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Akquise-Werkzeug: Vorträge halten

Gitte Härter • 20.02.2012 • email Weiterempfehlen

Eine gute Möglichkeit, sich bekannt zu machen und andere von seiner Kompetenz zu überzeugen, sind Vorträge. Dabei gilt auch zu bedenken, dass die meisten Selbstständigen ohnehin in irgendeiner Form in die Situation kommen, vor Gruppen zu sprechen. Ob das nun im größeren Rahmen der Fall ist, etwa weil man auf einer Messe ein Referat vor Hunderten von Leuten hält, oder ob es in kleinerer Runde, etwa einer Firmenpräsentation, stattfindet.

Die meisten Menschen haben den blanken Horror vor solchen Situationen - und drücken sich, wo es geht. Andere würden sich gern trauen, wissen aber nicht so recht wie oder was. Und einige Furchtlose stürzen sich einfach hinein: No Risk, no Fun gilt auch für die öffentliche Rede ... aber bitteschön kontrolliert!

Angst vor dem öffentlichen Reden?

Klopft Ihnen alleine bei dem Gedanken an einen Vortrag schon das Herz bis zum Hals? Keine Panik! Das ist völlig normal. Es soll sogar Umfragen geben, wonach die Angst vor der öffentlichen Rede über der Angst vor dem Tod rangiert.

Lässt sich der Horror aus dem öffentlichen Vortrag nehmen? - Ja! Das Reden vor Gruppen lässt sich trainieren und meistern ... und, halten Sie sich fest, es kann sogar Spaß machen.
Und das sagt Ihnen eine, deren Puls sich bereits verachtfacht hat, wenn sie sich als Teilnehmerin eines Seminars nur kurz vorstellen musste. Das kennen Sie sicher: Man muss nur seinen Namen sagen, seinen Beruf und warum man hier ist - also inhaltlich keine große Herausforderung. Und dennoch wird man kurzatmig und überlegt, was und wie man das jetzt gleich am besten sagen kann. Heute spreche ich auch vor großen Gruppen souverän und ohne Herzklopfen.


Drei grundlegende Tipps vorweg:

1. Trauen Sie sich!

Leute mit Augen-zu-und-durch-Mentalität tun sich da etwas leichter. Auch meine Taktik war, dass ich mich der ungeliebten Situation einfach bei jeder sich bietenden Gelegenheit aussetze. Denn Übung macht tatsächlich den Meister. Von daher kann ich nur empfehlen: Trauen Sie sich!

Nehmen Sie dabei ruhig Rücksicht auf Ihre persönliche Art. Die einen sagen vielleicht direkt einen Vortrag zu, die anderen suchen sich erstmal private Gelegenheiten und halten zum Beispiel im Kegelverein eine Geburtstagsrede vor Bekannten. Völlig egal, worum es geht, wie lange Ihre Rede ist und wie Ihr Publikum aussieht.

Wer sich immer wieder davor drückt, in diese Situation zu kommen, wird sich den Horror bewahren und zwangsläufig auch gute Gelegenheiten sausen lassen.

2. Seien Sie Sie selbst.

Versuchen Sie nicht, besonders professionell, besonders fehlerfrei, besonders geschliffen, besonders witzig zu sein. Trauen Sie sich, ein ganz normaler Mensch zu sein. Klar ist es wichtig, etwas zu sagen zu haben. Und natürlich ist es wichtig, laut genug, verständlich und klar zu sprechen und zu argumentieren.

Aber: Sie dürfen mal den Faden verlieren, Sie dürfen auch mal husten oder spontan lachen ... keiner Ihrer Zuhörer lauert darauf, dass Sie irgendeinen Fehler machen. Die wollen alle nicht mit Ihnen tauschen! Sie möchten etwas von Ihnen erfahren, sie möchten, dass ihre Zeit nicht vergeudet wird ... und sie möchten gerne aufmerksam zuhören. Das geht am besten, wenn sie einen normalen Menschen vor sich haben und nicht einen perfekt-sein-wollenden Rede-Roboter.

3. Versklaven Sie sich nicht.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich inhaltlich eine Struktur zu verschaffen: Ob das nun Folien, Flipchart, Beamer-Projektion, Moderationskarten, ein Papiermanuskript ist ... probieren Sie aus, was Ihnen liegt.

Meine Empfehlung ist, wann immer es geht, auf Technik zu verzichten (außer der Inhalt erfordert es und auch dann ist es besser, so wenig Schaubilder wie möglich zu zeigen und nicht, wie leider allgemein verbreitet, jedes kleine Stichwort auf eine extra Seite zu setzen): Sie machen sich damit unabhängig von technischen Pannen und vor allen Dingen fokussieren Sie die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf sich. Und darum geht’s: Sie wollen mit Inhalten glänzen und persönlich eine gute Figur machen. Das geht aber nicht, wenn alle im Halbdunkel auf 45 “Folien” starren.

