möchten.

Ein ehemaliger Kollege von mir macht jetzt in Foto/Video. Und er bietet aber auch wirklich alles an, was damit in Zusammenhang steht - von Hochzeiten und Familienfesten, über Imagefilme, bis hin zu Präsentationsvideos, für Privat und Geschäft, inkl. Produktion, Bearbeitung, Videoschnitt, etc. pp.

So jemanden soll ich ernst nehmen? Keinesfalls. Der kann zwar vielleicht alles ein bisschen, aber sicher nichts davon richtig gut, weil er schon aufgrund der Breite des Angebots in niuchts davon wirklich tiefgehende Erfahrung sammeln kann.

Und außerdem möchte sicher auch ein werdendes Ehepaar, das den schönsten Moment seines Lebens festhalten möchte, anders angesprochen werden, als das Startup, das sein neues Unternehmen in einem Imagefilm auf der nächsten Fachmesse präsentieren will.

Da passt doch irgend etwas nicht mehr, oder?
Von: Gitte Härter am 03.08.2009
Hallo Edeltraud, hallo Tobias,

herzlichen Dank grin

Ja, Tobias, das Schwierige ist da ja immer einerseits der Wunsch sich so weit zu öffnen, dass man "alle" anspricht, für die es passt (manchmal die Angst, sich zu eng aufzustellen) - und andererseits genau diese Blickwinkel, die Du ansprichst, AUCH wahrzunehmen: Wie wirkt das denn? Wie vertrauenswürdig ist es denn jetzt noch? Wie unterschiedlich möchte meine Zielgruppe angesprochen werden bzw. wieviel leichter könnte ich mich tun, wenn ...

Das ist nicht immer leicht. Besonders wenn man wie dieser ehemaliger Kollege eben sagt: Ich filme (egal was).

Da ist das Beispiel mit der Eisdiele ein wunderbares Gegengewicht, das zeigt: Vielfalt kann ich auch glaubwürdig und innerhalb meiner Kernkompetenzen haben.

Einen schönen Nachmittag
Gitte

PS @Edeltraud: der Buchworkshop wird so toll. Ich freue mich auch unbändig drauf.
Von: David Gerlach am 03.08.2009
Hallo Gitte,

danke dir für das schöne Beispiel! Die Eisdiele hat es dann ja geschafft mit der großen Auswahl trotzdem attraktiv zu bleiben.

Ich mache oft die Erfahrung, dass sich viele Geschäfte oft in zu vielen Geschäftszweigen verrennen, die nicht zum Kern ihrer Sache gehören.
Gerade gestern ist mir das aufgefallen - komischerweise auf einer Kirmes: Da wird an einem Stand gleichzeitig ein Abperl-Spray für Regen an Fensterscheiben, Kräuterelixiere und Porzellan verkauft. Der Verkäufer erzählte aber am enthusiastischsten von seinem Spray - klarer Fall von fehlender Fokussierung.
Das ist natürlich ein Extrembeispiel, aber ich bin der Meinung, man sollte sich im Rahmen seines Geschäfts auf die Kernbereiche konzentrieren (wie die Eisdiele). Das ist meiner Meinung nach eine simple Frage des Brandings.

Wenn man sich dann noch weitere lukrative Geschäftsfelder erschließen möchte, sollte man einfach einen neuen Laden (oder ein weiteres Verkaufszelt wink ) öffnen.

Viele Grüße
David Gerlach
Von: Gitte Härter am 04.08.2009
Hallo David,

und ist es nicht verrückt, dass den Betreibern oft selbst nicht auffällt, dass es völlig absurd ist, was sie tun? Das Beispiel mit Abperl-Spray & Kräuterelixieren ist ja himmelschreiend absurd. Wobei hier natürlich der Kontext "Kirmes" dazu kommt. Ich glaube, dass das eine Rolle dabei spielt nach dem Motto "Hier ist es den Leuten egal" oder "Hier kauft man eh alles im Vorbeigehen". Schade, denn gerade weil er am Enthusiastischsten ist, könnte er vielleicht alleine mit dem Abperl-Spray mehr Geschäft machen.

Der gemeinsame Nenner auf der Kirmes kann natürlich wiederum sein: günstig. Mir fällt eben "Der billige Jakob" ein. Hier auf der Auer Dult in München gab's früher immer einen (ich war schon länger nicht mehr da), der ein Paradebeispiel dafür war: Man wusste, man kauft eh Ramsch dort, aber man wollte es gerne trotzdem kaufen, weil der Mann so witzig war. Da ging's gar nicht mehr um das Produkt, sondern um die Show. Das ist aber natürlich ganz was Anderes, fiel mir nur gerade ein.

Man sieht übrigens auch oft Websites mit völlig absurden Angeboten (auch bei Dienstleistern). Genau wie Du sagst: Dann einfach lieber das Angebot trennen mit extra Laden oder separate Websites. Was dann aber wiederum bedeuten kann, dass man zu viel unnötige Arbeit und Energie verschwendet, wenn man "streut".

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu wirr, bin grad an der Schwelle zum Einschlafen grin (und ich hoffe, wir sind per Du. Ich weiß es nicht genau und hab's jetzt einfach mal gesagt.)

Viele Grüße
Gitte
Von: David Gerlach am 04.08.2009
hihi ... ja, Gitte, gerne sind wir "per Du". grin

Das Trennen von Angeboten per Website macht natürlich mehr Arbeit - aber es kommt wohl auch von Fall zu Fall darauf an. Ein Internet-Shop mit Abperlspray und Kräuterelixieren wär nunmal komisch - sofern aber noch 10, 15 weitere "exotischere" Produkte im Webshop angeboten würden, wäre es schon wieder kein Problem, da man dann mit einer "exklusiven Auswahl besonderer Produkte" werben kann ...

Das Thema wird uns bestimmt noch öfter beschäftigen!

Gut Nächtle, Gitte! (Und an alle anderen natürlich auch! wink )

Viele Grüße
David

 

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