Auch ist es wichtig, auszuprobieren, wie Sie sich am wohlsten fühlen. Ich beispielsweise stehe und laufe gerne bei Vorträgen hin und her, ich möchte mich bewegen können. Für mich ist das übliche Stehpult mit fixem Mikrofon sehr lähmend. Andere wiederum fühlen sich gerade damit wohler und sicherer, weil sie was zum Festhalten haben.

Nehmen Sie Gegebenheiten im Saal nicht einfach so hin. Brauchen Sie mehr Platz? Dann verrücken Sie die Tische einfach. Müssen Sie mit Mikro sprechen, bewegen sich aber gerne? Dann nehmen Sie es aus der Halterung.

Testen Sie verschiedene Variationen und spüren Sie, womit Sie sich besser und sicherer fühlen.

Tabu: Das Schlimmste, was ein Vortragender tun kann, ist, den gesamten Vortrag aufzuschreiben und abzulesen. Bevor Sie den kompletten Vortrag Wort für Wort ablesen und Ihre Augen nur am Papier kleben und mehr recht als schlecht lesen (ein guter Vortrag, der gelesen wird, ist eine Kunst für sich!), lassen Sie es lieber bleiben.

Bewusst auswählen: wo-wie-was

Wählen Sie bewusst aus, wo und zu welchem Thema ein Vortrag für Sie wirklich interessant wäre. Sofern man an Sie herantritt, ist es ebenfalls wichtig, erst mehr über die Veranstaltung, weitere Vortragende und vor allen Dingen die Zielgruppe zu bekommen. Wenn es sich um kleinere Veranstaltungen handelt, etwa ein Treffen eines regionalen Berufsverbandes oder eines kleinen formellen Netzwerkes, dann ist es auch wichtig, nachzufragen, wie viele Personen erwartet werden und in welcher Form Werbung betrieben wird. Sonst kann es Ihnen passieren, dass Sie total überrascht sind - und entweder mehr Zuhörer kommen, als Sie in etwa erwartet haben (was ganz schön nervös machen kann, wenn man ungeübt ist) oder aber, dass Sie sich total vorbereiten und dann nur drei Leute aufkreuzen.

Für Selbstständige sind Vorträge meistens ein Akquise-Werkzeug. Dementsprechend werden Sie oft keine Bezahlung bekommen. Natürlich gibt es Ausnahmen. Meist ist es jedoch so, dass bei Veranstaltungen bestimmte Sondervereinbarungen getroffen werden. Der Vortragende kann eigenes Material auslegen oder auch eigene Publikationen verkaufen oder man kann statt eines Honorars einen Messestand erhalten ... die Möglichkeiten sind vielfältig. Wichtig ist, dass Sie sich mit dem Veranstalter vorher besprechen, damit es keine Überraschungen gibt.

Wägen Sie immer ab, ob die Zuhörer auch tatsächlich eine vielversprechende Zielgruppe für Sie sind. Entweder um Ihre Kunden zu werden oder aber um neue gute Kontakte zu knüpfen, die Sie eventuell weiterempfehlen.

Tipp: Bei manchen Messen oder Veranstaltungen gibt es ein Rahmenprogramm mit Vorträgen oder Workshops. Diese sind teilweise daran gekoppelt, dass man einen eigenen Ausstellungsstand mietet, teilweise kann man aber auch nur für einen Vortrag mit ins Programm aufgenommen werden. Meiner Erfahrung nach ist es auf jeden Fall sinnvoll, nach einem Vortrag für die Zuhörer noch ansprechbar zu sein – am besten längere Zeit! Damit vertiefen Sie Ihren Erfolg - und haben auch mehr davon, als wenn Sie nach dem Vortrag sofort wieder gehen (selbst wenn Sie Informationen ausgelegt haben).

Durch Inhalte überzeugen

Selbstständige machen meist einen Kardinalfehler, wenn sie die ersten paar Male öffentlich auftreten: Sie sind so darauf fixiert, sich selbst und ihre Leistungen vorstellen zu wollen, dass der Vortrag zu einer “Heizdeckenveranstaltung” verkommt. Es gibt keinen schnelleren Weg, die Zuhörer gegen sich aufzubringen.

Planen Sie deshalb Ihre Inhalte immer aus Sicht Ihrer Zuhörer. Diese schenken Ihnen ihre Zeit. Sie entscheiden sich, einen Teil der knappen Zeit auf einer Veranstaltung in Ihren Vortrag zu investieren. Dafür möchten sie Inhalte und konkrete Anregungen und Tipps, mit denen sie etwas anfangen können.

Wenn Sie das tun, dann erreichen Sie, dass man Sie und Ihren Vortrag in positiver Erinnerung behält, dass man idealerweise von Ihren Inhalten überzeugt ist und natürlich von Ihrer Kompetenz. Für Letzteres ist übrigens nicht maßgebend, ob Sie vielleicht hektische rote Flecken auf den Wangen haben oder man sieht, dass Ihre Hände zittern! Man kann sehr gut auch über solche Nervositätszeichen, die übrigens jeder versteht, hinwegsehen und erkennen, ob die vortragende Person darüber hinaus Ahnung von dem hat, was sie erzählt oder nicht.

Eine gute Gelegenheit, zu zeigen, dass man sattelfest im eigenen Thema ist, ist es, mit den Zuhörern zu agieren: sich per Handzeichen Fragen beantwortet lassen, praktische Beispiele mit Freiwilligen einzubauen oder eine Frage-und-Antwort-Gelegenheit zum Schluss anzubieten.

Tipp: Wenn Sie eine eigene Website haben, dann bieten Sie Ihren Zuhörern an, die Inhalte des Vortrages am nächsten Tag von dort herunterzuladen. Das ist nicht nur ein toller Service, sondern bringt Zuhörer auch noch auf Ihre Internetseite.
siehe auch: Erfolgskontrolle durch Landing Page

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Christine Naber-Blaess am 20.02.2012
Hallo Gitte,

deinem Artikel kann ich nur zustimmen!
Es ist wirklich wichtig für Selbständige, sich als Person und die eigene Leistung gut darzustellen.
Und dabei bedeutet "gut" für mich, dass wir uns Selbst-sicher und authentisch präsentieren(im besten Sinne).

Meinen Kunden erkläre ich, dass "authentisch sein" nicht bedeutet, dass ich meinem Publikum meine Schwachstellen präsentiere, sondern dass ich mein Bestes gebe und trotzdem Mensch bleibe.

Bei mir als Kölnerin bedeutet das zum Beispiel, dass ich mich bemühe hochdeutsch zu sprechen, damit mich möglichst alle verstehen. Aber wenn mir spontan ein kleiner "kölscher Ausdruck" entfleucht wink, ist das auch nicht schlimm.

Gerade schreibe ich an einer Arbeit über den Abbau von Redeängsten. Hierfür habe ich mit 4 Berufstätigen (3 Selbständige) über 6 Wochen zusammengearbeitet. Es war interessant und toll zu sehen, dass man Lampenfieber verringern kann.

Ich kann nur sagen: Nur Mut!

Herzliche Grüße
Christine
Von: Dasha am 20.02.2012
Zwei Dinge sind mir selber bei Vorträgen immer wieder wichtig:

1)
Ein guter und pünktlicher Schluss trägt enorm zum Gelingen bei.
Also vorher entsprechend planen, und dann immer wieder die Uhr im Auge behalten. Dann klappt es auch mit dem Applaus.

2)
Ich bin ein eher sachlicher Typ. Trotzdem versuche ich immer, irgendwo mit einer geschickten Wendung im Vortrag mein Publikum zum Schmunzeln oder Lachen zu bringen. Das lockert die Atmosphäre ungemein.

Und nicht vergessen: Vorträge halten kann auch selber ganz viel Spaß machen!!
Dasha.
Von: Beatrice Legien am 20.02.2012
Hallo Gitte,

ich hatte vor kaum etwas so viel Angst wie vor dem Sprechen vor Menschen, obwohl ich sonst absolut nicht auf den Mund gefallen bin. Auch mir klopfte das Herz wie verrückt, wenn ich mich nur vorstellen sollte.

Aber als ich dann die Möglichkeit erhielt, in diversen Situationen kurze Vorträge zu machen, nutze ich sie. Obwohl ich am Anfang immer super nervös war, entdeckte ich immer mehr, wie gut es bei anderen ankam und dass es mir sehr viel Spaß machte.

Ich habe festgestellt, dass es bei mir sehr auf das Thema ankommt, ob ich zum Inhalt vollkommen stehen kann und mich gut vorbereitet habe. Denn dann klappt es am besten mit meinen Vorträgen und die Nervosität hält sich in Grenzen. Ein bisschen aufgeregt sein finde ich sogar positiv.

Herzliche Grüße
Beatrice Legien-Flandergan
Von: Annegret Schröder am 21.02.2012
Hallo Gitte,

wie so oft, lese ich Deinen Artikel im Newsletter gerade zur rechten Zeit, bevor ich mich nämlich gleich auf einen Vortrag bei einem firmeninternen Gesundheitstag vorbereiten will. Der Vortrag steht mir schon klar vor Augen, allerdings war da noch die Überlegung, ob ich Schaubilder, Beamer oder andere Hilfsmittel einsetzen sollte.
Durch Deinen Artikel war mir sofort klar, dass ich keine Hilfsmittel brauche, da die Zeit zu kurz ist, die Bedienung der Hilfsmittel mich vom Wesentlichen ablenken würde (ist mir sogar schon mal so passiert) und ich ja nur das tun muss, was man in meinen Kursen so schätzt: lebendig und authentisch zu sagen, was Sache ist.
Mal wieder Danke fürs Klarmachen und „auf-den-Punkt-bringen“!

Entspannte Grüße
Anne
Von: Christine am 21.02.2012
Liebe Gitte,

Danke für die Tipps. Ich werde dieses Akquiseinstrument in naher Zukunft auch nutzen. Der kostenlose Vortrag gehört zum Seminar: Intensiv-Telefon-Aquise-Seminar. Ich freue mich darauf und bin gleichzeitig sehr nervös. Das wird mein erster Vortrag sein.

viele Grüße,
Christine
Von: Gitte Härter am 21.02.2012
Hallo zusammen!

Ja, genau das, was Sie auch sagen, kann ich nochmal von ganzem Herzen betonen: Das Publikum liebt normale Menschen! Wenn man ... soweit das geht wink ... ganz ICH ist, dann hört man lieber zu und das Beste: die Nervosität legt sich sehr viel schneller.

Mir hat es auch immer geholfen, dass ich mit meinem Publikum geplaudert habe wie mit EINEM Gegenüber (was übrigens bei Fernseh- und Radiointerviews ebenso gut klappt): denn so macht man sich nicht damit nervös, wie viele Leute wohl zuhören.

Allen die demnächst Ihren ersten Auftritt halten: Vergessen Sie den Spaß nicht! Ein bisserl Herzklopfen und weiche Knie gehören dazu ... die hat man auch, wenn man verliebt ist. grin

Viele Grüße
Gitte Härter
Von: Christine am 21.02.2012
Liebe Gitte,

Danke für's Reframing.

Herzliche Grüße aus Hamm,
Christine
Von: Götz Müller am 21.02.2012
Eine gute Möglichkeit, sich bzgl. Reden vor Gruppen weiterzuentwickeln sind die Toastmasters Clubs. Die gibt es in größeren Städten bzw. Ballungszentren, bspw.n München m.W. sieben Clubs. Das Tolle daran ist auch, dass man Feedback für die Reden bekommt.
Von: Silke Bicker am 22.02.2012
Ohne Lampenfieber zu Beginn und kurz vorher fehlt mir etwa. Nach spätestens 5 Minuten verschwindet es dann klammheimlich und hinterlässt nur noch Freude, vor allem wenn das Thema mir total liegt.
Von: Susanne am 23.02.2012
Wichtig ist, dass wenn man Folien zeigen will, genügend Zeit einplant um VOR Beginn der Veranstaltung alles technische so einzurichten, dass es sofort und auf Anhieb funktioniert. Es gibt nichts Lähmenderes, als dass man vor dem Publikumman eine halbe Stunde mit dem Beamer herumexperimentiert, anstatt anzufangen.
Am günstigsten ist, wenn man das schon am Vortag vorbereiten kann. Wenn ich die technischen Gegebenheiten nicht kenne, bereite ich mir den Vortrag so vor, dass es auch ganz ohne Folien geht.
Übrigens : bei Folien gilt: weniger ist mehr!
Lg
Susanne
Von: Maria am 26.02.2012
Hallo alle zusammen!
Zum Thema Lampenfieber fällt mir immer wieder folgende Anekdote ein (die mir von meinem Coach erzählt wurde).
Eine junge Schauspielerin sagte einmal zur weltberühmten Sarah Bernhart (1844-1923): "Ich habe nie Lampenfieber", worauf Sarah Bernhardt antwortete: "Das wird schon kommen, wenn Sie gut spielen können". wink
Maria
Von: Silke Bicker am 26.02.2012
Ohne Lampenfieber fehlt mir etwas und es verdünnisiert sich in der Regel in den ersten 5 Minuten wieder.
Von: Gitte Härter am 27.02.2012
Hallo zusammen,

ganz herzlichen Dank für die zahlreichen weiteren Tipps! grin

Viele Grüße
Gitte

 

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